Steinmeier dankt Pflegern für ihre Arbeit in der Pandemie

Steinmeier dankt Pflegern für ihre Arbeit in der Pandemie

«Unsere Station wurde als Covid-Station ausgewählt, dann kamen auch schon die Patienten - und wir alle haben mit voller Kraft mitgezogen». So schilderte die stellvertretende Leiterin der Covid-Station im Johanniter-Krankenhaus Treuenbrietzen (Potsdam Mittelmark), Maria Richter, Bundespräsident Frank Walter Steinmeier die Situation zu Beginn der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr. Seitdem seien in dem Krankenhaus 159 Covid-Patienten behandelt worden, berichtete der Ärztliche Direktor Martin Spielhagen dem Staatsoberhaupt: «59 Patienten mussten intensivmedizinisch beatmet werden, davon sind 29 Menschen leider verstorben.» Die Fachklinik bietet insgesamt 154 Betten und fünf tagesklinische Behandlungsplätze.

Bundespräsident besucht Johanniter-Krankenhaus

© dpa

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterhält sich mit dem Pflege-Azubi Ole Morelli.

Das Staatsoberhaupt traf am Freitag in dem Krankenhaus Vertreter aller Disziplinen, die bei der Hilfsorganisation im Zuge der Corona-Pandemie im Einsatz sind: Darunter den Pflegefachkraft-Azubi Ole Morelly, die Pflegeschulleiterin Gabriele Unger und den Ärztlichen Leiter der Johanniter-Luftrettung Mohammed El-Sayed Abou-Taleb.
Rund 300 Einsätze sei sein Team geflogen, um Patienten mitsamt der Herz-Lungen-Maschine in ein anderes Krankenhaus zu verlegen oder Patienten aus dem Ausland zur Behandlung nach Deutschland zu holen, berichtete Abou-Taleb. «In Italien habe ich erlebt, dass eine Frau auf Aufforderung der Ärzte entscheiden sollte, ob nun ihr Bruder oder ihr Mann ausgeflogen werden soll», berichtete der Luftretter dem Staatsoberhaupt. «Zum Glück sind wir in Deutschland nicht in solche Situationen gekommen.»
Steinmeier dankte anschließend allen Beschäftigten des Krankenhauses für die Behandlung und Versorgung der Patienten in der Corona-Pandemie. «Ich möchte stellvertretend Danke sagen all denen, die insbesondere in den Monaten der Pandemie täglich unglaublich viel geleistet haben», sagte Steinmeier.
Trotz aktuell sinkender Infektionszahlen sei die Pandemie noch nicht vorbei, mahnte der Bundespräsident. Er verwies auch darauf, dass inzwischen den als «Long Covid» bekannt gewordenen Langzeitfolgen viel Aufmerksamkeit gewidmet werden müsse. «Ärzte schätzen, dass etwa zehn Prozent der an Covid-19 Erkrankten an solchen Langzeitfolgen leiden», sagte Steinmeier. «Das müssen wir ernst nehmen.»
Bei den Gesprächen mit dem Pflegepersonal hatte Steinmeier erfahren, dass die Aufmerksamkeit und Wertschätzung für diesen Beruf durch die Pandemie gewachsen sei. «Die Zahl der Bewerbungen hat eher zu- als abgenommen», berichtete Pflegeschulleiterin Unger. «Ich weiß nicht ob trotz oder wegen Corona.» Dies mache Mut, da in den kommenden Jahrzehnten der Bedarf an Pflegekräften noch deutlich wachsen werde, sagte Steinmeier. Es sei zu erwarten, dass von heute aus gesehen bis zur Mitte des Jahrhunderts in Deutschland etwa 500 000 Pflegekräfte fehlen werden.
Morelly ist im ersten Lehrjahr und somit mitten in der Corona-Pandemie in diese Pflegeausbildung eingestiegen. Daneben macht er als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr noch eine Ausbildung zum Rettungssanitäter. «Mich hat die Corona-Pandemie nicht abgeschreckt, sondern eher in meinem Berufswunsch bestärkt», sagte der 19-Jährige. «Weil man gesehen hat, wie wichtig diese Aufgabe ist.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 25. Juni 2021 17:45 Uhr

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