Glück für Polizei beim «Tiergarten-Mord»: Zeugen reagierten

Glück für Polizei beim «Tiergarten-Mord»: Zeugen reagierten

Der mutmaßliche Täter im «Tiergarten-Mord» in Berlin ist nur durch einen glücklichen Zufall sowie zwei aufmerksame und schnell reagierende junge Männer gefasst worden.

Tiergarten

© Franziska Delenk

Der Tiergarten

Das zeigten die Aussagen der beiden Zeugen, die am Dienstag (24. November 2020) im Prozess beschrieben, wie sie am 23. August 2019 den Verdächtigen bemerkten, beobachteten und zügig die Polizei riefen. Zufällig saßen die Männer erst seit wenigen Minuten auf Treppenstufen zu einer Spreebrücke nahe dem Flussufer, als der Mann erschien, sich hinter Büschen umzog und kurz darauf von den alarmierten Polizisten festgenommen werden konnte. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.
Ein 40-jähriger Tschetschene war am Mittag des Tages im Park Kleiner Tiergarten in Berlin-Moabit mit Schüssen in Rücken und Kopf getötet worden. Zeugen sprachen von einer «Hinrichtung». Sie beschrieben den Täter als schwarz gekleideten Mann mit auffälligen schwarzen Locken, der auf einem Fahrrad floh. Das Opfer hatte im Tschetschenien-Krieg gegen Russland gekämpft und galt dort als Staatsfeind. Angeklagt ist ein Russe, der erklären ließ, er heiße Vadim S., sei 50 Jahre alt und Bauingenieur. Laut Bundesanwaltschaft ist er 55 Jahre alt und hat einen anderen Namen. Laut Anklage geht es um einen Mord im Auftrag Russlands.
Die beiden jungen Männer, deren Namen aus Sicherheitsgründen im Gerichtssaal nicht genannt wurden, beschrieben, wie ein dunkel gekleideter Mann auf dem Holsteiner Ufer schnell auf einem Fahrrad angefahren kam, wenige Meter vor ihnen hielt und hinter Büschen am Flussufer verschwand. Durch die Büsche hätten sie seine Bewegungen beim Umziehen beobachtet. Dann hätten sie gesehen und gehört, wie das Fahrrad und andere Gegenstände ins Wasser geworfen wurden.
Weil ihnen die Situation verdächtig vorgekommen sei und wegen einer möglichen Gefahr seien sie zur weiteren Beobachtung auf die Lessingbrücke gegangen. Von dort wählte einer der beiden den Notruf der Polizei. Als der Mann aus den Büschen kam, «war er komplett anders gekleidet», sagte einer der beiden Zeugen: Anglerhut statt dunkler Locken, T-Shirt mit weißen und pinken Querstreifen und kurze Hose statt dunkler Jogginghose und Sportjacke.
Der Mann sei zügig weggegangen, in einer Toreinfahrt verschwunden, schnell wieder aufgetaucht und weiter gegangen. Sie seien ihm mit etwa 20 Meter Abstand gefolgt, sagte einer der Zeugen. Der Verdächtige sei «leicht panisch» geworden, habe sich mehrmals hektisch umgedreht, sie angesehen und sei dann schneller geworden. Dann seien aber bereits mehrere Polizeiautos mit Blaulicht angekommen und sie hätten Rufe «Achtung Polizei» und «Hände hoch» gehört.
Ein Polizist sei in die Spree gesprungen und habe das Rad und auf dem Wasser treibende Kleidung und Gegenstände wie Taschen an Land geholt. Bekannt ist, dass auch eine Pistole von der Polizei aus dem Fluss geholt wurde. Die Verteidiger fragten die Zeugen, ob sie den Mann hinter den Büschen ununterbrochen gesehen hätten und ausschließen könnten, dass dort noch eine zweite Person gewesen sei. «Das kann ich nicht ausschließen», sagte einer der jungen Männer. Aber er habe die Bewegungen des Mannes «eigentlich» die ganze Zeit beobachtet. «Wären da zwei Personen gesehen, hätten wir das wahrscheinlich gesehen.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 24. November 2020 14:24 Uhr

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