Mann aus Fremdenhass attackiert: Bewährungsstrafe

Mann aus Fremdenhass attackiert: Bewährungsstrafe

Nach einem fremdenfeindlichen Übergriff am Bahnhof Gesundbrunnen ist ein 30-Jähriger zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Landgericht Berlin

© dpa

Schilder an der Fassade des Gerichts Moabit weisen die Staatsanwaltschaft Berlin und das Landgericht Berlin aus.

Er habe einen aus dem Irak stammenden Mann wegen dessen Herkunft beschimpft, ihn mehrfach geschlagen und den Hitlergruß gezeigt, begründete das Amtsgericht Tiergarten am Mittwoch. Das 49 Jahre alte Opfer habe bei dem nächtlichen Angriff unter anderem ein Schädelhirntrauma und diverse Prellungen erlitten. Der geständige Angeklagte wurde unter anderem der Körperverletzung, des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, der Volksverhetzung und der Beleidigung schuldig gesprochen. Weil er bei der Tat erheblich alkoholisiert war, ging das Gericht von einer verminderten Schuldfähigkeit aus.

Motiv: «Hass auf Mitmenschen ausländischer Herkunft»

Der mehrfach und auch einschlägig vorbestrafte 30-Jährige hatte den ihm unbekannten Mann laut Anklage «aus Hass auf Mitmenschen ausländischer Herkunft» auf dem Bahnhofsvorplatz zunächst beschimpft und ihm eine «Kopfnuss» versetzt. Das Opfer sei gegen die Scheibe eines Ladenlokals geprallt. Als der 49-Jährige die Flucht ergriff und sich mit einem Fahrradschloss verteidigte, habe der 30-Jährige den Mann verfolgt, ausländerfeindliche Parolen gebrüllt, den Hitlergruß gezeigt und mit der Faust auf das Opfer eingeschlagen.

Gericht sehe eine positive Sozialprognose

Der 30-jährige Lagerist erklärte, er habe daran keine Erinnerung. «Es kann aber so gewesen sein, es tut mir leid.» Damals habe er viel Alkohol konsumiert. Inzwischen habe er sein Leben geändert, habe einen Job, eine neue Familie und werde demnächst Vater. Das Gericht sehe eine positive Sozialprognose, hieß es weiter im Urteil. Die Strafe könne deshalb zur Bewährung ausgesetzt werden. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen ein Jahr Gefängnis gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 29. Juli 2020 14:20 Uhr

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