«Wie aus dem Nichts»: Prozess um Mord an Berliner Fußballfan

«Wie aus dem Nichts»: Prozess um Mord an Berliner Fußballfan

Ein junger Fußballfan schlendert über einen Supermarktplatz. Plötzlich kommt es zu einem Angriff. Erst fallen Beleidigungen, dann sticht jemand zu. Nun hat der Mordprozess begonnen.

Der Eingang des Landgerichts Berlin

© dpa

Der Eingang des Landgerichts Berlin. Foto: Taylan Gökalp/Archivbild

Berlin (dpa/bb) - Wortlos ging der junge Fußballfan laut Zeugenaussage weiter, als er auf einem Supermarkt-Parkplatz in Berlin-Prenzlauer Berg beleidigt wurde. Dennoch wurde der 19-Jährige Opfer eines Messerangriffs: Rund sieben Monate nach dem Tod des Mannes steht seit Freitag der mutmaßliche Mörder vor dem Landgericht. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft ging es dem 29-Jährigen «einzig darum, aufgestaute Aggressionen an dem ihm völlig unbekannten Opfer abzureagieren». Der Angeklagte wies einen Tötungsvorsatz zurück.
Das spätere Opfer war am 9. Februar mit einem 16-jährigen Begleiter unterwegs, als ihn der aus Rumänien stammende Angeklagte gegen 17.00 Uhr angegriffen haben soll. Mit Wucht soll der Angeklagte dem Geschädigten einen Messerstich in den Brustkorb versetzt haben. Der 19-Jährige starb wenig später.
Was war der Auslöser des Verbrechens? Der 16-jährige Begleiter sagte als Zeuge, er könne es bis heute nicht begreifen. «Es war eine Situation, die wie aus dem Nichts kam.» Als sie über den Parkplatz schlenderten, sei ihnen der Hund des Fremden aufgefallen. «Ich fand ihn süß», so der Zeuge. Ihnen sei aber schnell der aggressive Blick des Besitzers aufgefallen. «Als wäre er auf Drogen.»
Erst soll der aus Rumänien stammende Angeklagte, der ohne festen Job war und noch bei seiner Mutter wohnte, Beleidigungen gerufen haben. «Wir reagierten nicht», erinnert sich der 16-jährige. Dann habe der Fremde seinen Freund geschubst und ins Gesicht geschlagen. «Lass mich in Ruhe», habe der 19-Jährige erwidert. Als sie weitergehen wollten, sei der Fremde angelaufen gekommen. «Da stach er zu.»
Der Angeklagte äußerte sich zunächst nicht persönlich zu den Vorwürfen. Sein Verteidiger erklärte, bei seiner Einlassung zur Sache beziehe sich sein Mandant auf seine Aussagen bei der Polizei. Damals sagte der 29-Jährige, er habe unter erheblichem Einfluss von Alkohol und Drogen gestanden. Auf dem Parkplatz hätten «zwei Jugendliche eine Bemerkung gemacht». Es sei zu einer Rangelei gekommen. Weil er sich durch ein Messer bedroht fühlte, habe er selbst mit einem Taschenmesser zugestochen. «Ich wollte nicht töten, sondern in den Arm stechen», gab der Angeklagte zu Protokoll.
Für Linken-Politiker und Rechtsanwalt Gregor Gysi, der den Vater des Getöteten als Nebenkläger vertritt, hat der Fall «mit Alkohol und Drogen und damit zu tun, dass der vorbestrafte Angeklagte seinem Leben nie einen Sinn gegeben hat». In der Vernehmung bei der Polizei habe der 29-Jährige nur Emotionen gezeigt, als es um seinen Hund gegangen sei. Der Prozess wird am 17. September fortgesetzt.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 9. September 2019 14:30 Uhr

Weitere Polizeimeldungen