Experte: Für Rüge an Giffeys Doktorarbeit fehlt Grundlage

Experte: Für Rüge an Giffeys Doktorarbeit fehlt Grundlage

Die Rüge für die Doktorarbeit von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) ist aus Sicht des Plagiatsexperten Gerhard Dannemann von VroniPlag Wiki nicht gerechtfertigt. «Man braucht dafür eine rechtliche Grundlage. Die gibt es nicht», sagte Dannemann am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Promotionsordnung der Freien Universität sehe dieses Mittel nicht vor.

Gerhard Dannemann

© dpa

Der Professor am Centre for British Studies der Humboldt-Universität zu Berlin, Gerhard Dannemann.

«Gemäß Berliner Hochschulgesetz besteht ein Ermessensspielraum in Prüfungsverfahren von beanstandeten Dissertationen», betonte dagegen ein Hochschul-Sprecher.
Aus Sicht von Dannemann hat sich die Universität über Jahrzehnte ständiger Rechtsprechung der Verwaltungsgerichte hinweggesetzt. «Ich kenne keine Arbeit, die 119 Plagiate enthält und bei der die Rechtsprechung gesagt hätte, das sei ja gar nicht so schlimm, das nimmt noch nicht überhand», sagte Dannemann. Ein Prüfgremium der FU war zu dem Schluss gekommen, dass die Plagiatsstellen von Giffey in der Doktorarbeit nicht überhandnehmen.
Die Hochschule hatte ihr den Doktortitel nicht entzogen, sondern lediglich eine Rüge erteilt, weil sie die «Standards wissenschaftlichen Arbeitens nicht durchgängig beachtet hat». Laut dem Sprecher gibt es keine festgelegten Grenzen zur Anzahl der Plagiate. Über diese müsse im Einzelfall entschieden werden. Experten von VroniPlag Wiki hatten bei Giffey auf 76 von 205 Seiten Plagiatstexte gefunden. Plagiate sind übernommene Texte oder Passagen fremder Autoren, die nicht als solche gekennzeichnet wurden.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 31. Oktober 2019 15:37 Uhr

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