Angegriffener Israeli: Ich fühle mich unsicher

Angegriffener Israeli: Ich fühle mich unsicher

Der wegen seiner Kippa in Berlin angegriffene Israeli fühlt sich bis heute unsicher. «Ich würde die Kippa nicht wieder aufsetzen, wenn ich allein bin», sagte der Adam A. am Dienstag als Zeuge im Prozess vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten. Der 21-Jährige tritt zugleich als Nebenkläger auf. Er trage die Kopfbedeckung nur noch bei Freunden oder in einer Gruppe, sagte er. Als er in die deutsche Hauptstadt kam, sei er überzeugt gewesen, dass Berlin sicher sei. «Es war nicht der Fall.» Der Israeli ist seit drei Jahren in Deutschland.

Der Angeklagte im Gerichtssaal

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Der Angeklagte sitzt in einem Gerichtssaal des Amtsgerichts Tiergarten. Foto: Paul Zinken

Angeklagt ist ein 19-Jähriger aus Syrien, der den Studenten der Tiermedizin vor rund zwei Monaten im Stadtteil Prenzlauer Berg antisemitisch beschimpft und mit einem Hosengürtel geschlagen haben soll. Der junge Israeli war mit einem Deutsch-Marokkaner unterwegs.
Der Mann aus Israel hatte den Angriff gefilmt und ins Internet gestellt. Im Gericht wurde die Sequenz ebenfalls gezeigt. Zum Anfang der Aufnahme ist auf arabisch die Stimme des Angeklagten zu hören, der sagt: «Warum beleidigst Du uns?» Der Israeli sagte dazu, damals habe er den Satz nicht wahrgenommen.
Die Verteidigerin des Syrers sagte am Rande des Prozesses, ihr Mandant sei kein Antisemit. Es sei vielmehr eine «situationsgeprägte Spontanhandlung» gewesen. Der Israeli und sein Freund hätten sich von Beleidigungen angesprochen gefühlt, die sich nicht auf sie bezogen hätten. Das Wort Jude sei für ihn nicht antisemitisch, sondern «Alltags-Sprachgebrauch».

Quelle: dpa

| Aktualisierung: 19. Juni 2018