Vier-Säulen-Modell gegen Terror

Vier-Säulen-Modell gegen Terror

Früher dachte man beim Kampf gegen Terroristen fast nur an Polizei und Geheimdienste. Inzwischen ist klar: Wenn es gegen Ideologien wie den Islamismus geht, ist Vorbeugung genauso wichtig wie Observation und Fahndung.

Torsten Akmann

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Torsten Akmann. Foto: Monika Skolimowska/Archivbild

Berlin (dpa/bb) - Verfolgung, Vorbeugung, Vorkehrung und Vorbereitung: Mit diesem Vier-Säulen-Modell geht der Berliner Senat gegen die Gefahr durch islamistische Terroristen vor. Das sagte Innen-Staatssekretär Torsten Akmann (SPD) am Montag im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Für die Strafverfolgung seien die zuständigen Bereiche im Landeskriminalamt bereits deutlich ausgebaut worden, sagte er weiter.
Bestandteile der Vorbeugung seien schon länger laufende Programme gegen die Radikalisierung von muslimischen Jugendlichen. Zu den Vorkehrungen gehöre der Schutz des öffentlichen Raums durch Baumaßnahmen, Vorbereitungen seien Großübungen sowie Aus- und Fortbildungen.
Akmann sagte, die Zahl der Salafisten, also radikaler Muslime, liege weiterhin in Berlin bei etwa 1000. Knapp die Hälfte davon sei gewaltorientiert. Von 130 Menschen sei bekannt, dass sie in den vergangenen Jahren in Kriegsgebiete ausgereist seien. 60 davon seien zurückgekehrt. Die Anzahl der von der Berliner Polizei als «Gefährder» eingeordneten islamistisch orientierten Menschen liege seit Jahren unverändert im «mittleren bis oberen zweistelligen Bereich».
Ganz wichtig sei aber, so der Staatssekretär, dass keine «Stigmatisierung» von Muslimen erfolgen dürfe: «Nur ein verschwindend geringer Teil der Muslime hat eine extremistische Einstellung.» Es gebe daher gerade bei der Prävention eine gute Zusammenarbeit mit vielen Moscheen und auch mit Vereinen in den jeweiligen Stadtteilen. Von den mehr als 100 Moscheen in Berlin seien mehr als 95 Prozent «völlig unkritisch», sagte Akmann. Nur ein sehr geringer Prozentsatz sei salafistisch orientiert oder bei den sogenannten Legalisten, etwa der Muslimbruderschaft, aktiv.
Auch Rückkehrer aus den Kriegsgebieten in Syrien dürfe man nicht pauschal als Gefahr sehen, sagte Akmann. Darunter seien auch Mitläufer, Minderjährige und Frauen, außerdem Menschen mit und auch ohne Kampferfahrung.
Für 2020 kündigte Akmann die bisher «größte Anti-Terror-Übung» in Berlin an. Diese Übung werde sich nicht nur wie kürzlich in einem Einkaufszentrum in Steglitz in einem abgesperrten Bereich abspielen. «Wir wollen mit Blaulicht sehr groß auf die Straße gehen.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 6. Mai 2019 15:20 Uhr

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