Umweltfreundliche Mobilität in Steglitz-Zehlendorf

Radverkehr

Zwei Radfahrer fahren auf dem rot markierten Fahrradstreifen gegenüber des Rathauses Steglitz die Schloßstraße in Richtung Norden.
Bild: Adam88xxx/depositphotos.com

Rund ein Viertel der Treibhausgase in Steglitz-Zehlendorf sind dem Verkehrssektor zuzurechnen und davon der überwiegende Teil dem motorisierten Individualverkehr (MIV). Mehr Fuß- und Radverkehr auf den Straßen im Südwesten wirkt sich direkt und positiv auf die Klimabilanz des Bezirks aus. Deshalb hat Steglitz-Zehlendorf in seinem Klimaschutzkonzept eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, die das Radfahren und Gehen im Bezirk erleichtern sollen. Nur noch jeder vierte Weg soll künftig mit dem Auto zurückgelegt wird. Um dieses Ziel zu erreichen, spielt vor allem das Fahrrad eine größere Rolle als bisher: Bis 2020 soll sein Anteil am Gesamtverkehr von 12 Prozent auf 18 Prozent steigen. Das ist nicht unrealistisch, schließlich lag der Radanteil 1990 bei nur 6 Prozent.

Attraktive Routen durch den Südwesten

Grafik Modal Split 2008 in den Altbezirken Steglitz und Zehlendorf
Bild: Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf von Berlin

Durch den Bezirk führen mehrere übergeordnete und gut ausgeschilderte Fahrradrouten:

  • Europaradweg R1: Glienicker Brücke – Havelchaussee
  • Mauerradweg entlang der Stadtgrenze
  • Fernradweg Berlin – Leipzig: Südende – Alt Lankwitz – Stadtgrenze
  • Wannseeroute RR1: Breitenbachplatz – Dahlem Dorf – Mexikoplatz – Bahnhof Wannsee-Potsdam
  • Teltow-Route RR12: Feuerbachstraße – Sedanstraße – Teltowkanal – Stadtgrenze
  • Tangentialroute TR5/8 (geplant, noch nicht ausgeschildert): Platz am Wilden Eber – Teltowkanal – Lankwitz

Um das Hauptroutennetz zu ergänzen, arbeitet die Bezirksverwaltung an einem Nebenroutennetz, das die verschiedenen Zentren des Bezirks miteinander verbindet, etwa die S-Bahnhöfe Lichterfelde Ost und Zehlendorf oder die Schloßstraße mit dem Sommerbad am Insulaner. Diese Nebenrouten verlaufen in der Regel über Nebenstraßen mit geringer Autobelastung. Um zu verhindern, dass die Routen im Zickzack durch den Bezirk verlaufen, kommt aber gelegentlich auch eine Führung über Hauptstraßen in Betracht. Alle Nebenrouten werden sukzessive mit einer Beschilderung ausgestattet, die sich markante Orte bezieht. Bisher wurden vor allem die West-Ost-Routen baulich ertüchtigt, für 2016/17 steht die Nord-Süd-Route auf dem Plan.

Mehr Platz und Sicherheit fürs Radfahren

Straße, auf deren Belag das Verkehrszeichen Fahrradstraße markiert ist
Bild: Berlinschneid CC BY-SA 3.0

Auf ausgewählten Nebenstraßen, wo heute schon besonders viele Radfahrerinnen und Radfahrer unterwegs sind, bietet es sich an, eine Fahrradstraße einzurichten. In Fahrradstraßen haben Radelnde Vorrang und dürfen nebeneinander auf der Fahrbahn fahren. Seit Mai 2016 ist ein ca. 2 km langes Stück der Lauenburger Straße und der Sedanstraße auf Grundlage eines Beschlusses der Bezirksverordnetenversammlung neu als Fahrradstraße im Bezirk gewidmet worden.
Auch abseits der Radrouten, sowohl in den Wohnvierteln als auch auf den großen Verkehrsachsen, gibt es viel zu tun, um Radfahren sicherer und attraktiver zu machen. Gefahrenstellen gilt es zu identifizieren und durch bauliche oder verkehrsorganisatorische Maßnahmen zu beseitigen. Grundsätzlich unterstützt der Bezirk den Ansatz, den Radverkehr künftig vermehrt auf der Fahrbahn zu führen, um Unfälle mit abbiegenden Autos zu vermeiden. Allerdings sollen auch diejenigen Bürgersteigradwege, die nicht mehr benutzungspflichtig sind, instand gehalten werden, da sie unsicheren Radfahrenden einen Schutzraum bieten. Viele Radfahrerinnen und Radfahrer bevorzugen trotz starken Autoverkehrs Hauptverkehrsstraßen, weil diese die Orientierung erleichtern und als Vorfahrtsstraßen zügiges Fahren erlauben. Daher sollten auch an den großen Straßen Radverkehrsanlagen vorhanden sein unabhängig davon, ob in der Nähe eine Radroute über Nebenstraßen verläuft. Das prominenteste Beispiel für zeitgemäße Radverkehrsinfrastruktur auf wichtigen Verkehrsachsen ist die Schloßstraße. Die 2011 markierte Radspur erfreut sich großer Beliebtheit und erleichtert das Einkaufen mit dem Rad enorm. Positiver Nebeneffekt des Straßenumbaus: Die Fußwege der Einkaufsmeile wurden verbreitert.

Abstellanlagen

Mehr Radverkehr bedeutet auch mehr parkende Fahrräder. Das Bezirksamt hat in den vergangenen Jahren viele Abstellbügel in den Ortsteilzentren und an Haltestellen und Bahnhöfen errichtet. Auch die eigenen Dienstgebäude wurden ausgestattet. In Arbeit sind noch die Schulen, die ebenfalls ausreichende und gute Abstellanlagen benötigen; insbesondere, wenn Kinder und Jugendliche motiviert werden sollen, das Rad für ihre Wege zu nutzen. Ein Highlight könnte das in Planung befindliche Fahrradparkhaus am S-Bahnhof Zehlendorf werden. Hier soll ein innovatives Konzept für den Stadtraum erprobt werden.

Im Kommen: Pedelecs

Viele Berufstätige in Steglitz-Zehlendorf haben Arbeitswege, die länger als zehn Kilometer sind. Deshalb unterstützte das Bezirksamt das Projekt „EBikePendeln“, bei dem Pendlerinnen und Pendler aus dem Südwesten und den angrenzenden Umlandgemeinden testweise Pedelecs zur Verfügung gestellt bekamen. Das neue Fortbewegungsmittel fand großen Anklang und stellt nicht nur beim Weg zur Arbeit eine gute Alternative zum Auto dar. Zugleich sind ausreichend breite Radsteifen an den Straßenzügen, die besonders als „Pedelec-Korridore“ genutzt werden sollen, in Arbeit. Außerdem sollen verschließbare Abstellanlagen an mehreren Umsteigepunkten zu U- und S-Bahn errichtet werden. Nur wer sein teures Rad diebstahlsicher unterbringen kann, wird es auch nutzen.

Gut zu Fuß in Steglitz-Zehlendorf

Verkehrszeichen Fußgängerübergang
Bild: Tom Sawyer/pixelio.de

Obwohl wir alle zu Fuß gehen, sind Fußgängerinnen und Fußgänger noch oft die Stiefkinder im öffentlichen Raum. Auch hier will der Bezirk umsteuern. Sukzessive soll das Gehwegparken abgeschafft werden, das nicht nur die Fußgänger einengt, sondern auch den Straßenbäumen schadet. In einigen Straßenzügen wie etwa in der der Potsdamer Straße in Lichterfelde wurde das bereits geprüft und geändert. Da immer mehr Menschen im Bezirk mit dem Fahrrad unterwegs sind, drohen die notwendigen neuen Radabstellanlagen den Fußverkehr auf den Gehwegen zu behindern. Um dies zu vermeiden, verlegt der Bezirk das Fahrradparken an geeigneten Stellen auf ehemalige Autostellplätze auf der Fahrbahn.
Es gibt bei der Qualität der Gehwege und Straßenquerungen noch viel zu verbessern. Um die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum zu erhöhen, steht die Gestaltung der Plätze und der Geschäftsstraßen ist auf dem Prüfstand. Dabei können auch kleine Verbesserungen eine große Wirkung erzielen, etwa mehr Bänke, schließlich gehört zum Gehen auch das Sitzen.

Partizipation

Nachhaltige Mobilität kann nicht „von oben“ angeordnet werden. Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf lädt Initiativen, Verbände und Unternehmen ein, gemeinsam über die Förderung des Rad- und Fußverkehrs zu beraten. Seit Jahren trifft sich regelmäßig der „Runde Tisch Fahrradverkehr“ und seit Kurzem auch die AG „Gut zu Fuß in Steglitz-Zehlendorf“.