Parzinger: Müssen uns an Weltliga der großen Häuser messen

Parzinger: Müssen uns an Weltliga der großen Häuser messen

Bei der anstehenden Reform der Stiftung Preußischer Kulturbesitz geht es aus Sicht ihres Präsidenten Hermann Parzinger auch um den Anschluss an die internationale Kulturelite.

Reform der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

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Die Alte Nationalgalerie ist im Licht der aufgehenden Sonne zu sehen.

Eine bessere Ausstattung müsse mit konkreten strukturellen Verbesserungen verbunden sein. «Wir spielen in der Weltliga der großen Häuser mit, müssen uns daran messen lassen und wollen aber eben auch mithalten», sagte Parzinger der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Reform habe zwei Seiten, die eng miteinander verknüpft seien. «Eine neue Struktur, für die in den nächsten Monaten weitere Eckpunkte beschlossen werden, kann ohne finanziellen Aufwuchs nicht wirken. Das geht Hand in Hand, das sind zwei Dinge, die man nicht voneinander trennen kann.»
Die 1957 gegründete Stiftung gilt als zu behäbig, ihre Museen international nicht auf der Höhe ihrer Möglichkeiten. Zu der von Bund und Ländern getragenen Stiftung mit rund 2000 Mitarbeitern gehören etwa die Staatlichen Museen Berlin, deren 15 Sammlungen mit 4,7 Millionen Objekten an 19 Standorten präsentiert werden. Einer Analyse des Wissenschaftsrates zufolge ergeben sich durch die Dachkonstruktion der Stiftung unklare Entscheidungsprozesse. Der Stiftungsrat hatte zuletzt beschlossen, mit der geplanten Reform die Autonomie von Museen, Bibliotheken, Archiven und Forschungseinrichtungen zu stärken. Die Funktion eines vom Wissenschaftsrat infrage gestellten Präsidenten soll bleiben.
«Wir müssen gemeinsam mit der Politik, mit Bund und den Ländern, aber auch mit allen, die in der Stiftung Verantwortung tragen, und mit Unterstützung von Organisationsberatern eine neue Führungskultur und -struktur entwickeln», sagte Parzinger. «Eine stärkere Autonomie der Einrichtungen ist ein Kernpunkt des Reformprozesses. Denn dort soll mehr Beweglichkeit, mehr Agilität entstehen. Und zwar für ein attraktiveres Programm!»
Was künftig zentral oder dezentral entschieden und verantwortet werden solle, müsse neu definiert werden. «Flexibilität und ein größerer Handlungsspielraum für die einzelnen Museen auch in finanzieller Hinsicht wird dabei entscheidend sein.» Die Stiftung solle von einem Kollegialorgan mit Vorstand oder Präsidium geführt werden, in dem neben dem Präsidenten und Vizepräsidenten auch Vertreter der Staatsbibliothek, aus den Staatlichen Museen, den Archiven und Forschungsinstituten mitwirken. «Ganz entscheidend ist, dass mit der gemeinsamen strategischen Steuerung auch Mitverantwortung übernommen wird», sagte Parzinger.
Der große Einfluss der Länder bei geringem finanziellen Aufwand gilt als Problem. Die Länderanteile sind seit 1996 gedeckelt. Alle zusammen tragen rund 15 Prozent des Budgets, etwa 8 Prozent davon Berlin als Sitzland. Der Bund zahlt rund 86 Prozent. Ohne die Länder müsste der Bund nach zuletzt veröffentlichten Berechnungen etwa 50 Millionen Euro zusätzlich aufbringen. «Ich gehe fest davon aus, dass in der ersten Hälfte des nächsten Jahres weitere Eckpunkte erarbeitet werden», sagte Parzinger. Bis Sommer 2022 sollte zwischen Bund und Ländern klar sein, wie die Stiftung künftig strukturiert sein werde. «Dieser gesamte Prozess muss in der jetzt beginnenden Legislaturperiode abgeschlossen sein.» Denkbar sei etwa, dass die Länder künftig rotierend im Stiftungsrat vertreten seien.
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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 30. Dezember 2021 08:22 Uhr

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