Anlaufstelle für Opfer von Anschlägen: Schnelle Hilfen

Anlaufstelle für Opfer von Anschlägen: Schnelle Hilfen

Berlin vermittelt mit der Zentralen Anlaufstelle für Betroffene von Terroranschlägen und anderen großen Gewalttaten schnelle Hilfen für Opfer und sucht den Kontakt zu Verletzten und Angehörigen.

Dirk Behrendt

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Dirk Behrendt. Foto: Maurizio Gambarini/Archiv

Nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz vor fünf Jahren habe es viel Kritik von Betroffenen am Agieren der Behörden gegeben, das habe sich Berlin zu Herzen genommen, sagte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) am 14. Juli 2021. Die Anlaufstelle wurde vor drei Jahren als neues Referat Opferschutz und -hilfe in der Justizverwaltung eingerichtet und hat heute fünf Mitarbeiter. Bis auf das Saarland hätten die anderen Bundesländer ähnliche Strukturen zum Opferschutz aufgebaut, hieß es.
Leiterin Friederike von Holtum schilderte erste Erfahrungen. So sei nach dem vermutlich islamistisch motivierten Anschlag auf der Berliner Stadtautobahn im August 2020 zügig Kontakt zu 46 Betroffenen aufgenommen worden, über die Daten habe die Polizei informiert. Betroffene sollten schnell wissen, wo sie psychosoziale Hilfen und Beratung bekommen oder wo Anträge gestellt werden können. Die Anlaufstelle bringe die Beteiligten zusammen.
Auf der Stadtautobahn soll ein Iraker laut Staatsanwaltschaft aus «wahnhaft religiösen und islamistisch geprägten Motiven» mit seinem Auto gezielt mehrere Fahrzeuge gerammt und drei Motorradfahrer schwer verletzt haben. Angestrebt wird die Unterbringung des Mannes in einem psychiatrischen Krankenhaus.
Leiterin von Holtum unterstrich: «Wir gehen auf Betroffene proaktiv zu.» Nach dem Weihnachtsmarkt-Anschlag mit zwölf Todesopfern und Dutzenden Verletzten hätten sich Betroffene allein gelassen gefühlt und nicht die Hilfe bekommen, die sie brauchten. Es jetzt besser zu machen, sehe sie als Verantwortung. Die Anlaufstelle sei auch langfristig für Hilfesuchende da. Neu ist zudem ein Beratungstelefon, das bei größeren «Lagen» geschaltet werde. Auch Betroffenen-Treffen werden organisiert. Es gebe aber auch Menschen, die keine Unterstützung von außen wollten, so von Holtum. Der Justizsenator betonte, für ein «Schadensereignis» in der Dimension der Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA habe Berlin keine Struktur, die das auffangen könnte, «können wir nicht, haben wir nicht».

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 14. Juli 2021 13:08 Uhr

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