Neue Polizei-Schießstände bald fertig

Neue Polizei-Schießstände bald fertig

17 000 Berliner Polizisten müssen einmal im Jahr zum Schießtraining. Die Spezialeinheiten noch häufiger. Dafür standen zuletzt gerade 11 Schießstände bereit. Der Bau der schon länger angekündigten Fertig-Neubauten läuft nun. Die Polizei atmet auf.

Ein Schild mit der Aufschrift "Schießstand Betreten verboten!"

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Ein Schild mit der Aufschrift "Schießstand Betreten verboten!". Foto: Martin Schutt/Archivbild

Berlin (dpa/bb) - Noch vor wenigen Jahren standen manche Berliner Polizisten beim Schießtraining im giftigen Pulverdampf. Entlüftungen wirkten teilweise kaum. Schießtrainer, die viel Arbeitszeit in maroden Trainingsständen verbrachten, klagten über Atembeschwerden. Die sogenannte Schießstand-Affäre belastete den früheren Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU). Nun soll alles besser werden. Fünf neue und hochmoderne Schießanlagen versprach Henkels Nachfolger Andreas Geisel (SPD) bei der Grundsteinlegung des ersten Neubaus am Montag. Etwa 200 Millionen Euro will er dafür insgesamt ausgeben.
Zu der neuen Anlage auf dem großen Polizeigelände an der Charlottenburger Chaussee in Berlin-Spandau gehören zwei Schießstände mit insgesamt zwölf 25-Meter-Schießbahnen, ein Treffer-Erfassungssystem mit Kameras sowie Räume zum Simulationsschießen mit Laserwaffen. Außerdem Trainingsanlagen im Außenbereich. Im Dezember sollen sie fertig sein und ab Januar für Übungen der Polizisten benutzt werden können, kündigte Polizeipräsidentin Barbara Slowik am Montag an.
Der Neubau wird in sogenannter Container- oder Modularbauweise errichtet, das heißt, dass kein klassisches Haus gebaut wird, sondern Fertigbauteile werden angeliefert und zusammengesetzt. Im zweiten Bauabschnitt werden an dieser Stelle drei bestehende Schießstände saniert und erweitert. Die Baukosten betragen rund 40 Millionen Euro. Slowik betonte, die «zugespitzte Lage» mit den fehlenden Möglichkeiten zum Schießtraining sei demnächst vorbei. Es gebe künftig «zeitgemäße Trainingsmöglichkeiten» für die Sicherheit der Bürger.
Gebaut werden die neuen Trainingszentren von der Berliner Immobilienmanagement-Gesellschaft (BIM). Deren Geschäftsführerin Birgit Möhring sagte mit Blick auf den ersten Neubau, es gehe um eine Schießanlage, die «in Deutschland so noch nicht existiert» und deren Technik samt Entlüftung vergleichbar sei «mit einem Laborgebäude».
Das dürfte das genaue Gegenteil der alten Schießstände sein. Die waren zum Teil nicht überdacht, so dass das Schießtraining bei Regen ausfiel. Bei anderen fand sich Asbest in den Wänden, oder die Rückstände des Schießens blieben in der Luft hängen. Von ursprünglich 74 Schießbahnen für die etwa 17 000 Berliner Polizisten waren zwischenzeitlich nur noch 11 in Betrieb.
Viele Schießtrainer und Polizisten aus Spezialeinheiten, die häufig trainierten, klagten über Beschwerden. Nach Einschätzung von Experten führte das häufige Schießen und das Einatmen von Giftstoffen akut zu Belastungen der Atemwege, aber nicht zwingend zu Krankheiten.
Um den Konflikt zu befrieden, versprach Innensenator Geisel trotzdem Geldzahlungen an möglicherweise Betroffene. Eine Kommission wertete die Anträge aus. Nach Zahlen vom Januar erhalten 487 Schießtrainer und Polizisten insgesamt 3,3 Millionen Euro Entschädigungen. Die Zahlungen liegen zwischen 3000 und 80 000 Euro.
Auch sonst stattete Geisel die Polizei der wachsenden Hauptstadt in den zweieinhalb Jahren seiner Amtszeit mit viel Geld aus. Es werden deutlich mehr Polizisten ausgebildet und neu eingestellt als noch vor wenigen Jahren. Nach dem islamistischen Terroranschlag von 2016 wurden Waffen, Schutzausrüstungen und ein Panzerwagen für 40 Millionen Euro gekauft. Alle paar Monaten präsentierte Geisel der Öffentlichkeit neue Polizeiwachen, Videoüberwachungs-Wagen oder mobile Beratungsstellen an gefährlichen Ecken.
Nun will der Senator mit den fünf neuen Trainingszentren einen Schlussstrich unter die Schießstandaffäre ziehen. Der Baubeginn für den zweiten Trainingsbau in Lankwitz (Steglitz-Zehlendorf) ist im Sommer 2019 geplant. Dann folgt ein großer Bau in Biesdorf (Marzahn-Hellerdsorf) mit Schießbahnen, nachgebauten Wohnungen und Treppenhäusern zum Trainieren bestimmter Situationen sowie Schulungsräumen und einem Sportplatz. Die letzten beiden neuen Anlagen liegen in Tiergarten (Mitte) und Reinickendorf. Künftig sollen dann 58 Schießbahnen zur Verfügung stehen, kündigte Geisel an.
Für den Innensenator ist es beim Kampf um Geld sicher vorteilhaft, dass er Vize-Vorsitzender und Hoffnungsträger der Berliner SPD ist, die auch den Finanzsenator stellt. Zu den laufenden Verhandlungen für die beiden nächsten Jahreshaushalte meinte Geisel denn auch nur, er sei ganz optimistisch, wieder ein ähnlich gutes Ergebnis zu erzielen wie vor zwei Jahren.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 27. Mai 2019 15:40 Uhr

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