Nach tödlichem Crash: Prozess gegen Berliner Hauptkommissar

Nach tödlichem Crash: Prozess gegen Berliner Hauptkommissar

Der Prozess gegen einen Berliner Polizisten nach einem tödlichen Crash startet am 27. Oktober. Das teilte eine Gerichtssprecherin am Montag (08. Juni 2020) auf Anfrage mit. Ursprünglich sollte die Verhandlung am Amtsgericht Tiergarten am 17. März beginnen, der Termin wurde aber wegen der Corona-Krise aufgehoben. Geplant seien nun fünf Verhandlungstage. Der Fall hatte für großes Aufsehen gesorgt.

Justitia

© dpa

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.

Angeklagt ist ein 52-jähriger Hauptkommissar wegen fahrlässiger Tötung. Laut Anklage raste er am 29. Januar 2018 mit seinem Polizeiwagen und überhöhter Geschwindigkeit in das Auto einer 21-Jährigen. Die junge Frau starb noch an der Unfallstelle in der Nähe des Alexanderplatzes. Gefährdung des Straßenverkehrs durch Alkohol am Steuer - wie zunächst von der Staatsanwaltschaft angeklagt - musste als Vorwurf fallengelassen werden. Die Ermittlungen dauerten fast zwei Jahre.

Positive Ergebnisse des Alkoholtests erst Monate später veröffentlicht

Die Eltern der getöteten jungen Frau sind Nebenkläger in dem Prozess. Auf einer Internet-Gedenkseite für ihre Tochter zeigten sie sich tief enttäuscht von den Behörden. Erst Monate nach Beginn der Ermittlungen wurde bekannt, dass eine im Krankenhaus genommene Blutprobe des Fahrers Alkohol enthielt. Es kam der Verdacht auf, dies habe vertuscht werden sollen. Die Polizei nahm direkt nach dem Unfall keinen Alkoholtest vor. Die Patientenakte des Polizisten wurde beschlagnahmt, die Ermittlungen wurden erweitert. Staatsanwaltschaft und Polizei wiesen Vorwürfe zurück, den Fall nicht intensiv genug zu untersuchen.

Beschlagnahme der Patientenakte des Fahrers rechtswidrig

Die Akte darf im Prozess aber nicht als Beweismittel verwendet werden. Die Beschlagnahme sei rechtswidrig gewesen und ein bewusster Verstoß gegen die Strafprozessordnung, hatte die Sprecherin zu dem Eröffnungsbeschluss des Gerichts mitgeteilt.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 8. Juni 2020 15:44 Uhr

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