Erzgebirge ist Weltkulturerbe

September Oktober 2019

Bergleute im Bergbaumuseum
Bergleute im Bergbaumuseum
Bild: epd

von Hans-Jürgen Rudolf

Erzgebirge/Krušnohoří als Weltkulturerbe anerkannt. So lautete die Erfolgsnachricht. Das Komitee der Unesco nahm das historische Bergbaugebiet in Sachsen und Böhmen in Tschechien auf seiner letzten Sitzung in Aserbaidschan in die Liste schützenswerten Erbes der Welt auf. Diese von den beiden Ländern nominierte Stätte sei von universellem Wert. Delegierte sprachen von einem „Meisterwerk menschlicher Kreativität“.

Kooperation von Tschechien und Deutschland

Die Region wollte eigentlich schon vor wenigen Jahren das Unesco-Siegel erhalten. Nach Bedenken des Weltdenkmalrats (Icomos) wurde die Bewerbung aber zurückgezogen und überarbeitet. Nun klappte es nach 20 Jahren auf der Vorschlagsliste für den Welterbe-Titel.

Die Region bewarb sich auf sächsischer Seite mit 17, auf tschechischer Seite mit 5 Bestandteilen um den Titel. Die ausgewählten Denkmäler, Natur- und Kulturlandschaften repräsentieren als Zeugen einer 800-jährigen Geschichte die wichtigsten Bergbaugebiete und Epochen des sächsisch-böhmischen Erzbergbaus. Hinter dem Antrag stehen drei Landkreise sowie 32 Städte und Gemeinden, die sich in einem Verein zusammengeschlossen haben, um das Erzgebirge zum Welterbe zu machen.

Die Menschen – seit Jahrhunderten das Pfund der Region Erzgebirge

Der Menschenschlag der Region war von Beginn an ein wesentlicher Baustein, der das Projekt erfolgreich auf den Weg brachte. Das unterstreicht Prof. Dr. Helmuth Albrecht von der TU Bergakademie Freiberg, der das Welterbeprojekt vor allem fachlich intensiv begleitete: „Es war von vorneherein klar, die Umsetzung der ersten Idee kann nicht von oben kommen, sondern muss aus den Menschen herauswachsen. Wir wollten Kommunen, Landkreise, Vereine, Ehrenamtliche und tschechische Partner mitnehmen.

Das ist auch eine Erklärung dafür, dass der Prozess so lange dauerte. Stück für Stück konnten wir so die Politik überzeugen: die Menschen der Region wollen das Projekt. Und auch künftig wird unser Welterbe nur durch die hier lebenden Menschen vorangetrieben werden. Da bin ich guter Dinge – wir haben gezeigt, dass wir zusammenhalten können.“ Mehr als 1.000 Beteiligte haben in den Jahren das Vorhaben begleitet und unterstützt.

Die Chancen – auf das Erzgebirge schaut die Welt

Welterbe werden ist das eine, Welterbe sein das andere. Man habe jetzt die große Chance, das Thema mit Leben zu füllen und den Menschen auf der ganzen Welt zu zeigen, welche Schätze die Region hat. Und zwar nicht nur bergbauliche, sondern auch kulturelle und industrielle, die alle eng mit der mehr als 800-jährigen Bergbauhistorie verknüpft sind.

So bringt der Welterbetitel nicht nur einen Schub für die Identifikation der Erzgebirger mit ihrer Heimat sondern auch enorme Chancen für eine Imageaufwertung durch ein weltweites Qualitätssiegel im Tourismus. Ines Hanisch-Lupaschko, Geschäftsführerin Tourismusverband Erzgebirge e. V. zeigt sich richtungsweisend: „Gemeinsam mit unseren touristischen Partnern und den Menschen in der Region ist es unser Ziel, diese interessante Weiterentwicklung nachhaltig zu gestalten, eine neue Qualitätsebene zu erreichen und erweiterte Gästekreise anzusprechen.

Der gemeinsame Blick ist auf emotional authentische und erlebbare Angebote gerichtet, so dass ein Mehrwert für unsere Gäste geschaffen werden kann. Der Aufbau eines einheitlichen Qualitätssiegels wird als Prozess gesehen, der mit der Ernennung zum UNESCO-Welterbe beginnt und neue Impulse in der Region setzen wird.“ Gemeinsam wird man sich kommenden Herausforderungen stellen und sich gegenseitig unterstützen.

Prof. Dr. Albrecht spricht von einem Touristischen Managementkonzept, bei dem die Konzentration auf die gesamte Region gesehen wird – „Heimat ist da, wo man sich wohlfühlt“ und dies gilt nicht nur für die Menschen im Erzgebirge, sondern auch für die Gäste in der Erlebnisheimat.