Missbrauchsvorwürfe: Berliner Arzt zu Geldstrafe verurteilt

Missbrauchsvorwürfe: Berliner Arzt zu Geldstrafe verurteilt

Ein Berliner HIV-Arzt ist zu einer Geldstrafe von 45.000 Euro verurteilt worden.

Justitia

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Ein Amtsgericht sprach den Mediziner am Montag (01. November 2021) eines sexuellen Missbrauchs unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses schuldig. Betroffen sei ein inzwischen 45 Jahre alter Mann, der sich im September 2012 in die Praxis des Angeklagten begeben habe. Im Fall von drei weiteren Männern, die Vorwürfe erhoben hatten, entschied das Amtsgericht Berlin-Tiergarten auf Freispruch. Ein fünfter Fall war im Laufe des Verfahrens abgetrennt worden.
Die Anklage war zunächst von fünf mutmaßlichen Taten bei körperlichen Untersuchungen in der Zeit von August 2011 bis Mai 2013 ausgegangen. Die Staatsanwältin hatte auf einen Schuldspruch in drei Fällen plädiert und eine Strafe von elf Monaten Haft auf Bewährung sowie die Zahlung einer Geldauflage gefordert. Die Verteidigung hatte Freispruch verlangt. Die Plädoyers liefen unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Für den 63-jährigen Arzt hatten seine Verteidiger zu Prozessbeginn vor sechseinhalb Monaten erklärt, ihr Mandant habe keinerlei sexuelle Handlungen an Patienten vorgenommen. Alle Untersuchungen und Therapien an den fünf Männern, von denen in der Anklage die Rede ist, seien medizinisch indiziert gewesen. Der Arzt arbeite in einer Praxis, die vor mehr als 25 Jahren bewusst in einem Berliner Schwulenkiez gegründet worden sei. «Von Anbeginn war die Praxis vor allem auf die Behandlung von Krankheiten wie HIV, Aids, Hepatitis und weitere sexuell übertragbare Krankheiten ausgerichtet.» 
Im Urteil hieß es weiter, das Gericht habe keine Zweifel an der Aussage des 45-jährigen Zeugen. Nach einer rektalen Untersuchung, die nicht von der ärztlichen Kunst abgewichen sei, sei es zu einer kurzen Manipulation am Penis gekommen. Diese Handlung sei nicht in Einklang zu bringen mit einer medizinischen Untersuchung und sei ein sexueller Missbrauch, sagte der Vorsitzende Richter. 
Das Gericht verhängte eine Strafe von 150 Tagessätzen zu je 300 Euro. Wegen rechtsstaatswidriger Verfahrensverzögerung würden 30 Tagessätze als vollstreckt gelten, so der Richter. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.  

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 2. November 2021 08:16 Uhr

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