Berlinweit 500 Kinderimpfungen: Kritik zum Auftakt

Berlinweit 500 Kinderimpfungen: Kritik zum Auftakt

Zum Start der Impfungen für Fünf- bis Elfjährige am Mittwoch haben berlinweit rund 500 Kinder eine Spritze bekommen. Das teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Der größte Teil entfiel mit rund 300 Impfungen auf die drei landeseigenen Impfzentren auf dem Messegelände, im ehemaligen Kongresszentrum ICC und auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel.

Kinder-Impfung

© dpa

Eine Impfärztin klebt ein Pflaster auf den Oberarm eines Kindes.

In den Schulen startete die Impfaktion in kleinen Rahmen. Zunächst waren Impfungen nur an einer Schule in jedem der zwölf Berliner Bezirke vorgesehen. Insgesamt rund 150 Kinder ließen sich dort impfen. Im Naturkundemuseum bekamen rund 50 Fünf- bis Elfjährige ihre erste Impfung. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci hatte das als «kreatives Impfen» angekündigt. Dafür sind noch weitere «besondere Orte» im Gespräch. Alle Impfaktionen starteten am Mittwoch erst gegen Mittag.
An den Impfungen in Schulen gab es mehrfach Kritik: Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte lehnt sie ab. Der Verbandssprecher und Berliner Arzt Jakob Maske bezeichnete sie schon vor dem Start als «eine Verschwendung von Ressourcen des öffentlichen Gesundheitsdienstes». Pankows Schulstadträtin Dominique Krössin (Linke), die den Impfstart in einer Schule selbst verfolgt hatte, erhob am Donnerstag Vorwürfe gegen die Gesundheitsverwaltung. «Es war Chaos, es ist richtig schiefgegangen», sagte sie dem «Tagesspiegel» (online/Donnerstag).
Krössin bemängelte, zum geplanten Start seien weder Desinfektionsmittel noch Spritzen oder Kanülen vorhanden gewesen. Die ersten Impfungen habe es erst mit drei Stunden Verspätung gegeben. «Es gab viel Aufregung und Empörung vor Ort.»
CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzender Kai Wegner sagte dazu: «Wenn Kinder in Schulen geimpft werden, muss das organisatorisch reibungslos laufen.» Seine klare Erwartung an den Senat sei, dass gerade ein so sensibles und wichtiges Vorhaben vom ersten Tag an funktioniert, sagte Wegner am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. «Die Eltern müssen ein gutes Gefühl haben, wenn ihre Kinder geimpft werden. Viele Mütter und Väter haben das bei diesem Senat nicht.»
Das Entscheidende sei, mehr niedrigschwellige Angebote zu schaffen. «Wir müssen noch viel stärker die Menschen erreichen, die nicht in ein Impfzentrum gehen, die keine Termine zum Impfen vereinbaren, die vielleicht auch keinen Hausarzt haben», sagte Wegner. «Die Schule ist ein Ort, an dem man Kinder erreicht. Hier brauchen wir rotierende Verfahren, um jeden Ortsteil und jede Schule abzudecken.»
Die Aktion im Naturkundemuseum halte er ein Stück weit für eine PR-Nummer, kritisierte der CDU-Landeschef. «Niedrigschwellige Angebote zu machen heißt, gezielt in die Kieze reinzugehen, von denen wir wissen, dass die Impfquoten dort sehr gering sind.» Oft seien auch Menschen mit Migrationshintergrund schwer zu erreichen für Impfangebote. «Hier ist es mein Ziel, auf die Moscheevereine zuzugehen. Wir müssen mit den Trägern sprechen. Wenn diese dann unter ihren Mitgliedern für das Impfen werben, nimmt die Impfkampagne nochmal richtig Fahrt auf.»
Impfungen für Fünf- bis Elfjährige sind nur in Begleitung einer erziehungsberechtigten Person möglich - und mit Termin. Für Fünf- bis Elfjährige wird ein niedriger dosiertes und anders abgefülltes Präparat im Vergleich zum herkömmlichen Biontech/Pfizer-Impfstoff verwendet. Von dem mRNA-Vakzin sollen laut der Ständige Impfkommission (Stiko) zwei Dosen im Abstand von drei bis sechs Wochen gegeben werden. Für jüngere Kinder gibt es noch keinen zugelassenen Impfstoff.
Die Stiko empfiehlt solche Impfungen ausdrücklich für Kinder dieser Altersgruppe, die Risikofaktoren für einen schweren Covid-19-Verlauf oder Angehörige mit hohem Risiko haben. Außerdem können Eltern nach individueller Aufklärung auch ihre gesunden Kinder impfen lassen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 16. Dezember 2021 17:12 Uhr

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