Gefängnisfluchten: Vorschlaghämmer waren ungesichert

Gefängnisfluchten: Vorschlaghämmer waren ungesichert

Nach Weihnachten fliehen vier Strafgefangene aus der Haftanstalt Plötzensee. Nun offenbart der Bericht einer externen Untersuchungskommission gravierende Sicherheitsmängel. Ausbruchswerkzeug war in einer Werkstatt offen zugänglich.

Stacheldraht

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Stacheldraht auf einer Mauer in der JVA Plötzensee. Foto: Stephanie Pilick/Archiv

Berlin (dpa/bb) - Knapp drei Monate nach dem spektakulären Ausbruch von mehreren Strafgefangenen aus dem Berliner Gefängnis Plötzensee hat ein Untersuchungsbericht beträchtliche Sicherheitsmängel offengelegt. Vorschlaghämmer hätten in der unübersichtlichen Kfz-Werkstatt in einem ungesicherten Regal gelegen, heißt es in dem Bericht einer Expertenkommission, welcher der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Auch Kuhfüße - eine Art Brecheisen - seien offen zugänglich gewesen.
Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) war zu Jahresbeginn heftig unter Druck geraten, als innerhalb weniger Tage insgesamt neun Häftlingen - auch aus dem offenen Vollzug - die Flucht gelang. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) beauftragte Behrendt, dem rot-rot-grünen Senat eine genaue Untersuchung vorzulegen. Der Justizsenator setzte eine Expertenkommission ein.
Vier Häftlinge hatten sich mit Vorschlaghammer, zwei Flexgeräten und einer Hydraulikpresse aus der Kfz-Werkstatt kurz nach Weihnachten aus dem Heizungsraum den Weg in die Freiheit gebahnt. Sie schraubten das Gitter des Lüftungsschachtes ab, schlugen einen Betonpfosten ab, durchtrennten die Stahlarmierung, entkamen durch die Öffnung in der Außenwand und krochen unter einem Maschendrahtzaun hindurch.
In dem Bericht heißt es, die Tür zum Heizungsraum müsse häufiger unverschlossen gewesen sein. Mitgefangene hätten angegeben, er sei ein «perfekter Ort zum Kiffen» gewesen. Zudem soll schon vier Wochen vor der Flucht ein Bediensteter bemerkt haben, dass die Schrauben des Lüftungsgitters gelockert worden seien. Hierzu liefen noch Ermittlungen. In der Kfz-Werkstatt mit mehreren Hallen und Nebenräumen sei eine ständige Kontrolle der Gefangenen unmöglich oder nur mit extrem hohem Personalaufwand leistbar.
Die vier Strafgefangenen hatten sich zum Teil wieder gestellt oder waren festgenommen worden. Sie wurden getrennt in anderen Strafanstalten untergebracht. Empfohlen wird in dem Bericht, die Außenfront des Gefängnisses stärker zu sichern. Die Arbeit der Gefangenen in der Werkstatt sollte neu organisiert werden. Alle Werkzeuge müssten erfasst und täglich kontrolliert werden, ob alle Werkzeuge da sind.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 19. März 2018 18:40 Uhr

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