Architekt: Flughafen-Eröffnung war aus mehreren Gründen unmöglich

Architekt: Flughafen-Eröffnung war aus mehreren Gründen unmöglich

Der neue Hauptstadtflughafen hätte nach Ansicht seines Architekten auch ohne die bekannten Brandschutz-Mängel nicht im Juni 2012 eröffnet werden können. Kurz vor dem Eröffnungstermin seien die Notstromversorgung und die Parkhäuser noch nicht von Gutachtern abgenommen gewesen, sagte der Ingenieur Hans-Joachim Paap am Freitag vor dem Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Zudem habe eine Datenverbindung zur Feuerwehr gefehlt. Eine Inbetriebnahme im Juni 2012 wäre so oder so schiefgegangen: «Wir hätten ihn aufgemacht und gleich wieder zugemacht.»

Hans-Joachim Paap

© dpa

Architekt Hans-Joachim Paap. Foto: Kay Nietfeld

Der Architekt Paap aus dem Büro von Gerkan, Marg und Partner (GMP) hatte den neuen Flughafen in Schönefeld federführend entworfen. Nach der Terminabsage im Mai 2012 setzten die Betreiber die Gerkan-Architekten vor die Tür. Der neue Flughafenchef Hartmut Mehdorn holte Paap ein Jahr später jedoch als Berater zurück.
Die Flughafengesellschaft hatte die Eröffnung 2012 erst dreieinhalb Wochen vor dem geplanten Datum abgesagt. Sie gab vor allem der Planungsgemeinschaft BBI, an der GMP beteiligt war, die Schuld dafür und verklagte die Architekten.
Paap bestritt im Ausschuss entscheidende Planungsfehler seines Büros. Er nannte die «kleinteilige Auftragsvergabe» und zahlreiche Planungsänderungen als Hauptgründe für die jahrelangen Verzögerungen an dem Bau, der bis heute nicht vollendet ist.
«Die Hauptverantwortung für das Desaster liegt bei der Flughafengesellschaft», meinte der Architekt. Der Betreiber habe in wichtigen Fragen «mangelnde Kooperationsbereitschaft» gezeigt. Das habe mehrmals zu monatelangem Stillstand auf der Baustelle geführt.
Paap musste seinen Vortrag vor den Abgeordneten an der Stelle unterbrechen, an der er die letzten Tage und Stunden vor der Terminabsage im Mai 2012 schilderte. Die Stimme des 53-Jährigen stockte, er trocknete einige Tränen. «Ich habe die Verantwortung übernommen, ich hatte den Mut, es auszusprechen», sagte er mit Blick auf die Absage. Andere wie der damalige Chefplaner Manfred Körtgen hätten diese Verantwortung nicht übernehmen wollen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 14. März 2014 17:03 Uhr

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