Inhaltsspalte

150 Jahre brandenburgische Waldforschung

Mai / Juni 2021

Schaf und Wolf
Bild: Bienemann/Horn

von Ursula A. Kolbe

Der 12. April 1871 markierte in der preußischen Waldforschung einen neuen Meilenstein, als der Finanzminister Preußens das leitende Personal für die neue „Hauptstation für das forstliche Versuchswesen in Preußen“ mit Sitz in Neustadt-Eberswalde ernannte. Heute setzt das Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde im Landesbetrieb Forst Brandenburg die Tradition fort.

Mehrfach änderten sich Name und Rechtsform der Einrichtung; der Schwerpunkt lag jedoch stets auf dem Brandenburger Wald mit seiner Schutz-, Erholungs- und Nutzungsfunktion. Denn bis heute sind die Anforderungen der Gesellschaft an den Wald vielfältig, auch wenn sie sich im Laufe der Zeit verändert haben. Die ältesten, im 19. Jahrhundert angelegten, Versuchsflächen werden noch heute laufend untersucht.

Seit mehreren Jahren haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Landeskompetenzzentrums die Folgen des Klimawandels für den Wald in Brandenburg im Fokus. Dabei geht es um Empfehlungen für die forstwirtschaftliche Praxis wie beispielsweise zu Verjüngungsverfahren und alternativen Baumarten. Weiter gehören auch das Waldschutz-Monitoring und die Empfehlung entsprechender Maßnahmen, die Forschungsstelle für Wildökologie und Jagdwirtschaft sowie die Sicherung forstgenetischer Ressourcen dazu. Aktuell betreut das Landeskompetenzzentrum Forst die dritte gesamtdeutsche Waldinventur in Brandenburg.

Bundeszentrum für Weidehaltung und Wolf angesiedelt
Nur wenige Tage vor dem 150. Waldforschungsjubiläum hatte die Stadt Eberswalde den Zuschlag für eine neues „Bundeszentrum Weidetiere und Wolf“ erhalten. Von der Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner eröffnet, soll dieses Bundeszentrum Erkenntnisse im Bereich des Herdenschutzes bündeln, Lösungen entwickeln und Ansprechstelle für die Länder sein, also Möglichkeiten einer guten Koexistenz schaffen und damit Konflikte entschärfen – denn „beide haben Anspruch auf Schutz“, betonte die Ministerin.

Brandenburgs Agrar-Umweltminister Axel Vogel begrüßte die Einrichtung eines solchen Bundeszentrums und freut sich besonders über Brandenburg als Standortwahl. Er betonte weiter: „Mit dem nationalen Herdenschutzzentrum wird eine dringend notwendige länderübergreifende Einrichtung geschaffen, die den Weidehaltern Empfehlungen für einen wolfssicheren Herdenschutz gibt und diesen weiterentwickelt. So können Weidetierhalter noch besser als bisher unterstützt werden. Wir erwarten für die Zukunft, dass somit bundesweit einheitliche Kriterien für die Zucht, die Haltung und die Ausbildung von Herdenschutzhunden sowie für die Schulungen von Weidetierhaltern entwickelt werden, wie wir sie in Brandenburg bereits etabliert haben.“

In Brandenburg wird die Arbeit des Wolfsinformationszentrums und der Herdenschutzstelle im Wildpark Schorfheide in Groß Schönebeck somit um eine nationale Schnittstelle ergänzt. Eine Zusammenarbeit zwischen Landeszentrum und dem neuen Bundeszentrum hat das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz bereits angeboten.

Der Wolf ist wieder da – Erfolg und Risiko zugleich
Lange schien es, dass der Wolf in Deutschland nicht mehr existent war. Doch im Jahre 2.000 dann die Meldung, in der sächsischen Lausitz seien erstmals wieder freilebende Wolfswelpen geboren worden. 20 Jahre später lebten schon 128 Rudel, 38 Paare und neun territoriale Einzeltiere in Deutschland. Die meisten Rudel wurden in Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen registriert. – Ein Erfolg für den Artenschutz, aber auch eine Herausforderung für die Weidetierhalter, die Jagd oder auch den Tourismus.

Die meisten Wolfsrudel leben in Brandenburg. Die erste territoriale Ansiedlung eines Wolfspaares erfolgte 2007 im äußersten Südosten des Landes. 2009 wurden erstmals seit über einem Jahrhundert Wolfswelpen in Brandenburg aufgezogen. Im Wolfsjahr 2019/2020 gab es 57 bestätigte Territorien. Der Schwerpunkt liegt vor allem im südlichen Brandenburg, aber auch die Lücken im Norden werden nach und nach geschlossen.

Deshalb hat Brandenburg in den vergangenen Jahren die Förderung von Maßnahmen zum Herdenschutz kontinuierlich verbessert. Neben der Anschaffung, dem Aufbau und dem Unterhalt von wolfssicheren Zäunen hat Brandenburg eine Förderrichtlinie aufgelegt, mit der nicht nur die Anschaffung und Ausbildung von Herdenschutzhunden, sondern auch deren Futterkosten finanziert werden können.