Charlottenburger Buchhändler David Solomon ist tot

Charlottenburger Buchhändler David Solomon ist tot

David Solomon ist tot. Der Betreiber der Buchhandlung Books in Berlin verstarb in der letzten Nacht an den Folgen eines Verkehrsunfalls.

Buchhandlung Books in Berlin

© Antje Kraschinski/ berlin.de

Die Buchhandlung Books in Berlin in der Goethestraße am 20. Mai 2015. Zum Gedenken an den Inhaber David Solomon liegen Blumen vor der Eingangstür.

Vor dem Laden in der Charlottenburger Goethestraße stehen schon seit einigen Tagen Blumen, eine Handvoll Kerzen brennt und dazwischen hat jemand ein kleines, blaues Engelsbildchen postiert. Seit heute klebt auch ein Blatt Papier auf der Ladentür. Es zeigt ein Portrait von David Solomon, "In a loving memory of a good son, a brother and a great friend" steht darüber. Es ist ein Gedenkort für David Solomon, der 21 Jahre lang das Gesicht der englischen Buchhandlung "Books in Berlin" war. Er starb in der letzten Nacht mit 58 Jahren an den schweren Verletzungen, die er bei einem Verkehrsunfall am 9. Mai diesen Jahres erlitten hatte.

Wahl-Berliner, Selfmade-Buchhändler, Gastgeber für Flaneure

Mit David Solomon starb auch die Seele von Books in Berlin. Das Ladengeschäft in der Ecke eines herrschaftlichen Jugendstilhauses war nicht nur eine Buchhandlung, es war eine kleine Institution, ein echter Laden, ein lebendiger Treffpunkt, auf seine Art ein offenes Haus für alle, die englisch sprechen wollten und die, die es besser konnten als deutsch. Der, der die Tür jeden Tag gegen Mittag auf und meist erst spät am Abend zuschloss, war David Solomon, Wahl-Berliner, Selfmade-Buchhändler und geduldiger Gastgeber für Flaneure aller Art.

Vom Büchertisch zur Buchhandlung

Angefangen hatte er in den 1990er Jahren als fliegender Händler vor der Humboldt-Universität, wo er aus den USA importierte, gebrauchte Bücher verkaufte. Drinnen hatte sein Vater Mark Solomon Jahre zuvor als Gastprofessor Vorlesungen gehalten und bemerkt, dass englischsprachige Literatur in Berlin schwer zu bekommen war. Es gab noch kein Internet für alle, es waren die Zeiten, als man Bücher noch in Buchhandlungen kaufte. Ausländische Bücher mussten teuer in Großbritannien oder den USA besorgt und umständlich importiert werden, die damals hohen Wechselkurse trieben den Endpreis nochmals in die Höhe. Also gingen Mark Solomon und seine Frau in Boston selbst auf Einkaufstour, erwarben günstig gebrauchte Bücher und verschifften sie nach Berlin wo Sohn David sie an Büchertischen bei Wind und Wetter verkaufte.

Vater, Mutter und Sohn

Das Familiengeschäft mit den Import-Büchern funktionierte so gut, dass die Solomons 1994 einen Buchladen in der Goethestraße in Charlottenburg übernahmen, ihn 2002 renovierten und erweiterten und in den folgenden Jahren mit viel persönlichem Einsatz zu einer lokalen Kulturinstitution machten. Die Eltern unterstützen ihren Sohn von den USA aus so gut es ging, Sohn David etablierte mithilfe seiner vielen Freunde das Geschäft. Rückblickend kann man sagen, dass nun die besten Jahre für Books in Berlin begannen: Ein gut sortiertes Angebot neuer und gebrauchter englischsprachiger Literatur lockte Kunden an, regelmäßig fanden Lesungen vor einem treuen Publikum statt und einmal im Jahr kam Vater Mark zu Besuch und hielt eine "Lecture" zur aktuellen politischen Situation in den USA.
Gedenken an David Solomon
© Antje Kraschinski/ berlin.de

Mittendrin war immer David Solomon, ein eher kleiner, etwas kompakter Typ mit vollen dunklen Locken und einer sehr liebenswürdigen Art. US-Amerikanern, die sich in jenen Jahren eher nach Berlin verirrten, gingen oftmals zuerst zu Books in Berlin. David half ihnen weiter, sein Laden wurde und blieb für viele Exilanten ein beliebter Treffpunkt. In den letzten Jahren kroch die Bücherkrise auch durch Charlottenburg. Das Internet, das veränderte Kaufverhalten, die großen Player- wie für viele andere Buchhandlungen wurde die Krise zum Dauerzustand bei Books in Berlin. Aber egal, ob der Musik- und Sportfan David bis vier Uhr morgens bei einem Konzert war oder mit Freunden Basketball geguckt hatte - am Mittag war der Laden geöffnet. David saß am Schreibtisch beim Eingang, gut sichtbar für jeden der vorbei kam, ansprechbar, mit einem freundlichen Lächeln, einem Winken, einem kurzen "Hi there!".

Bye, bye Dave

David Solomon ist tot weil er mit dem Fahrrad unterwegs war. An der Ecke Hardenberg- und Joachimsthaler Straße fuhr ihn in der Nacht zum 9. Mai ein rechts abbiegendes Taxi um. Aus dem künstlichen Koma, in das ihn die Ärzte wegen der schweren Verletzungen versetzt hatten, wachte er nicht mehr auf. Bye, bye Dave, Berlin wird Dich vermissen.

Quelle: Antje Kraschinski / berlin.de (20. Mai 2015)

| Aktualisierung: Mittwoch, 20. Mai 2015 18:22 Uhr

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