Boot statt Bollerwagen: Am Feiertag bleibt es ruhig

Boot statt Bollerwagen: Am Feiertag bleibt es ruhig

An Christi Himmelfahrt sind bei blauem Himmel zahlreiche Berliner in den Parks und in der Stadt unterwegs gewesen. Für die meisten hieß es dabei aber diesmal Fahrrad und Familie statt Bollerwagen und Bierkasten. Zumindest im Treptower Park und im Monbijoupark sahen dpa-Fotografen kaum die sonst typischen Vatertagsgruppen, dafür aber zahlreiche Familien und sonstige Feiertagsausflügler.

Berlin am Morgen

© dpa

Menschen laufen in den frühen Morgenstunden an Christi Himmelfahrt am Teltow-Kanal entlang.

Auch im Volkspark Wilmersdorf waren die Wiesen voll mit Gruppen, die nur bedingt auf Abstand achteten. Bei Temperaturen bis 21 Grad trugen dort die meisten keinen Mund- und Nasenschutz, wie eine dpa-Reporterin berichtete.
Die Polizei war stadtweit mit 350 Beamten im Einsatz, um die Einhaltung der Corona-Beschränkungen zu kontrollieren. Ein Sprecher teilte am Nachmittag mit, die Parks seien voll, es sei aber «alles im Rahmen». An der S-Bahnstation Treptower Park und am «Rübezahl» am Müggelsee wiesen die Beamten Feiertagsausflügler per Lautsprecherdurchsage und auf Twitter darauf hin, Abstand zu halten. Hier sei es etwa am Eingang zum Park mitunter zu Ansammlungen gekommen, die sich im Park aber schnell wieder verstreut hätten.
Auf der Spree hatten einige Berliner eine Alternative zum Bollerwagen entdeckt und den Feiertagsausflug im Boot angetreten. Auf dem Wasser tummelte sich ein bunte Mischung aus Kanus, Tret-, Falt- und Ruderbooten. Am Abend teilte die Polizei per Twitter mit: «Auf dem Landwehrkanal beziehungsweise Neuköllner Schifffahrtskanal schwammen eben ca. 100 bis 150 Schlauchboote, teils auch mit mehreren Personen besetzt. Unsere Wasserschutzpolizei hat am Vatertag ganz väterlich zur Vorsicht und zum Abstand ermahnt.
Mehrere kleinere Versammlungen verliefen der Polizei zufolge bis Donnerstagnachmittag ohne Zwischenfälle, etwa eine Demo von Mietern gegen Verdrängung sowie ein weitläufiger Fahrradkorso gegen Corona-Beschränkungen in Tegel. «Liebe Herren, bitte seien Sie bei Ihren Ausflügen wie das Einhorn - freundlich und flauschig», twitterten die Berliner Einsatzkräfte am Vormittag zum Bild einer offenbar zum Vatertag verschenkten Kinderzeichnung des Fabelwesens - und lieferten die Erläuterung gleich hinterher: «Man sieht Einhörner selten. Sie treten wohl nicht in großen Gruppen auf.»
Eine Beamtin im Volkspark Wilmersdorf schätzte die Lage als entspannt ein. «Wenn wir Leute ansprechen, wissen die Menschen sofort, dass sie was nicht ganz richtig gemacht haben. Viele blicken aber auch nicht mehr ganz durch, was sie nun ab wann tun dürfen.»
Ein Ausflug mit vielen Freunden aus unterschiedlichen Haushalten ist wegen der Corona-Krise tabu. Polizeistreifen überprüfen Ausflugsrestaurants, Parks und Badeseen. Am Vatertag haben Wandertouren von Männergruppen mit Bier und Bollerwagen Tradition.
In Berlin müssen Menschen grundsätzlich einen Mindestabstand von 1,5 Metern zueinander einhalten, es sei denn, sie leben zusammen. Seit knapp zwei Wochen dürfen sich auch wieder Angehörige von zwei Haushalten treffen, die aber den Mindestabstand einhalten müssen.
Seit vergangener Woche dürfen auch Restaurants und Cafés wieder öffnen, solange sie selbst zubereitetes Essen anbieten und 1,5 Meter Abstand zwischen den Sitzplätzen gewahrt bleiben.
Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) bat die Gastwirte am Donnerstag in einem Brief um die verantwortungsvolle Einhaltung der Regeln. Bilder und Berichte von Polizeieinsätzen schadeten der gesamten Branche, schrieb sie mit dem Präsidenten des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Berlin. «Einen erneuten Anstieg der Infektionszahlen und einen möglichen erneuten Shutdown können und wollen wir uns nicht leisten.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 21. Mai 2020 20:21 Uhr

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