Berliner zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt

Berliner zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt

In einem Prozess um Cyberkriminalität im großen Stil ist ein 25-jähriger Berliner zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein 28-jähriger Mitangeklagter erhielt fünfeinhalb Jahre Haft. Die Angeklagten hätten unter anderem mit Daten Dritter, die sie sich im sogenannten Darknet verschafft hatten, und gefälschten Personalausweisen eine Vielzahl von Bankkonten eröffnet und für Straftaten genutzt, begründete das Landgericht am Dienstag. Der 25-Jährige, der ein Jurastudium absolviert hat, habe mehr als 90 000 Euro erbeutet. Die Angeklagten hatten teilweise gestanden.

Richterhammer

© dpa

Auf der Richterbank liegt ein Richterhammer aus Holz.

Der einschlägig vorbestrafte 25-Jährige wurde der gewerbsmäßigen Urkundenfälschung in 105 Fällen sowie des gewerbsmäßigen Betrugs schuldig gesprochen. Im Fall des 28-Jährigen ging das Gericht von 110 Taten mit einem Schaden von rund 11 000 Euro aus. Die Männer hätten sich im Sommer 2015 kennengelernt und beschlossen, betrügerisch Konten zu eröffnen. Gezielt seien dabei Kontrollmechanismen von Banken umgangen worden. «Man kann nicht sagen, dass es ihnen besonders leicht gemacht wurde», so die Vorsitzende Richterin. Die Angeklagten hätten professionell agiert.
Der 25-Jährige war den Angaben zufolge in einer Wirtschaftskanzlei als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig, als er im Oktober 2019 festgenommen wurde. Mit betrügerisch erlangten Geld- und Kreditkarten habe er zum Teil innerhalb weniger Minuten bis zu 3000 Euro an Geldautomaten abgehoben, hieß es weiter im Urteil.
Der Staatsanwalt sagte am Rande, es handele sich um eines der umfangreichsten Berliner Verfahren zu Cyberkriminalität. Was in der Anklage stehe, sei «die Spitze des Eisberges». Der Ankläger hatte auf Strafen von achteinhalb beziehungsweise sechseinhalb Jahren Haft plädiert. Die Verteidigerin des 25-Jährigen hatte keinen konkreten Antrag gestellt, die Anwälte des 28-Jährigen plädierten auf viereinhalb Jahre Haft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 15. September 2020 17:20 Uhr

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