Berlin ernennt Antisemitismusbeauftragten

Berlin ernennt Antisemitismusbeauftragten

Der Politikwissenschaftler Lorenz Korgel (47) wird Antisemitismusbeauftragter des Landes Berlin. Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) ernannte den Referatsleiter für Demokratieförderung und Prävention in der Justizverwaltung zur Ansprechperson beim Thema Antisemitismus. Die Ernennung gehört zum Landeskonzept im Kampf gegen Antisemitismus.

Politikwissenschaftler Lorenz Korgel

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Der Politikwissenschaftler Lorenz Korgel wird Antisemitismusbeauftragter des Landes Berlin. Foto: SenJustVA

Korgel solle die Aktivitäten auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene koordinieren, teilte die Justizverwaltung am Mittwoch mit. Er übernimmt dieses Amt im Übergang. Im nächsten Jahr soll nach den ersten Erfahrungen das endgültige Profil des Amtes festgelegt und die Stelle neu besetzt werden, hieß es. Als Ansprechpartner für Antisemitismus werde Korgel vor allem mit jüdischen Organisationen und Trägern der Antisemitismusprävention zusammenarbeiten. Einzelnen Bürgern würden entsprechende Beratungsangebote vermittelt.
Er wolle die Perspektive der Jüdinnen und Juden in den Mittelpunkt rücken und deswegen als erstes mit der jüdischen Gemeinschaft das Gespräch suchen, erklärte Korgel. Im vergangenen Jahr registrierte die Recherche und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) 1083 antisemitische Vorfälle in Berlin, ein Anstieg um 14 Prozent.
Die CDU-Fraktion kritisierte die Personalie: «Die provisorische Besetzung des Antisemitismusbeauftragten ist ein Armutszeugnis», erklärte ihre integrationspolitische Sprecherin Cornelia Seibeld. Behrendt fehle es offensichtlich an der nötigen Sensibilität. Statt «schöner Worte» erwarte die CDU ernsthafte Taten gegen jede Form von Hass und Gewalt gegenüber Juden sowie die Umsetzung des Landeskonzeptes gegen Antisemitismus.
Korgel wurde zunächst 2008 für den damaligen Beauftragten für Integration und Migration tätig. 2013 wechselte er in die Landesstelle für Gleichbehandlung und gegen Diskriminierung (LADS).
Der rot-rot-grüne Senat hatte im März das Konzept gegen Antisemitismus beschlossen. Es sieht unter anderem eine größere Rolle des Themas in der Aus- und Fortbildung von Lehrern, Polizisten und Staatsanwälten vor. Beratungsangebote vor allem in der Jugendarbeit sollen ausgeweitet werden.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 29. Mai 2019 17:40 Uhr

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