Mehr Corona-Fälle: Ministerin fordert Reaktion vom Bund

Mehr Corona-Fälle: Ministerin fordert Reaktion vom Bund

Immer mehr Menschen stecken sich in Brandenburg mit dem Coronavirus an. Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 674,7 hat das Land nach Angaben des Robert Koch-Instituts vom Samstag weiter den vierthöchsten Wert bundesweit - nach Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Am Vortag lag der Wert bei 663,6. Am Samstag vergangener Woche wurden 552,4 Fälle pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tage registriert. Die Corona-Zahlen in Brandenburg liegen damit weiter deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt. Im Land werden Impfzentren in größeren Städten reaktiviert und weitere Stellen für Corona-Schutzimpfungen in den Kommunen eingerichtet. Doch mit der Drosselung des Biontech/Pfizer-Impfstoffes durch den Bund sieht sich das Land bei der Impfkampagne ausgebremst. Auch beim Infektionsschutzgesetz sieht das Gesundheitsministerium Handlungsbedarf.

Ursula Nonnemacher

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Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerin für Gesundheit.

Innerhalb eines Tages kamen nach Angaben des Gesundheitsministeriums 2997 neue Fälle hinzu, 11 Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung wurden gemeldet. Der Süden des Landes bleibt Schwerpunkt beim Infektionsgeschehen: Im Landkreis Elbe-Elster lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 1592,7 - der vierthöchste Wert in einem Landkreis im Bundesvergleich. Es folgten der Kreis Spree-Neiße (1212,3) und der Kreis Dahme-Spreewald (1042). Fünf Landkreise und zwei kreisfreie Städte lagen am Samstag über einer Inzidenz von 750. Nach fünf Tagen über dieser Marke gibt die jeweilige Kommune Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr bekannt - das ist bereits in vier Kreisen der Fall.
Die Zahl der Infizierten und Erkrankten liegt den Ministeriumsangaben zufolge derzeit bei geschätzt rund 38.200, in der Vorwoche waren es etwa 25.600. Aktuell würden 578 Personen mit einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelt, davon befänden sich 135 auf Intensivstationen - hiervon mussten Stand Freitag 118 beatmet werden. Die landesweite Sieben-Tage-Hospitalisierungsinzidenz beträgt 4,82. Das bedeutet: Die Warnampel steht in diesem Bereich auf gelb.
Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) sagte am Samstag, sie sehe die Krankenhäuser in zwei Wochen am Ende ihrer Kapazitäten. Den Bund forderte sie deshalb dazu auf, das Infektionsschutzgesetz nachzuschärfen. Die Landesregierung habe mit ihrer jüngsten Verordnung die Elemente des alten Infektionsschutzgesetzes ausgeschöpft, etwa mit verschärften Regeln für Hot-Spots, Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren für Ungeimpfte. Das sei aber nur noch bis zum 15. Dezember möglich, das neue Infektionsschutzgesetz biete diese Maßnahmen dann nicht mehr. Jetzt sei aber eine massive Einschränkung von Kontakten nötig.
Über die neue Omikron-Variante des Coronavirus zeigte sich Nonnemacher besorgt. Es gebe aber noch keine wissenschaftlichen Daten bezügliche der Impfstoffe. Es sei auch noch unklar, ob die Variante tatsächlich infektiöser sei oder schwerere Krankheitsverläufe zur Folge habe. Daran werde zurzeit intensiv geforscht.
Das in Brandenburg derzeit knappe Kontingent an Impfstoff von Biontech/Pfizer soll nach den Worten der Ministerin nun vorrangig für den Schutz von Menschen unter 30 Jahren sowie für Schwangere eingesetzt werden. Das Bundesgesundheitsministerium hatte den Bundesländern mitgeteilt, dass von den insgesamt sieben Millionen bestellten Impfdosen von Biontech/Pfizer in der laufenden Woche nur drei Millionen ausgeliefert werden könnten. «Diese Situation ist misslich, trotzdem dürfen wir nicht nachlassen bei den Impfungen», appellierte Nonnemacher.
Für kommenden Dienstag habe das Ministerium eine Lieferung von 10.500 Moderna-Impfstoff-Dosen beim Bund bestellt. Die Bestellung werde dort derzeit geprüft. Der Impfstoff reiche für 112.000 Booster-Impfungen und 48.000 Erst- und Zweitimpfungen. «Der Impfstoff von Moderna bietet ebenso wie Biontech einen sehr guten Schutz vor schweren Krankheitsverläufen nach einer Infektion mit dem Coronavirus», betonte die Gesundheitsministerin.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Samstag, 27. November 2021 18:31 Uhr

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