Profiböller in Laienhänden

Profiböller in Laienhänden

Silvester ohne Feuerwerk geht für viele Brandenburger nicht. Daher haben Polen-Märkte mit Mega-Böllern aus chinesischer Produktion Hochkonjunktur. Der Zoll warnt.

Illegale Pyrotechnik

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Fontänen, Raketen und andere Knallkörper in rauen Mengen: Die Zöllner an der brandenburgisch-polnischen Grenze rechnen für dieses Jahr mit einem Rekord beim Fund illegaler Pyrotechnik. «Besonders erschreckend: Es häufen sich Aufgriffe, wo wir in Lastern gleich tonnenweise Sprengstoff auf Rädern entdecken. Das sind echte Gefahrguttransporte ohne jede Sicherung», sagte Zollsprecherin Astrid Pinz der Deutschen Presse-Agentur. So wurde im September dieses Jahres bei Frankfurt (Oder) ein Lkw mit 1,2 Tonnen gestoppt; im November dann ein Laster mit 5 Tonnen an Bord. «Das war bei uns der größte Einzelfund», erklärte die Sprecherin.
2015 hatten die Zöllner vom Hauptzollamt Frankfurt (Oder) so viel illegale Pyrotechnik wie noch nie bei Kontrollen beschlagnahmt: 3,5 Tonnen. Im gesamten Bundesgebiet wurden im vergangenen Jahr mehr als 151 000 Stück größerer Pyrotechnik sowie 1,85 Tonnen kleinteiliges Feuerwerk beschlagnahmt, wie der Sprecher der Generalzolldirektion, Jürgen Wamser, sagte. 2013 lagen diese Zahlen noch bei 93 000 Stück plus 660 Kilogramm. «Für 2016 zeichnet sich eine deutlich steigende Tendenz ab», hob er hervor. Wamser erklärte, dass eine absolute Zahl in Tonnen statistisch beim Zoll auf Bundesebene nicht erfasst werde. Einzelne Stücke könnten es aber locker auf bis zum 100 Kilogramm bringen.
Verbotenes Feuerwerk, dass meist aus China stammt, kommt in der Regel aus Polen oder Tschechien nach Deutschland. Organisierte Kriminelle setzten in letzter Zeit vermehrt auch auf den Internethandel, erklärte Zollsprecher Andre Lenz. Über Kooperationen mit Postdienstleistern seien die Fahnder auch an diesem Phänomen dran. Schwieriger sei es hingegen, kleinere Internet-Bestellungen im EU-Ausland zu unterbinden, betonte Lenz.
Auch der kleine Grenzverkehr beispielsweise über die Oder mache den Zöllnern zu schaffen. Auf den Märkten wie im polnischen Slubice gebe es jede Menge spottbillige Pyrotechnik, erklärte Pinz. Vielen Käufern sei egal, wie brandgefährlich die Böller seien. Niemand wisse bei den chinesischen Fabrikationen genau, wie viele Chemikalien in den Knallern enthalten seien, betonte sie. «Diese Pyrotechnikartikel können zu erheblichen Verletzungen führen», warnte die Bundesanstalt für Materialforschung. Geprüftes Feuerwerk erkenne man an der Registriernummer und dem CE-Zeichen.
Dieses Sicherheitsprüfzeichen allein schütze aber nicht vor bösen Überraschungen, erklärte der Frankfurter Zöllner Siegmund Poloczek. Auf den polnischen Märkten seien auch Profiböller der Klasse 3 und 4 zu haben, die in Deutschland nur für ausgebildete Pyrotechniker zugelassen sind. Mit «Rohrbomben» und Knaller-Batterien, die es locker auf 20 Kilo bringen können, können ganze Autos in die Luft gesprengt werden.
Schwerste Verletzungen seien bei Laien nicht auszuschließen, weil diese Knaller normalerweise mit einem elektrischen Signal über eine Zündschnur aus einer sicheren Entfernung gezündet werden. Will jemand mit einem Feuerzeug so einen Profiböller zünden, explodiert der sofort.
Welches Ausmaß eingeschmuggelte Pyrotechnik mittlerweile annehme, sei auf dem Gelände des Hauptzollamtes Frankfurt(Oder) zu bestaunen, erklärte Pinz. In einem gepanzerten Container mit Sicherheitsverriegelung werde das beschlagnahmte Feuerwerk gesammelt. Im Handumdrehen sei der Container voll. Regelmäßig müssten Sprengstoff-Spezialisten, die sonst Munition entsorgen, anrücken, um den Inhalt des Zollcontainer gefahrfrei und fachgerecht zu entsorgen.
Das Einschmuggeln von verbotenen Feuerwerks- und Knallkörpern ist kein Kavaliersdelikt und wird hart bestraft. So sind nach dem Sprengstoffrecht bis zu zu drei Jahre Haft möglich. Außerdem müssten Schmuggler für die fachgerechte Entsorgung durch Sprengstoffexperten aufkommen, so Wamser.
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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 14. Dezember 2016 09:43 Uhr

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