Krisendienst in Corona-Zeiten gefragter als sonst

Krisendienst in Corona-Zeiten gefragter als sonst

Mehr Menschen suchen in der Corona-Pandemie mit psychischen Problemen Rat beim Krisendienst.

Depressive in der Corona-Krise

© dpa

Man sehe jetzt wieder einen Anstieg um rund 20 Prozent, sagte einer der Geschäftsführer, Friedrich Kiesinger, am Freitag (13. November 2020) im RBB-Inforadio. Die Erfahrung aus der ersten Welle im Frühjahr sei, dass die Nachfrage mit etwa einem Monat Verzögerung zunehme, damals habe es sogar eine Verdoppelung gegeben. Kiesinger schilderte, es gehe vor allem darum, mit den Betroffenen zu sprechen - darüber, was real ist, wie hoch zum Beispiel die Ansteckungsgefahr ist. Viele hätten niemanden zum Reden.

Künftig auch Hausbesuche und Video-Schalten neben Telefongesprächen möglich

Der Berliner Krisendienst hilft bei psychosozialen Krisen bis hin zu akuten seelischen und psychiatrischen Notsituationen. Das Angebot mit über Berlin verteilten Anlaufstellen ist kostenlos. Kiesinger sagte, neben Telefonaten seien auch Hausbesuche und künftig Video-Schalten möglich, etwa für Menschen mit Ängsten, aus dem Haus zu gehen.

Kiesinger: Zwangsstörungen nehmen zu

Manche Hilfesuchende hätten massive Ängste und mit dem Verlust ihrer Struktur durch Arbeitslosigkeit und geschlossene Einrichtungen zu kämpfen, erläuterte Kiesinger. Hinzu kämen etwa psychisch Erkrankte. Man erlebe eine Zunahme von Zwangsstörungen: Manche Menschen übertrieben es zum Beispiel massiv mit dem Händewaschen und Desinfizieren. Belastet durch die Kontaktbeschränkungen seien insbesondere Menschen ohne Arbeit und Menschen in Quarantäne.

Hinweise auf Zunahme von Suiziden und Suizidversuchen

Auf Berichte über eine mutmaßliche Zunahme von Suiziden und Suizidversuchen angesprochen sagte Kiesinger, es gebe zwar entsprechende Hinweise, aber es gelte wissenschaftlich valide Auswertungen abzuwarten.
Telefonseelsorge
© dpa

Hilfe in Not- und Krisensituationen

Es gibt Situationen, in denen es richtig und wichtig ist, sich Hilfe und Unterstützung zu suchen. In Berlin gibt es spezielle und kostenlose Anlaufstellen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Not- oder Krisensituationen. mehr

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 13. November 2020 10:05 Uhr

Weitere Meldungen