Müller zum NSU-Urteil: Verantwortung des Staates aufarbeiten

Müller zum NSU-Urteil: Verantwortung des Staates aufarbeiten

Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) hat das Urteil im NSU-Prozess begrüßt, aber weitere Aufklärung angemahnt. «Es ist gut, dass es ein klares Urteil gegen Frau Zschäpe gegeben hat», erklärte Müller am Mittwoch. «Allerdings ist auch klar, dass der Komplex der Verantwortung auch staatlicher Stellen noch vollständig aufzuarbeiten ist.»

Michael Müller

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Michael Müller. Foto: Jörg Carstensen

Das Oberlandesgericht München hatte die Hauptangeklagte Beate Zschäpe wegen zehnfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, ihre Mitangeklagten zu mehrjährigen Gefängnisstrafen.
Der «Nationalsozialistische Untergrund» (NSU) war 2011 aufgeflogen. Vorher waren neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine Polizistin ermordet worden.
«Diese entsetzlichen Taten und der daraus folgende Umgang müssen uns zur Warnung dienen. Es ist immer wieder notwendig, genau hinzuschauen», erklärte Müller. Rechtsextreme dürften nicht ungehindert ihr schändliches Werk fortsetzen. Die Opfer wiederum müssten ernst genommen und geschützt werden.
Der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg kritisierte, für Versäumnisse und Aktenvernichtungen der Behörden sei niemand zur Rechenschaft gezogen worden. Die Opfer hätten Anspruch auf eine lückenlose Aufklärung - auch deshalb, weil sie wegen jahrelanger «einseitiger Ermittlungen» gedanklich zu Mittätern gemacht und ihre Angehörigen schikaniert worden seien.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 11. Juli 2018 14:30 Uhr

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