Viele Fälle von Diskriminierung in Berliner Schulen

Viele Fälle von Diskriminierung in Berliner Schulen

Rassistische Zwischenfälle auf dem Schulhof machten in der Vergangenheit immer wieder mal Schlagzeilen. Nun zeigt eine Übersicht, dass dies ein größeres Problem ist.

Diskriminierung

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Ein Mädchen sitzt allein auf dem Fußboden und hat den Kopf gesenkt. Foto: Britta Pedersen/Archiv

Berlin (dpa/bb) - An Berliner Schulen werden Schüler immer wieder wegen ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder ihrer Behinderungen diskriminiert. Das geht aus der Antwort der Bildungsverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage des Grünen-Abgeordneten Sebastian Walter hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
Demnach zählte die Antidiskriminierungsbeauftragte der Bildungsverwaltung im Schuljahr 2016/2017 - aktuellere Angaben liegen nicht vor - 183 Beschwerden. In 147 Fällen bestätigte sich der Vorwurf einer Diskriminierung, 23 Fälle wurden bislang trotz des schon etwas länger zurückliegenden Zeitraums noch nicht geprüft.
Laut Verwaltung ging es allein in 106 Fällen um Schüler, die rassistisch oder antisemitisch benachteiligt, gedemütigt oder beleidigt wurden. Aber auch wegen ihres Geschlechts, der sexuellen Orientierung, wegen Krankheiten oder Behinderungen waren Schüler Diskriminierungen ausgesetzt. Sie gingen den Angaben zufolge von anderen Schülern, von Lehrern oder übrigem Schulpersonal aus. Den Tatbestand der Diskriminierung erfüllten obendrein bestimmte Verfahren im Zusammenwirken von Schulen mit Polizei oder Jugendamt, Bildungsmaterialien oder Schulregeln.
Die Bildungsverwaltung weist darauf hin, dass die Datenerhebung nicht repräsentativ sei und keine verlässlichen Rückschlüsse auf das tatsächliche Ausmaß von Diskriminierungen in der Schule zulasse. Dazu sei ein Datenabgleich mit anderen Institutionen wie Beratungsstellen nötig. Zudem wirkten an Schulen teils «starke Beschwerdehemmnisse», so dass sich nicht alle von Diskriminierungen, Rassismus und Antisemitismus Betroffenen beschwerten.
«Diskriminierung an Berliner Schulen ist ein Alltagsproblem. Es muss davon ausgegangen werden, dass die registrierten Fälle nur die Spitze des Eisbergs abbilden», sagte Walter der dpa. Dass Schüler es mehrheitlich nicht wagten, Diskriminierungsfälle zu thematisieren, sei erschreckend. Betroffene müssten überall ernst genommen werden.
«Wir brauchen dringend eine Antidiskriminierungsstrategie, denn Diskriminierung hat Auswirkungen auf das Schulklima, auf Gewalt an der Schule und die Leistung der Schülerinnen und Schüler», unterstrich Walter. «Empörung über Einzelfälle reicht nicht mehr aus.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 16. November 2018 06:00 Uhr

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