Hitze in Brandenburg: Mehr Patienten mit Kreislaufproblemen

Hitze in Brandenburg: Mehr Patienten mit Kreislaufproblemen

Die für Brandenburg große Hitze wird zur Belastung. Notaufnahmen der Krankenhäuser melden mehr Patienten mit Kreislaufproblemen. Auch die Natur leidet.

Sport bei Hitze

© dpa

Nicht wenige hatten auf einen warmen und sonnigen Sommer gehofft - nun wird die große Hitze für Mensch und Natur zur Belastung. Der Osten Deutschlands lag am Mittwoch (26. Juni 2019) bei den Temperatur-Höchstwerten vorn. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes war am Nachmittag das brandenburgische Coschen (Landkreis Oder-Spree) mit 38,6 Grad der heißeste Ort in Deutschland. Am Mittag wurde in Potsdam mit 35,8 Grad die zweithöchste Temperatur gemessen. Der Temperaturhöchststand wurde am späteren Nachmittag erwartet.
Der noch amtierende Ortsvorsteher von Coschen, Edmund Henze, zeigte sich überrascht. «Ich habe bei mir im Garten 34 Grad im Schatten gemessen», sagte er am Nachmittag. «Aber die Messstelle des Wetterdienstes ist in der Neiße-Niederung, da steht wahrscheinlich die Luft.»

Henze: Bewohner von Coschen sind extreme Temperaturen gewohnt

«Im Winter wird es von Osten her extrem kalt und im Sommer kommt die große Hitze», sagte er. Den ganzen Juni hätten in Coschen schon Hitzewerte um 30 Grad geherrscht. Der 79-Jährige war 18 Jahre lang Ortsvorsteher in Coschen und wollte sein Amt nach der Kommunalwahl Ende Mai abgeben. «Aber ich habe es noch nicht geschafft, die Amtsgeschäfte zu übergeben», meinte er.

Kreislaufzusammenbrüche ziehen Stürze und Prellungen nach sich

Die Zahl der Hitzegeschädigten, die in Notaufnahmen von Krankenhäusern eingeliefert werden müssen, hat nach einer dpa-Umfrage wegen der Hitzewelle zugenommen. Mit Wochenbeginn seien im Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus mehr Patienten mit Kreislaufproblemen eingeliefert worden, sagte der Chef der Notaufnahme, Olaf Konopke, am Mittwoch. Konkrete Zahlen nannte der Mediziner nicht. Aufgrund von Kreislaufzusammenbrüchen häuften sich Stürze und Prellungen. Darunter seien nicht nur ältere Leute sondern auch Jugendliche, die sich zuviel der Sonne aussetzten und nicht ausreichend trinken würden.
Auch das Bergmann-Klinikum in Potsdam hat einen Anstieg der Patienten beobachtet, die mit Hitzefolgen in der Notaufnahme landeten, wie eine Sprecherin mitteilte. Das Klinikum in Frankfurt/Oder bestätigte ebenfalls mehr Hitzegeschädigte. Die Fälle von Patienten, die wegen Sonnenstichen, Hitzeschlag mit Übelkeit und Schwindel und Kreislaufzusammenbrüchen behandelt werden müssten, sei gestiegen, teilte eine Sprecherin des Klinikums mit.

Viel trinken und schwere körperliche Anstrengung vermeiden

Ärzte aller drei Kliniken empfahlen, bei dieser großen Hitze schwere körperliche Arbeit möglichst zu vermeiden. Wichtig sei es, möglichst viel zu trinken, vor allem mehr als einen Liter. Man sollte für eine Kopfbedeckung und Sonnenschutz sorgen. Alkohol sollte bei der Hitze eher nicht getrunken werden. Senioren oder Menschen mit Vorerkrankungen wurde geraten, sich bei der Hitze in einem kühlen Raum aufzuhalten oder gar nicht rauszugehen.

Anwohner aufgerufen, Bäume zu gießen

Auch die Natur leidet unter der Hitze. Städte wie Potsdam und Spremberg (Spree-Neiße) haben die Einwohner dazu aufgerufen, den Bäumen vor ihrer Haustür Wasser zu geben - auch, weil die Grünflächenämter nicht hinterherkämen. Schon vier bis fünf Wassereimer zwei Mal pro Woche könnten den Straßenbäumen spürbar helfen, hieß es von der Stadtverwaltung Potsdam. Ihren Angaben nach stehen in Potsdam rund 42 000 Straßenbäume.
Von der Stadt Spremberg hieß es, die Folgen des «Trockenstresses» der Bäume würden in den nächsten Jahren durch mehr Totholz und eine höhere Anfälligkeit für Baumschädlinge für jeden sichtbar werden. Leider seien die Kapazitäten des Betriebshofes für die Wässerung der Bäume eingeschränkt. Deshalb sollten die Bürger einem Baum vor dem Haus oder in der Straße den einen oder anderen Eimer Wasser spendieren. Im Stadtgebiet Spremberg einschließlich der Ortsteile stehen knapp 21 000 Bäume.
Von der Stadtverwaltung Cottbus hieß es, so ein Gieß-Aufruf wie im vergangenen Jahr sei auch in diesem Jahr denkbar. Im Sommer 2018 hatte die Stadt die Bürger zum Bewässern der Straßenbäume aufgerufen, auch über soziale Medien. Es habe darauf viel positive Resonanz gegeben, sagte eine Sprecherin am Mittwoch auf Anfrage. Die Feuerwehren hatten damals zusätzlich gewässert.

Gießsäcke in Fürstenwalde im Einsatz

Die Stadt Fürstenwalde behilft sich anders. An die 300 älteren Straßenbäume im Stadtgebiet hat sie 60-Liter-Gießsäcke angebracht. Diese geben tröpfchenweise das Wasser über einen längeren Zeitraum ab, wie Stadtsprecherin Anne Gret Trilling sagte. Die Bewässerung der zahlreichen jüngeren Bäume habe man an eine externe Firma abgegeben.

Beelitz fordert Betretungsverbot für die Wälder

Die Stadt Beelitz hat unterdessen beim Landesforstamt ein Betretungsverbot für die Wälder im Stadtgebiet beantragt. «Das ist notwendige Prävention - wir haben große Kiefernwaldbestände, und somit ist die Situation in Beelitz brandgefährlich», sagte Stadtsprecher Thomas Lähns am Mittwoch. Er hofft auf eine Entscheidung der Behörden innerhalb weniger Tage.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 27. Juni 2019 09:11 Uhr

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