Erste Jesiden sollen nach Brandenburg kommen

Erste Jesiden sollen nach Brandenburg kommen

Der Brandenburger Landtag forderte vor mehr als zweieinhalb Jahren, dass schutzbedürftige Jesiden aus dem Irak aufgenommen werden sollen. Inzwischen ist ein landeseigenes Hilfsprogramm angelaufen.

Potsdam (dpa/bb) - Nach längerer Planung sollen in dieser Woche die ersten Jesidinnen und Jesiden aus dem Irak im Rahmen einer Hilfsaktion in Brandenburg aufgenommen werden. Es handle sich um eine achtköpfige Gruppe, eine Familie, sagte Staatskanzleichef Martin Gorholt (SPD) am Sonntag. Insgesamt hätten 71 Jesidinnen und Jesiden im Rahmen des Landesaufnahmeprogramms Bescheide bekommen - die meisten davon seien Frauen und Kinder. Sie sollten in einer Gemeinschaftsunterkunft untergebracht werden. Mehrere Medien hatten zuvor über die erwarteten Jesiden berichtet.
Dschihadisten hatten im August 2014 bei ihrem Feldzug im Nordirak mehr als 10 000 Jesiden im Sindschar-Gebirge eingekesselt. Tausende Frauen und Kinder der religiösen Minderheit wurden gefangengenommen und versklavt, Tausende Männer getötet.
Manche junge Frauen sind nach Angaben des Staatskanzleichefs schwer traumatisiert infolge von Vergewaltigungen und Misshandlungen durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). «Es sind junge Frauen dabei, die zum Zeitpunkt des Überfalls des IS erst 14 Jahre alt waren und mehr als drei Jahre in der Gefangenschaft des IS waren», erklärte Gorholt. Die Biografien der Jesiden seien unterschiedlich: Manche seien schon vor mehreren Jahren aus Gefangenschaft des IS geflohen und lebten in Flüchtlingslagern, andere seien erst vor wenigen Wochen freigekommen oder freigekauft worden.
Der Brandenburger Landtag hatte sich im Dezember 2016 mit großer Mehrheit für die Aufnahme einer begrenzten Zahl von Jesiden ausgesprochen. Für die Hilfsaktion ist im Landeshaushalt rund eine Million Euro eingeplant. Der Staatskanzleichef nannte als Grund für die lange Vorbereitungszeit Verhandlungen und Abstimmungen vor allem zwischen dem Land und dem Bund. Dabei gehe es zum Beispiel um Sicherheitsprüfungen männlicher Jesiden, die Frauen und Kinder begleiten. Dazu komme die Visa-Erteilung im Irak. «Es dauert einfach lange, das ist für uns auch unverständlich», sagte Gorholt.
Das Land hat für die Aufnahme neben der Bundesregierung auch mit der UN-Flüchtlingshilfe UNHCR und der Internationalen Organisation für Migration IOM kooperiert. Der genaue Ort der Unterbringung wird aus Sicherheitsgründen nicht genannt. Brandenburg ist nicht das erste Land mit solcher Hilfe: Baden-Württemberg hat seit 2015 etwa 1000 Frauen und Kinder aufgenommen, die in IS-Gefangenschaft waren. Niedersachsen und Schleswig-Holsten folgten.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 11. August 2019 15:10 Uhr

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