Fahrt von Berlin in den Dschihad: Angeklagter gesteht

Fahrt von Berlin in den Dschihad: Angeklagter gesteht

In einem Prozess wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat hat ein 25-Jähriger gestanden. Er sei vor knapp dreieinhalb Jahren von Deutschland aus aufgebrochen, um über die Türkei nach Syrien einzureisen und sich dort der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen, gab der Angeklagte zu Prozessbeginn am Donnerstag (11. Juni 2020) vor dem Landgericht Berlin zu.

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand

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Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.

Damals sei er radikalisiert und verblendet gewesen. «Aus heutiger Sicht ist es für mich selbst schwer nachvollziehbar.» Er sei nicht so erzogen, sagte der Mann mit deutscher und libanesischer Staatsbürgerschaft. Der 25-Jährige hatte sich laut Anklage mit zwei weiteren Männern von Berlin aus auf den Weg gemacht. Sie hätten sich einer «routinemäßigen Ausbildung mit Waffen und Sprengstoffen» durch den IS unterziehen wollen, um später einschlägige Gewalttaten zu verüben. Es sei ihnen darauf angekommen, die bestehenden Strukturen in Syrien zu destabilisieren und so zur Errichtung eines islamistischen Gottesstaates unter Geltung der Scharia beizutragen.

Kurz nach seiner Ankunft in der Türkei seien dem Angeklagten Zweifel gekommen

Zu seiner Radikalisierung sei es innerhalb eines Jahres gekommen, so der Angeklagte. Informationen, die er im Internet gefunden habe, hätten ihn zu dem Irrglauben geführt, der IS würde legitime Ziele verfolgen. Zudem habe er sich mit Gleichgesinnten in einer Moschee getroffen. Als sie in der Türkei angekommen waren, seien ihm Zweifel gekommen. Im März 2017 sei er in Ankara festgenommen worden. Damals habe er begonnen, sich von radikalem Gedankengut zu distanzieren. Der 25-Jährige war nach seiner Entlassung aus einem türkischen Gefängnis im Dezember 2019 in Bulgarien aufgrund eines Haftbefehls festgenommen und im Januar nach Deutschland überstellt worden. Er befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Der Prozess wird am 15. Juni fortgesetzt.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 11. Juni 2020 16:32 Uhr

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