Koalition will einheitliche Wertstofftonne für Berlin

Koalition will einheitliche Wertstofftonne für Berlin

Plastik mit und ohne Grünen Punkt, kleine Elektrogeräte, Spielzeug, Holz - das alles sollen die Berliner künftig in eine einzige Mülltonne werfen dürfen. Die Gelbe Tonne fällt weg, dafür gibt es die neue, kostenlose Wertstofftonne. So wollen es SPD und Linke im Abgeordnetenhaus, die damit den Streit der Berliner Stadtreinigung (BSR) und des privaten Entsorgers Alba um die begehrten Wertstoffe entscheiden wollen. Derweil häuft sich auf den Straßen jener Müll, mit dem sich weniger verdienen lässt - meint zumindest die Industrie- und Handelskammer (IHK).

Arbeiter schiebt zwei Gelbe Tonnen

© dpa

Gelbe Tonne soll wegfallen und neue Wertstofftonne eingeführt werden. (Archiv)

«Die Wertstofftonne ist der Recyclinghof für zu Hause», sagte der SPD-Umweltpolitiker Daniel Buchholz am Donnerstag. Nach dem Koalitionsvorschlag müssen sich die Kontrahenten den Abfall Müll eilen: Die Abfallmenge der bisherigen Gelben Tonne steht Alba zu, die landeseigene BSR bekommt das, was darüber hinaus in den Tonnen landet.
Nach Buchholz' Angaben werfen die Berliner bislang Jahr für Jahr 70 000 Tonnen Abfall in die Gelben Tonnen. Mit der neuen Wertstofftonne dürfte die BSR nach Schätzungen zwischen 20 000 bis 50 000 Tonnen zusätzlicher Wertstoffe einfahren.
Die Regelung ist notwendig, weil es sowohl die BSR als auch Alba auf Abfälle wie Metalle, kleinen Elektroschrott, Holz, Textilien und Plastik abgesehen haben. Ihr Recycling ist ein einträgliches Geschäft. Alba hat dazu 400 000 Berliner Haushalten eine «Gelbe Tonne Plus» vor die Tür gestellt, um den zusätzlichen Abfall mit einzusammeln. Die BSR unternahm an 10 000 Müllplätzen einen Pilotversuch mit ihrer «Orange Box» und richtete Sperrmüllecken («Orange Corners») ein. Inzwischen hat die flächendeckende Aufstellung begonnen.
Am Montag will die Koalition den Senatsentwurf für ein neues Abfallwirtschaftskonzept im Umweltausschuss ändern, bei der nächsten Plenarsitzung am 12. Mai könnte es beschlossen werden. Es ist allerdings kein Gesetz. Es kommt danach also darauf an, dass sich die BSR, Alba und das Duale System einigen. Die BSR begrüßte den Vorstoß am Donnerstag.
Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen warnte indes vor deutlich steigenden Müllgebühren. «Eine zukunftsweisende Abfallwirtschaftspolitik sollte den Wettbewerb stärken statt einschränken», teilte Vorstandsmitglied Maren Kern mit. Wegen der bisherigen Konkurrenz habe Berlin die günstigsten Müllgebühren unter den deutschen Metropolen.
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) forderte unterdessen vom Senat, die Stadtreinigung ernster zu nehmen. «Tausende Tonnen Abfall in Parks und Grünanlagen, an touristischen Hotspots und in den Kiezen verschandeln die Umwelt und das Außenbild der Stadt.» Die Stadt dürfe die Toleranz der Touristen nicht überstrapazieren. «Überfüllte Mülleimer finden sich auf allen Fotos für die Lieben daheim.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 28. April 2011 16:48 Uhr

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