Polizei räumt erneut Parks wegen illegaler Feiern

Polizei räumt erneut Parks wegen illegaler Feiern

In mehreren Berliner Parks haben große Partys am Wochenende die Polizei auf den Plan gerufen. Anwohner waren gegen Mitternacht von Lärm und lauter Musik genervt. Auch wegen Verstößen gegen die Abstandsregeln in der Pandemie räumte die Polizei in beiden Nächten Grünanlagen in den Szenekiezen. Dabei kam es in der Nacht zum Samstag im Mauerpark auch zu Randale. Zwei Polizisten wurden verletzt.

Polizeiauto

© dpa

Das Wort Polizei steht auf der Karosserie eines Einsatzwagens.

«Wir haben Verständnis für laue Sommerabende in einladenden Parks, aber nicht für laut und eng die Nacht durchfeiernde Gruppen, die Einsatzkräfte angreifen & mit Flaschen bewerfen, wenn die den Anwohnenden ihre berechtigte Ruhe verschaffen wollen», twitterte die Polizei. Nächste Woche soll der Sommer mit Temparaturen über 30 Grad richtig durchstarten. Für den 20. Juni ist bereits eine Demonstration mit Booten für mehr Freizeit-Freiheiten geplant.
Denn noch gelten in Berlin bei 7-Tages-Inzidenzen unter 20 strenge Corona-Regeln. Mehr als 10 Erwachsene aus fünf Haushalten sollen sich draußen nicht treffen - und dann bitte mit Abstand. Faktisch gilt auch ein Tanzverbot. «Tanzlustbarkeiten» und ähnliche Unternehmen, heißt es in Berlins Infektionsschutzmaßnahmen-Verordnung«dürfen nicht für den Publikumsverkehr geöffnet werden».
Kulturverwaltung und Clubszene denken über Lösungen nach. Am Sonntag gab es dazu das Pilotprojekt «Open Air». Daran durften in einer neuen Location des des Technoclubs Griessmühle 300 freiwillige Tänzer teilnehmen, per Losverfahren ausgesucht. Alle, die mittanzen wollten, mussten entweder getestet, geimpft oder genesen sein. Getanzt wurde mit Maske und Chips, die Abstände messen. An der Auswertung sind auch Berliner Hochschulen beteiligt. Zehn Tage nach der Party sollen alle Teilnehmer noch einmal getestet werden, erläuterte eine Clubsprecherin.
In der Berliner Realität sah es am Wochenende anders aus. Im Mauerpark feierten Freitagnacht rund 1500 Menschen. Nach Beschwerden von Anwohnern über den Krach im dicht besiedelten Stadtteil kam die Polizei und versuchte, die Lage zu beruhigen. Dabei seien Beamte auch von Feiernden angegriffen und mit Flaschen beworfen worden, sagte eine Sprecherin. Es gebe nun Strafermittlungsverfahren wegen schweren Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung sowie tätlichen Angriffs.
In der Nacht zum Sonntag löste die Polizei im Mauerpark eine illegale Party mit Musik, Lasershow und 1500 Feiernden auf. Zu Gewalt sei es dabei nicht gekommen, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Allerdings hätten die Kollegen einige Unwillige förmlich aus dem Park schieben müssen.
Auch in anderen Parks, zum Beispiel nahe der Museumsinsel oder in der Neuköllner Hasenheide, sei es in den Nächten um Anwohner-Beschwerden wegen zu lauter Musik gegangen, berichtete die Polizei. Einige Feiernde seien nach Alkoholgenuss weniger bereit gewesen, die Parks zu verlassen als andere. Insgesamt sei die Lage in der Nacht zu Sonntag aber entspannter gewesen - und die Feiernden einsichtiger und friedlicher. Allerdings war diese Nacht mit nur 13 Grad auch deutlich kühler.
Die Senatskulturverwaltung appellierte am Wochenende an eine sichere, aber auch willige und lockere Hand bei Genehmigungsverfahren für Flächennutzungen draußen. Die Clubszene habe sich 15 Monate lang vorbildlich und verantwortungsvoll verhalten, sagte Sprecher Daniel Bartsch am Samstag. «Solche Sachen sollten ermöglicht werden.» Dabei seien Konzepte gemäß der Auflagen nötig.
Ein Ärgernis für Anwohner sind auch die Müllberge in Parks am Morgen nach den Park-Feiern. Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) schlug am Samstag im rbb-Inforadio vor, das betonierte Vorfeld des Flughafens Tempelhof im angrenzenden Bezirk Kreuzberg als bewirtschaftete Feier-Fläche zu nutzen. Ob das funktionieren würde, konnte die Senatskulturverwaltung wegen komplizierter Zuständigkeiten auf die Schnelle nicht sagen. Eine Prüfung wäre wünschenswert, sagte Sprecher Bartsch. Es seien bereits Flächen für Open-Air-Veranstaltungen gemeldet. Auch die Bezirke sollten mögliche Standorte mit ins Spiel bringen, findet Bartsch.
Die Umweltverwaltung stellt aber schon klar, dass das zentrale Tempelhofer Feld mit seinen ausgedehnten Rasenflächen und ehemaligen Start- und Landebahnen für große Partys tabu bleibe. Dafür gebe es ein Gesetz, sagte ein Sprecher.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 13. Juni 2021 15:20 Uhr

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