Justizverwaltung wegen Sprach-Leitfaden in der Kritik

Justizverwaltung wegen Sprach-Leitfaden in der Kritik

Mitarbeiter des Landes Berlin sollen nicht mehr «schwarz fahren» sagen und nicht mehr «Ausländer» - ein neuer Leitfaden soll sie sprachlich sensibilisieren, steht aber auch in der Kritik.

Dirk Behrendt spricht bei einer Pressekonferenz

© dpa

Dirk Behrendt (Grüne), Berlins Senator für Justiz, spricht bei der Pressekonferenz.

Die Vorsitzende des Fachausschusses Diversity der Berliner FDP, Maren Jasper-Winter, sagte am 24. September 2020, das Ziel, dass die Verwaltung an sich arbeite, um Menschen nicht zu diskriminieren, sei vollkommen richtig. «Die Frage ist nur, ist der Leitfaden hilfreich? Wir meinen nein.» Mehrere Medien hatten zuvor über den Leitfaden berichtet.
«Man gewinnt den Eindruck, dass er doch sehr von oben herab formuliert ist und sich im schlimmsten Fall mancher, der das liest, gegängelt fühlt oder andere den Leitfaden einfach abheften und die Sache für erledigt erklären», sagte Jasper-Winter. Die FDP plädiert stattdessen für mehr Fortbildung für Führungskräfte in Sachen Diversity.
Sven Rissmann, rechtspolitischer Sprecher der Berliner CDU-Fraktion, kritisierte ebenfalls den Ansatz: «Diese Sprach-Diktatur von Grünen-Senator Dirk Behrendt ist eine subtile Einschränkung der Denk- und Meinungsfreiheit.» Rissmann ergänzte: «Er will damit seine grüne Fundamentalideologie durchsetzen und vernachlässigt weiter die eigentlichen Herausforderungen in seinem Justizressort.» Ein Sprecher der Senatsverwaltung für Justiz von Senator Behrendt (Grüne) teilte am Donnerstag mit, der Leitfaden sei nicht verpflichtend, sondern «eine Empfehlung und Orientierung».
Darin gibt es beispielsweise den Vorschlag, nicht mehr von «schwarz fahren» zu sprechen, sondern von «Fahren ohne gültigen Fahrschein»; nicht mehr von «Ausländern», sondern von «Einwohnende ohne deutsche Staatsbürgerschaft». Statt «Asylanten» sollte besser von «Asylsuchenden» die Rede sein; statt von «Kopftuchträgerin» besser von «Muslima».
Wie der Sprecher erläuterte, ist der «Leitfaden für Mitarbeitende der Berliner Verwaltung» Teil des Diversity-Landesprogramms, das den kompetenten Umgang der Berliner Verwaltung mit Vielfalt fördern solle. Erstellt hat ihn die Landesstelle gegen Diskriminierung, die bei der Justizverwaltung angesiedelt ist. In dem Text heißt es, Ziel sei, zur sachlichen Diskussion und zum bewussten Umgang mit Sprache beizutragen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 24. September 2020 15:53 Uhr

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