«Willkommen 2021»: Silvesternacht in Berlin außergewöhnlich ruhig

«Willkommen 2021»: Silvesternacht in Berlin außergewöhnlich ruhig

Ausnahmezustand Silvester? Durchaus. Im Corona-Jahr 2020 war auch in der Berliner Silvesternacht alles anders als sonst.

  • Silvester in Berlin (2)© dpa
    Eine Sicherheitsmitarbeiterin trägt zu Neujahr am Rande der ZDF-Silvestershow "Willkommen 2021" einen Mund-Nasen-Schutz mit der Aufschrift "Happy New Year 2021".
  • Silvestershow am Brandenburger Tor 2020 (16)© dpa
    Feuerwerk wird zu Neujahr bei der ZDF-Silvestershow "Willkommen 2021" am Brandenburger Tor gezündet. Deutschlands größte Silvesterparty in Berlin am Brandenburger Tor ist dieses Jahr coronabedingt abgesagt.
  • Silvester in Berlin (3)© dpa
    Fast menschenleer ist zum Jahreswechsel der Hermannplatz in Neukölln. Er gehörte zu den Böllerverbotszonen in der Stadt.
  • Silvester in Berlin (1)© dpa
    Auf der Oberbaumbrücke ist ein kleines Feuerwerk zu sehen. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahreswechseln wurde nur sehr wenig Feuerwerk gezündet.
Wem seine Gesundheit lieb ist, der war in Silvesternächten vergangener Jahre gut beraten, manche Straßen in Berlin zu meiden: Von allen Seiten zischten und knallten dort bereits in den hellen Tagesstunden unkontrolliert Raketen und Böller. Verschreckte Passanten bahnten sich im Zickzacklauf ihren Weg durch die Gassen und knurrten was von kriegsähnlichen Zuständen. Je später der Abend, umso schlimmer wurde es. Dass es in diesem Jahr anders würde, daran mochte in den Tagen zuvor wohl niemand so recht glauben.

20 Uhr erster Silvester-Verletzter im Unfallkrankenhaus

Doch die Bemühungen, die Berliner Silvester-Nacht im Pandemie-Jahr 2020 so ruhig wie möglich zu halten, scheinen gewirkt zu haben. In Neukölln, Kreuzberg, im Wedding und vielen anderen Kiezen knallten zwar in den Abendstunden viele Böller und Raketen und um Mitternacht ging es auf den Straßen an vielen Orten fast so laut zu wie in gewöhnlichen Jahren. Auch das Unfallkrankenhaus twitterte gegen 20 Uhr vom ersten Patienten mit «#Böllerschmerz». Weitere Verletzten-Meldungen folgten.

Polizei bedankt sich: Kein Vergleich zu den Vorjahren

Doch an der Einschätzung der Polizei änderte sich auch nach Mitternacht nichts: «Die Lage ist mit den Vorjahren nicht zu vergleichen», sagte Polizeisprecherin Patricia Brämer. «Wir möchten uns bei den vielen Berlinerinnen und Berlinern bedanken, die sich an die Verordnungen gehalten haben.»

Zahlreiche Verbote um Notaufnahmen zu entlasten

Aufgrund der Corona-Krise hatte es davon in diesem Jahr einige gegeben: Mehr als 50 Sperrzonen hatte der Berliner Senat bestimmt, in denen sich in der Silvesternacht nicht aufgehalten oder geböllert werden durfte. In Supermärkten und Spätshops galt ab dem frühen Nachmittag ein Alkohol-Verkaufsverbot und auch der Handel mit Feuerwerkskörpern war in diesem Jahr untersagt worden. Das Ziel: Menschenansammlungen in der Corona-Krise vermeiden und vor allem die Belastung in den Notaufnahmen so niedrig wie möglich halten.

Polizei mit großen Sorgen im Vorfeld

Es blieben die Befürchtungen, dass in einer Stadt wie Berlin sich kaum jemand an die Maßnahmen halten würde. Der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Norbert Cioma, nannte das Konstrukt mit Dutzenden Böllerverbotszonen am Vortag «Wahnsinn» und warnte vor An- und Übergriffen auf die Einsatzkräfte. Hinzu kamen Sorgen der Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik vor illegalen Demonstrationen etwa von selbst ernannten «Querdenkern» oder Linksextremisten.

Auch Einsätze in Böllerverbotszonen

Polizei und Feuerwehr hatten sich deshalb wie üblich mit zahlreichen Zusatzkräften auf die Silvesternacht vorbereitet. 2900 Polizeibeamte waren im Einsatz, über den Bezirken kreiste ein Polizeihubschrauber, um die Lage besser überschauen zu können. Die Feuerwehr war mit rund 850 Kräften der Berufsfeuerwehr unterwegs sowie mit mehr als 520 Ehrenamtlichen von den Freiwilligen Feuerwehren. Rund dreieinhalb Stunden nach dem Einsatzbeginn um 19 Uhr meldeten die Einsatzkräfte knapp 135 Rettungseinsätze sowie rund 30 Brände. Auch schwere Verletzungen durch Böller gehörten dazu, die sich in mindestens einem Fall in einer Böllerverbotszone ereignet hatten, wie die Feuerwehr mitteilte.

Übliche Silvester-Hotspots blieben ruhig

Doch die üblichen Hotspots der vergangenen Jahre - etwa am Hermannplatz in Neukölln, dem Innsbrucker Platz in Schöneberg oder am Alexanderplatz, waren zum Teil wie leergefegt. Keine Spur auch von verbotenen Demonstrationen.

Polizei musste mehrere Menschengruppen auflösen

Gut zu tun hatte die Polizei dennoch. Vielerorts mussten die Beamten immer wieder kleinere Menschengruppen auflösen. Mehr als 80 Menschen wurden vorübergehend von der Polizei festgehalten wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz, wie ein Sprecher sagte. Mindestens drei Beamte wurden im Einsatz demnach leicht verletzt, konnten den Dienst aber fortsetzen. «Zünden von Pyro, Feuern aus Schreckschusswaffen, Konsum von Alkohol - die von unseren Kolleg. aufgenommenen Personalien füllen gleich mehrere Anzeigen», teilte die Polizei schon am frühen Abend auf Twitter mit.

Viele Feiern im kleinen Kreis

Die meisten Berliner feierten jedoch ruhig und im kleinen Kreis ins neue Jahr. Die Maßnahmen stießen bei vielen auf Verständnis. Manche, wie der 49-jährige Stefan, der mit einer Freundin in Neukölln spazierte, fanden es sogar «ganz hervorragend, dass weniger geballert wird». Zwei 25 Jahre alte Frauen konnten das Verbot ebenfalls «voll nachvollziehen», freuten sich aber auch ein bisschen über den zivilen Ungehorsam, den sie auf der Straße sahen.

Show am Brandenburger Tor ohne Publikum

Kaum jemand verirrte sich ans Brandenburger Tor, wo in den Vorjahren traditionell die größte Silvesterparty des Landes gefeiert wurde. Nun spielten dort Schlagerstar Jürgen Drews oder die Band Karat für die Live-Übertragung der ZDF-Silvestershow - jedoch ohne Publikum vor Ort. Das traditionelle Höhenfeuerwerk hatte der Sender abgesagt.

Außergewöhnliches Silvester im Pandemiejahr

«Ausnahmezustand Silvester» hatte die Berliner Feuerwehr ihren nächtlichen Einsatz getauft. Im Ausnahmezustand war Berlin in der Silvesternacht im Pandemiejahr 2020 durchaus. Doch vor allem deshalb, weil diese Nacht mit dem sonst üblichen Chaos, den vielen Touristen, dem Lärm und den Partys nichts zu tun hatte.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 1. Januar 2021 11:33 Uhr

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