Bauhaus – Ideenschule und Experimentierfeld

Mai/Juni 2018

Im Bauhaus-Stil: Das Schminke-Haus in Löbau
Bild: Hans-Jürgen Kolbe

von Ursula A. Kolbe

Was hat eine 100-jährige Bauhaus-Tradition mit der Internationalen Tourismusbörse Berlin (ITB) zu tun? Nun, 2019 steht hierzulande die Gründung der Kunsthochschule Bauhaus vor 100 Jahren im Mittelpunkt. So plant die Deutsche Zentrale für Tourismus dazu ein Themenjahr, in dem kulturhistorisch besonders prägnant das Projekt „Grand Tour der Moderne – 100 Orte“ sein wird, eine konzipierte Route durch die Kulturgeschichte der letzten 100 Jahre in Deutschland.

Dieses Jubiläum im Blick luden auf dem diesjährigen ITB-Podium die Länder Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen die interessierten in- und ausländischen Medienvertreter auf einer gemeinsamen Pressekonferenz ein, die historischen Zeugnisse des Bauhauses neu zu entdecken, seine Impulse für die Gegenwart und Zukunft zu erkunden, überhaupt eine Vorschau ihrer Regionen auf das runde Bauhaus-Jubiläum zu geben.

Zur Erinnerung: 1919 nahm mit dem Staatlichen Bauhaus die wichtigste Kunstschule des frühen 20. Jahrhunderts ihren Betrieb in Weimar auf. In den Umbrüchen nach dem Ersten Weltkrieg waren die Menschen offen für Neues. Mit der Weimarer Republik gab es 1919 erstmals eine Demokratie in Deutschland. Gleichzeitig war das Bauhaus als Ideenschule und Experimentierfeld die Wiege des modernen Designs.

Viele Entwürfe wurden zu Design-Klassikern, die so oder ähnlich in unseren Wohnzimmern stehen. Den Künstlern ging es um die Revolution des Alltags, um das Zusammenleben in der Gesellschaft. Sie suchten nach Utopien, arbeiteten interdisziplinär. Später zog das Bauhaus nach Dessau und Berlin um, viele Künstler emigrierten in Zeiten der Nationalsozialistischen Diktatur.

Und heute, kurz vor dem 100jährigen Jubiläum, schauen wir uns um in unserem Land, in einer Welt voller Kreativität, Inspiration und Gestaltungswillen. In ein Füllhorn von Beispielen, wo Architektur und ihre Geschichte Impulsgeber für Städte- und Kulturreisen sind, in denen die Bauhaus-Meister um dessen Gründer Walter Gropius (1883 – 1969) wirkten.

An der Wiege der Moderne

Fangen wir mit Thüringen an. Hier steht die Wiege der Bauhaus-Bewegung, besonders aber in Weimar. Auch in den umgebenden Städten Jena, Erfurt, Gera sowie dem Weimarer Umland erzählen eine Vielzahl von architektonischen Zeugnissen, historischen Schauplätzen, Ausstellungen und Veranstaltungen von der wechselvollen Geschichte des Bauhauses und der Moderne.

Ein Höhepunkt im Bauhaus-Jahr wird zweifellos die Eröffnung des bauhaus museums weimar am 6. April 2019 sein. Mit zeitgenössischer Architektur und multimedialer Ausstellungsgestaltung wird die Bauhaus-Sammlung der Klassik Stiftung Weimar, deren Grundstock Walter Gropius bereits in den 1920er Jahren legte, neu inszeniert. Es verknüpft die Geschichte des Bauhauses in Weimar mit Fragen nach der Lebensgestaltung von Heute und Morgen.

Die Ausstellung „Das Bauhaus kommt aus Weimar“ ist bundesweit die erste Ausstellung, die im Jubiläumsjahr2019 eröffnet. Mit der sogenannten „BauhausCard“, die als Eintrittskarte für das bauhaus museum weimar fungiert, haben Besucher darüber hinaus die Möglichkeit, bis zum Folgetag weitere Thüringer Sehenswürdigkeiten kostenlos zu besuchen.

„An Thüringen führt im Jahr 2019 kein Weg vorbei. Nur hier lassen sich die wilden Jahre des Bauhauses nachvollziehen und nur hier trifft man nicht nur die Avantgarde von gestern, sondern auch die Gestalter von morgen“, so Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee und Bauhaus-Botschafter für Thüringen 2019. s.a. www.thueringen-entdecken.de

Eine Fülle authentischer Bauwerke wie nirgendwo

In Sachsen-Anhalt ist Dessau ist das Herz des Bauhauses – nirgendwo sonst auf der Welt gibt es so viele authentische Bauwerke der bekannten Architektur- und Design-Künstler. In Dessau gelangte das Bauhaus zu seiner Blüte, hier errichtete Walter Gropius in den Jahren 1925/26 das zur Ikone der Moderne gewordene Bauhaus-Gebäude als „Hochschule für Gestaltung“.

Neben dem einzigartigen Bauhauserben in Dessau-Roßlau gibt es viele weitere faszinierende Zeugnisse der Moderne: Magdeburg, Halle (Saale) und zahlreiche andere Orte haben fortschrittliche Wohnsiedlungen, Wohnhäuser, Funktionsbauten, innovatives Design, technische Neuerungen und experimentelle Kunst aus den 1920er Jahren zu bieten. Kein Wunder also, dass sich das Land 2019 unter dem Motto „Hier macht das Bauhaus Schule #moderndenken“ präsentieren wird.

Wirtschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann blickt deshalb mit hohen Erwartungen auf ein spannendes Jubiläumsjahr: „Das Bauhaus ist einer der bedeutenden kulturellen Meilensteine des 20. Jahrhunderts. 2019 feiern wir in Deutschland mit Partnern in aller Welt den 100. Geburtstag der Gründung. Sachsen-Anhalt wird hierbei mit seinen originalen Bauhausstätten, dem neuen Bauhaus-Museum in Dessau sowie zahlreichen bahnbrechenden Bauwerken, Institutionen und Orten aus der Zeit der Moderne eine zentrale Rolle spielen.“

Ein Höhepunkt ist die im Herbst 2019 geplante Eröffnung des Bauhauses in Dessau. Damit wird es erstmals möglich, die national wie international einzigartige Sammlung der Stiftung Bauhaus Dessau, die etwa 40.000 Exponate umfasst, in ihrer ganzen Vielfalt zu zeigen. Unter dem Titel „Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung“ wird die Geschichte des Bauhauses in Dessau als Hochschule für Gestaltung erzählt.

Weitere kulturhistorische Glanzlichter werden auch Institutionen wie die Lyonel-Feininger-Galerie in Quedlinburg oder das Kunstmuseum Moritzburg in Halle setzen.

Kostenfreie Broschüre „Bauhaus und die Moderne in Sachsen-Anhalt“ über Info-Tel.: IMG 0391/568 99 80 oder unter www.sachsen-anhalt-tourismus.de/katalogbestellung . In der kürzlich auf dem RDA-Workshop in Friedrichshafen vorgestellten Broschüre für 2019/2020 wird auch mit Arrangements zu den Orten der Moderne in Sachsen-Anhalt neugierig gemacht auf das Bauhaus-Jubiläum, wo die 100. Gründung des Bauhauses in Weimar, Dessau und Berlin zusammen gefeiert wird.

Architekturspektrum von Gotik bis modern-minimalistisch

In Sachsen mit seiner 1000jährigen Kulturgeschichte hat wie kaum ein anderes Bundesland das gesamte Architekturspektrum zu bieten – von Gotik bis modern-minimalistisch. Neben Kunst und Musik prägt dieser architektonische Facettenreichtum Sachsen als Kulturreiseland Nummer 1 in Deutschland.

Nichts präge das Bild von Sachsen so sehr wie der Dresdner Zwinger oder die Frauenkirche, zwei Meisterwerke des Barock. Doch das Reiseziel Sachsen bietet weitaus mehr, erklärte Barbara Meyer, Abteilungsleiterin Industrie, Mittelstand und Innovation im Wirtschaftsministerium, in Vertretung wegen der Erkrankung des Ministers Martin Dulig.

Darunter auch zahlreiche Bezüge zum Bauhaus und zur Moderne. Hier wirkten bekannte Architekten des neuen Bauens. So wurde in Dresden bereits ab 1909 mit den Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst, als Mitgründer des Werkbundes, an einer Produktionsstätte neuen Typs gebaut – und gleichzeitig an der ersten Gartenstadt Deutschlands, Hellerau. Das Josef Albers‘ Glasfenster im Leipziger Grassimuseum, das Wandgemälde von Oskar Schlemmer im Zwenkauer Haus Rabe, die Versöhnungskirche in Leipzig, das Kaufhaus Schocken in Chemnitz von Erich Mendelsohn stehen dafür.

Noch gut in Erinnerung ist mir der Besuch im Haus Schminke von Hans Scharoun, erbaut in Löbau, eines der weltweit vier herausragenden Beispiele der Stilrichtungen „Neues Bauen“ und „International Style“ – übrigens nicht nur für Besichtigungen offen, auch für Übernachtungen möglich. Zusammen mit dem Nieskyer Wachsmann-Haus ist es eine wichtige Station im Verbund TOPOMOMO (Topography of the modern Movement).

So bietet das Bauhaus-Jubiläum die Chance, die überregionale Aufmerksamkeit auch auf diese Orte zu lenken. Sachsen wird mit vielen Veranstaltungen auch das das Thema Industriekultur anknüpfen. U. a. gestaltet das Grassimuseum Leipzig bis Oktober die Ausstellung „BAUHAUS SACHSEN“. Der Messeplatz Leipzig war seit 1923 für das Bauhaus enorm wichtig. Sowohl auf den Grassimessen wie auch in den Hallen der Mustermessen fanden die Bauhäusler ihr Podium für die jeweils neuen Gestaltungsideen.

Mehr unter: www.sachsentourismus.de/fileadmin/userfiles/TMGS/Startseite/Presse/Tourismusnachrichten/Ikonen_der_Moderne_Sachsen.pdf