Al-Kuds-Marsch in Berlin: Zwei Gegen-Demos angekündigt

Al-Kuds-Marsch in Berlin: Zwei Gegen-Demos angekündigt

Erneut demonstrieren radikale Palästinenser und andere Muslime am Samstag gegen Israel. Ein Verbot ist auch in diesem Jahr nicht möglich. Der Antisemitismusbeauftragte in Berlin ruft zum Gegen-Protest auf.

Berlin (dpa/bb) - Etwa 2000 Teilnehmer werden am Samstag (14.00 Uhr) zum geplanten Al-Kuds-Marsch radikal-islamischer Gruppen in Berlin erwartet. Die Demonstration soll laut Polizeiangaben vom Adenauerplatz zum Wittenbergplatz verlaufen. Ein breites Bündnis aus Parteien, Gruppen und Initiativen hatte zu Gegen-Protesten aufgerufen. Wie eine Polizeisprecherin sagte, seien zwei Demos mit jeweils 400 Teilnehmern angemeldet.
Berlins Antisemitismusbeauftragter rief am Freitag ebenfalls zum Protest gegen den Marsch in der Hauptstadt auf. «Ich würde mich freuen, am Samstag viele Demokratinnen und Demokraten zu treffen, die sich dem Gegenprotest anschließen», sagte Lorenz Korgel laut einer Senatsmitteilung vom Freitag. Demnach wird der Politikwissenschaftler auch selbst an der Gegen-Demo teilnehmen.
Am Al-Kuds-Tag, der am Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan liegt, ruft der Iran jedes Jahr zur Eroberung Jerusalems auf. Hintergrund ist die Besetzung Ost-Jerusalems durch Israel während des Sechstagekrieges 1967. Al-Kuds ist der arabische Name für Jerusalem. Im vergangenen Jahr nahmen 1600 Menschen an der Demonstration in Berlin teil. Sie forderten ein eigenständiges Palästina und griffen Israel in Sprechchören an.
Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) erklärte über Twitter: «Eine der widerlichsten Versammlungen, die es in Berlin gibt. Der politische Wille für ein Verbot ist da. Ein Verbot muss aber vor den Gerichten Bestand haben. Die Erkenntnisse, die wir haben, reichen dafür bislang nicht aus.» Geisel selbst wird nach Angaben seines Sprechers an einer der Gegendemonstrationen teilnehmen.
Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hatte Anfang der Woche die Menschen dazu aufgerufen, am Samstag Kippa zu tragen. Damit setze man ein wichtiges Zeichen der Solidarität mit Juden und trete ein für die uneingeschränkte Religionsfreiheit und gesellschaftliche Vielfalt, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag).
Klein hatte zuvor vor Gewalt gegen Juden gewarnt und gesagt, Juden könnten sich nicht überall in Deutschland mit der Kippa zeigen. Er begründete dies mit der «zunehmenden gesellschaftlichen Enthemmung und Verrohung», die ein fataler Nährboden für Antisemitismus sei. Erst am Montag wurde an einer Schule in Berlin-Charlottenburg ein jüdischer Schüler bedroht und angegriffen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 31. Mai 2019 14:20 Uhr

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