Tote bei Unfall mit Polizeiauto: Geldstrafe für Polizist

Tote bei Unfall mit Polizeiauto: Geldstrafe für Polizist

Sie waren mit Blaulicht auf dem Weg zu einem Einsatz, als ein tragische, tödliche Unfall passierte. Vor dem Amtsgericht Potsdam stand am Mittwoch der 27-Jährige Fahrer des Polizeiautos.

Ein Justiz-Mitarbeiter

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Ein Justiz-Mitarbeiter steht im Verhandlungssaal des Amtsgerichts Potsdam beim Prozess gegen einen Polizisten. Foto: Julian Stähle

Potsdam (dpa/bb) - Weil er bei einer Einsatzfahrt zwei Menschen tötete, ist ein Polizist am Mittwoch zu einer Geldstrafe in Höhe von 6300 Euro verurteilt worden. Der 27-Jährige wurde vom Amtsgericht Potsdam wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Auch mit Sonderrechten während des Einsatzes hätte der Angeklagte nach Feststellung des Gerichtes langsamer fahren müssen, sagte Gerichtssprecher Oliver Kramm nach dem Urteil. Beim Überqueren der Kreuzung habe er die erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen. «Er war einfach zu schnell», sagte Kramm.
Der 27-Jährige und ein Kollege waren am 15. Oktober 2017 mit Blaulicht und Martinshorn zu einem Einsatz von Potsdam nach Teltow unterwegs. Am Bahnhof hatte ein Mann randaliert und drei Polizisten verletzt. Auf dem Weg dorthin soll der Polizist die Kreuzung Potsdamer Straße/Ecke Warthestraße mit einer unangepassten Geschwindigkeit von etwa 74 bis 87 Kilometer pro Stunde passiert haben, so die Anklage. Auf der Kreuzung prallte das Polizeiauto dann gegen den Wagen eines 70-Jährigen. Er und seine 60-jährige Beifahrerin starben noch am Unfallort.
Es tue ihm unglaublich leid, sagte der Angeklagte kurz nach Beginn der Verhandlung. Er kämpfte mit den Tränen. Mit den Worten richtete er sich an den Sohn der beiden Gestorbenen, der als Nebenkläger im Prozess auftrat. Der Angeklagte stehe wie er (der Sohn) jeden Morgen damit auf und ginge abends ins Bett. Der Sohn nahm die Worte regungslos entgegen.
Bei dem Verfahren am Mittwoch musste das Gericht klären, ob der Angeklagte die nötige Sorgfalt angewandt hatte, die bei solchen Einsatzfahrten mit Blaulicht und Martinshorn nach dem Gesetz gelten. Beide Ampeln sollen auf rot gestanden haben. Warum fuhr der 70-Jährige Fahrer trotz Warnsignalen und roter Ampel los?
An der Kreuzung komme es sehr oft vor, dass Autofahrer fahren, obwohl die Ampel für den Weg geradeaus, den auch der 70-Jährige nehmen wollte, Rot zeige, sagte ein 64-jähriger Zeuge vor Gericht. Grund sei, dass eine zweite Ampel auf Grün stehe, die allerdings nur für das Abbiegen gelte. Der 64-Jährige hatte an dem Morgen das Martinshorn gehört. Dann gab es den Knall. Sofort sei er auf die Kreuzung geeilt, habe geholfen.
Auch diejenigen, für die nach dem Gesetz Sonderrechte bei Einsatzfahrten gelten, treffe eine besondere Sorgfalt, sagte Staatsanwalt Jörg Möbius. Mehrmals fragte der Vorsitzende Richter Stephan Heinrichs den Angeklagten, ob die Ampelanlage tatsächlich auf rot gestanden und ob er den von links kommenden Wagen gesehen habe. Er könne sich daran nicht mehr erinnern, sagte der 27-Jährige. Noch immer leide er unter dem, was an dem Morgen im Oktober geschehen sei.
«Der Angeklagte hat durch Fahrlässigkeit den Tod der Menschen verursacht», sagte Staatsanwalt Möbius. Mit der Strafe von 90 Tagessätzen zu je 70 Euro folgte das Gericht im Wesentlichen den Anträgen der Staatsanwalt. Gegen das Urteil ist die Berufung zugelassen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 12. Juni 2019 17:40 Uhr

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