Sohn der Schriftstellerin Anna Seghers gestorben

Sohn der Schriftstellerin Anna Seghers gestorben

Der Sohn der deutschen Schriftstellerin Anna Seghers (1900-1983), Pierre Radvanyi, ist in Paris gestorben. Das teilte die von Radvanyi mitgegründete Anna-Seghers-Gesellschaft in Berlin mit. Der Physiker wurde 95 Jahre alt, er starb in der Nacht zum Montag, wie eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur sagte. Radvanyi lebte in Orsay bei Paris.

«Mit Pierre Radvanyi verlieren Gesellschaft und Stiftung einen langjährigen Weggefährten, der Höhen und Tiefen in der Rezeption von Anna Seghers miterlebt hat», erklärten Hans-Willi Ohl vom Vorstand der Anna-Seghers-Gesellschaft und Moritz Malsch für den Vorstand der Anna-Seghers-Stiftung. Er sei zeitlebens ein engagierter Streiter für das Werk seiner Mutter gewesen, ein liebenswerter Mensch und sehr guter Freund.
Seine Eltern - Netty Radvanyi, geborene Reiling, und Laszlo Radvanyi - lernten sich beim Studium in Heidelberg kennen und zogen 1925 nach Berlin. Dort schrieb die in Mainz geborene Schriftstellerin unter dem Namen Anna Seghers ihre ersten Werke, ehe die Familie 1933 aus Deutschland fliehen musste. Anna Seghers war Jüdin. Ebenso wie ihr Mann gehörte sie der Kommunistischen Partei Deutschlands an.
Im Exil schrieb sie ihren berühmten Roman «Das siebte Kreuz». Seghers lebte dann in der DDR, wo sie 1952 bis 1978 Präsidentin des Schriftstellerverbandes war und 1983 starb.
Pierre Radvanyi wurde als Peter Radvanyi am 29. April 1926 in Berlin geboren, zwei Jahre später kam seine Schwester Ruth (1928-2010) zur Welt. Als die Familie 1933 bis 1941 im Pariser Exil lebte, änderte sich sein Vorname. Unter abenteuerlichen Umständen gelang der Familie die Flucht aus dem besetzten Paris über Marseille nach Mexiko.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zog es den 19-jährigen Pierre Radvanyi zurück nach Frankreich, wie die Anna-Seghers-Gesellschaft weiter mitteilte. 1945 habe er ein Physikstudium an der Sorbonne begonnen. Später promovierte er in Kernphysik.
Seine Mutter habe er oft - auch zusammen mit seinen drei Söhnen - in Ost-Berlin besucht. «Auch die rheinhessische Küche, zum Beispiel Markklößchensuppe, liebte er sehr», hieß es weiter. 2005 erschien Pierre Radvanyis Buch «Jenseits des Stroms. Erinnerungen an meine Mutter».

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 8. Dezember 2021 17:31 Uhr

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