LSB-Chef: Vereine brauchen Hilfsfonds von 6 Millionen Euro

LSB-Chef: Vereine brauchen Hilfsfonds von 6 Millionen Euro

Die rund 2500 Berliner Sportvereine benötigen etwa sechs Millionen Euro staatliche Hilfe, um weiter arbeiten und existieren zu können. Das macht eine Umfrage des Landessportbundes (LSB) deutlich. Dabei nicht mitgerechnet sind die Einnahmeverluste der Proficlubs und der Top-Sportereignisse in der deutschen Hauptstadt durch die Corona-Krise. Von 330 Berliner Vereinen habe es eine ausführliche Rückmeldung auf die Umfrage gegeben, erklärte LSB-Präsident Thomas Härtel im Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Demnach ergibt sich für diesen Bereich ungefähr eine Summe von rund sechs Millionen Euro, die notwendig ist zur Unterstützung und Aufrechterhaltung des Vereinslebens.»

LSB-Präsident Thomas Härtel spricht bei einer Pressekonferenz

© dpa

Thomas Härtel, Präsident des LSB, spricht während einer Pressekonferenz.

Vereine hätten unter anderem Einbußen durch ausgefallene Veranstaltungen, abgesagte Kurse in den Bereichen Gesundheits- und Rehasport sowie durch fehlende Einnahmen im Bereich der Verpachtung von Gaststätten. «Es ist sehr vielschichtig, das belastet den Sport schon sehr», sagte Härtel. Dazu kämen die großen Auswirkungen der gegenwärtigen Krise auf den Profisport und Veranstaltungen wie den Berlin-Marathon. «Das wird auch noch eine große Herausforderung für den ganzen Senat. Das ist nicht nur eine Frage für die Sportverwaltung, sondern auch die Wirtschaftsverwaltung, wie man finanzielle Unterstützung gewähren kann», betonte Härtel.
«Wir erhoffen uns die Einrichtung eines Solidarfonds für den Sport, insbesondere den Vereinssport», sagte der LSB-Präsident. Es gebe diesbezüglich konkrete Gespräche mit der Senatsverwaltung. «Da sind wir optimistisch, dass das gelingen wird», bemerkte Härtel.
Die jüngsten Beschlüsse des Senats mit Blick auf den Breitensport sieht der LSB-Chef als Hoffnungssignal. «Durch den Senatsbeschluss zeichnet sich ab, dass eine schrittweise Öffnung von Sportanlagen möglich ist, da wo Individualsport unter Hygiene- und Abstandsregeln ausgeübt werden kann.» Nun hoffe man auf weitere Schritte, «besonders wenn nach dem 4. Mai auch Ausnahmen von bis zu 20 Personen möglich sind».
Zusammen mit dem Sportmediziner Bernd Wolfarth von der Charité hat der LSB einen Kriterienkatalog erarbeitet, wie Sportangebote unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln durchgeführt werden können, ergänzte Härtel im «Tagesspiegel».
Noch gibt es aber Unklarheiten, welche Sportarten von der langsamen Öffnung profitieren könnten. «Bezogen auf den Wassersport wie Kanu und Segeln als Individualsport besteht Klarheit, bei Tennis und Golf jeweils in Zweiergruppen auch. Die Abstandsregeln sind dabei eingehalten. Beim Rudern ist es noch nicht ganz klar, ein Achter sitzt als Mannschaft näher zusammen. Da gibt es noch gewisse Unsicherheiten. Daran müssen wir arbeiten. Es ist aber ein Signal, dass zu zweit auch wieder Bewegung reinkommt», sagte Härtel. Teamsport ist auf unabsehbare Zeit tabu.
Der frühere Staatssekretär im Senat von Berlin betonte, dass man die Organisatoren des jüngst abgesagten Marathons in der Hauptstadt sowie die Profivereine wie beispielsweise die Volleys, Füchse und Alba nicht vergessen dürfe. Man müsse «auch ganz konkret die Unterstützung der Vereine einfordern, die die Sportmetropole Berlin ausmachen», sagte Härtel. «Das ist noch nicht geklärt, das gilt es einzufordern. Denn auch die brauchen eine klare Unterstützung.»
Noch stehen die Jugend- und Amateursportler zu ihren Vereinen. «Wir sind froh, dass sich bis jetzt keine Welle von Austritten abzeichnet. Das zeigt eine hohe Solidarität von vielen Vereinsmitgliedern», bemerkte Härtel: «Das ist aber natürlich nicht auf lange Zeit sichergestellt. Wenn Angebote lange Zeit nicht stattfinden, wägen die Mitglieder schon ab, was sie Mitte des Jahres tun.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 23. April 2020 12:27 Uhr

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