Brandenburg hofft auf gütliche Einigung mit Hohenzollern

Brandenburg hofft auf gütliche Einigung mit Hohenzollern

Es geht um Kunstobjekte, Geld und das Wohnrecht in Schlössern: Die Nachkommen des letzten deutschen Kaisers erheben Ansprüche. Haben sie Aussicht auf Erfolg?

Dietmar Woidke

© dpa

Dietmar Woidke, derMinisterpräsident von Brandenburg. Foto: Carsten Koall/Archivbild

Berlin (dpa/bb) - Im Streit um Entschädigungsforderungen der Hohenzollern setzt Brandenburg nach Angaben von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) weiter auf eine gütliche Einigung. Er hoffe sehr, dass die konstruktive Haltung, die es über Jahre hinweg gegeben habe, im Hause Hohenzollern wieder Einzug halte, sagte Woidke. Der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg wollten am Mittwoch bei Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) mit dem Haus Hohenzollern verhandeln.
Es fordert die Rückgabe zahlreicher Kunstgegenstände, ein Wohnrecht im Schloss Cecilienhof oder zwei anderen Liegenschaften sowie 1,2 Millionen Euro Entschädigung vom Land Brandenburg. Der Anwalt der Nachkommen, Markus Henning, hatte erklärt, dass die Kunstschätze weiter öffentlich sein sollen.
Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) hatte dem Chef des Hauses Hohenzollern eine Frist bis Mittwoch gesetzt. Der Ur-Ur-Enkel des letzten deutschen Kaisers, Wilhelm II., sollte erklären, dass er auf Entschädigungszahlungen in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro verzichtet und eine entsprechende Klage gegen das Land zurückzieht. «Wir wollen klar und unmissverständlich eine Antwort von Georg Friedrich Prinz von Preußen», sagte eine Sprecherin des Ministeriums am Mittwoch.
Görke hatte angekündigt, im Falle einer Nichteinigung das seit 2014 ruhende Verfahren am Berliner Verwaltungsgericht wieder aufleben zu lassen. Dabei geht es darum, ob den Hohenzollern eine Entschädigung rechtmäßig zusteht. Dazu muss nach Angaben des Ministeriums geklärt werden, ob die Hohenzollern dem Naziregime Vorschub geleistet haben.
Nach dem Abdanken von Kaiser Wilhelm II. nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 beschlagnahmte die Regierung den kaiserlichen Besitz. 1926 wurde per Vertrag eine Vermögensregelung getroffen. Die sowjetischen Besatzer warfen 1945 den Hohenzollern vor, mit den Nazis kollaboriert zu haben, und entzogen ihnen das Wohnrecht in den Schlössern im Osten.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 24. Juli 2019 18:30 Uhr

Weitere Meldungen