Keine Präsenzpflicht an Schulen vor dem 25. Januar

Keine Präsenzpflicht an Schulen vor dem 25. Januar

Nach kontrovers geführten Disskussionen sind die Pläne des Senats zur schrittweisen Öffnung der Berliner Schulen trotz Corona-Lockdowns teilweise vom Tisch.

Bildungssenatorin Scheeres

© dpa

Sandra Scheeres (SPD), Bildungssenatorin in Berlin, spricht.

Das schulisch angeleitete Lernen zu Hause für Schüler der Klassen 1 bis 9 sowie für einige höhere Klassenstufen werde bis mindestens 25. Januar verlängert, teilte die Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am 08. Januar 2021 mit (Zur Pressemitteilung). Bis dahin gilt keine Präsenzpflicht. Für die Abschlussklassen 10, 12 und 13 an Gymnasien und Sekundarschulen sollen indes ab kommender Woche Präsenzangebote in kleinen Gruppen möglich sein. Ob Wechselunterricht mit Lernen zu Hause und in der Schule angeboten wird oder alles über Homeschooling läuft, sollen die jeweiligen Schulen mit den Elternvertretern selbst entscheiden.

Senat berät über weiteres Vorgehen am 19. Januar erneut

Am 19. Januar will der Senat darüber entscheiden, wie es ab dem 25. Januar mit dem Schulbetrieb an Grundschulen weitergeht. Bis dahin liegen wahrscheinlich verlässlichere Daten vor, wie sich die Feiertage auf das Corona-Infektionsgeschehen ausgewirkt haben und welche Rolle die neue Virus-Mutation spielt. Zudem sollen die Schulen sozial benachteiligten Schülerinnen und Schülern zusätzliche Förder- und Unterstützungsangebote unterbreiten, wie es hieß. An Grundschulen gibt es wie bisher eine Notbetreuung.

Lockdown gilt zunächst bis 31. Januar 2021

Am Mittwoch hatte der Senat beschlossen, den Lockdown bis 31. Januar zu verlängern, aber ab 11. Januar an Schulen für abschlussrelevante Jahrgänge generell wieder Wechselunterricht in kleinen Gruppen anzubieten. Ab 18. Januar sollten Grundschüler der Klassen 1 bis 3 folgen und dann Schritt für Schritt weitere Klassenstufen. Eine Woche nach den Winterferien sollte, so der Plan, der Präsenzunterricht ab 15. Februar für alle wieder regulär wie vor dem Lockdown laufen.

Kritik von GEW und Schulleitern

Dieses Vorgehen rief viel Kritik etwa bei der Lehrergewerkschaft GEW, einigen Schulleitern, Eltern- und Schülervertretern, aber auch innerhalb der rot-rot-grünen Koalition hervor. Angesichts dessen übten sich Koalitionäre am Freitag nach dpa-Informationen in Krisendiplomatie. Linke und Grüne machten dem Vernehmen nach Druck auf Scheeres. Auch die neue SPD-Landeschefin, Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, und ihr Co-Vorsitzender Raed Saleh schalteten sich ein. Schließlich wurde die neue Linie in einer langen Schalte unter anderem mit Scheeres und dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) abgesteckt. Grüne und Linke tragen den Kompromiss mit, wie aus ihren Reihen zu hören war.

Familienministerin Giffey begrüßt die neue Regelung

Scheeres erklärte zu dem neuen Plan: «Wir gehen damit auf die vielfach geäußerten Sorgen an Schulen ein. In den nächsten Wochen brauchen wir an den Schulen einen möglichst breiten Konsens, um den Herausforderungen durch die Pandemie zu begegnen.» Giffey begrüßte die neue Regelung. «Ich finde es richtig, dass Bildungssenatorin Sandra Scheeres jetzt nach Abstimmung in der Koalition beschlossen hat, die Präsenzpflicht an Berliner Schulen bis zum 25. 1. auszusetzen», erklärte die Bundesfamilienministerin.

Berlin und Brandenburg nun mit ähnlicher Strategie

«Die aktuellen Infektionszahlen machen deutlich, dass wir uns noch immer in der schwersten Pandemielage befinden, die wir bisher erlebt haben.» Bei allem richtigen Bemühen um Bildungsgerechtigkeit dürfe die Rückkehr zum Präsenzunterricht daher nicht vorschnell erfolgen. «Wir müssen jetzt konsequent und verantwortungsvoll handeln und den Gesundheitsschutz an oberste Stelle setzen.» Saleh verwies darauf, dass Berlin nun ähnlich handele wie das Nachbarland Brandenburg. «Damit ist ein einheitliches Vorgehen im Metropolenraum Berlin-Brandenburg sichergestellt.»

OECD bewertete ursprünglichen Plan positiv

Der Bildungsdirektor der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Andreas Schleicher, hatte den ursprünglichen Plan, auch Grundschüler wieder schnell an die Schulen zu bringen, positiv bewertet. «Es sind immer schwierige Abwägungen. Aber gerade in den ersten Schul- und Lebensjahren ist der Präsenzunterricht einfach nicht ersetzbar», sagte der Bildungsforscher am Freitag dem rbb-Inforadio. «Insofern ist der Ansatz in Berlin, wenn das die Gesundheitslage zulässt, sehr vernünftig, dass man gerade bei den kleinsten Kindern schnell anfängt, auch in begrenzten Klassen.»

Präsenzunterricht in den ersten Schuljahren besonders wichtig

Bildung sei immer Beziehungsarbeit und nicht nur Wissensvermittlung, erläuterte Schleicher. Und in den ersten Schuljahren sei schon deshalb Präsenzunterricht nötig, weil man bei Grundschülern kein selbstständiges Lernen zu Hause erwarten könne. Hier könne digitale Wissensvermittlung also «nicht sehr viel erreichen». Bei höheren Jahrgängen hingegen könnten Wechselunterricht und Digitalisierung mehr bringen.
Der CDU-Vorsitzende Kai Wegner sprach von einem «Scheitern mit Ansage». «Kurz vor knapp zieht Rot-Rot-Grün die Notbremse. Aber der Schaden ist bereits angerichtet», erklärte er. «Mit ihrem eigensinnigen Vorpreschen hat die SPD-Bildungssenatorin maximale Verunsicherung ausgelöst.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 8. Januar 2021 20:30 Uhr

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