Veranstaltung 20 Jahre Elternkurse an Berliner Volkshochschulen

Blick in das Publikum der Jubiläumsveranstaltung
Bild: Thabo Thindi

Im Dezember 2018 fand die Jubiläumsveranstaltung „20 Jahre Elternkurse – mehr als Deutsch lernen“ im Haus Zwingli in Berlin Friedrichshain-Kreuzberg statt, die von den Berliner Volkshochschulen und der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie veranstaltet wurde. Das Publikum setzte sich aus Lehrkräften und Fachleuten der Volkshochschulen, Verwaltung und Politik zusammen, aber auch einige Teilnehmer*innen aus den Elternkursen waren gekommen. Das Programm bot Vorträge, Präsentationen, Diskussionsrunden auf dem Podium sowie eine offene Diskussion mit dem Publikum. Anlass der Veranstaltung war das zwanzigjährige Jubiläum der Elternkurse und die Vorstellung des überarbeiteten Elternkurscurriculums.
Seit 1999 bieten die Berliner Volkshochschulen Deutschkurse für Eltern mit Kindern im Kita- bzw. schulpflichtigen Alter, die sowohl ihre Deutschkenntnisse als auch ihr schul- und bildungsbezogenes Wissen erweitern möchten. „Mehr als Deutsch lernen“ heißt hier: Eltern und Kindern Wege zu mehr Bildungsteilhabe aufzuzeigen und die gleichberechtigte Bildungs- und Erziehungspartnerschaft von Schule und Eltern zu stärken. Seit den Anfängen vor fast 20 Jahren wurde das Programm aufgrund der hohen Nachfrage immer weiter ausgebaut und erreicht heute jährlich in rund 700 Kursen fast 9.000 Teilnehmer*innen.

Besucherinnen der Veranstaltung
Bild: Thabo Thindi

Um die Qualität und das besondere Profil der Elternkurse zu sichern, wurde vor zehn Jahren das Elternkurs-Curriculum (ECC) eingeführt und im Jahr 2015 an das neue Schulgesetz angepasst. Angesichts der neuen Rahmenlehrpläne ab dem Schuljahr 2017/18 haben nun die Berliner Volkshochschulen das ECC auf Basis einer partizipativen Bedarfserhebung in einfacher Sprache von mehr als 500 Teilnehmer*innen aktualisiert.

Teilnehmerinnen-Gruppe auf dem Podium
Bild: Elternakademie

Auf dem Foto sind von links nach rechts zu sehen: Roua Mofta aus Syrien, Kursleiterin Christiane Hoff, Iman Waked aus Syrien und Özgül Ulugercek aus der Türkei.

Im Programm der Veranstaltung gab es ein Interview, das Kursleiterin Christiane Hoff auf dem Podium mit drei Teilnehmerinnen aus ihrem Elternkurs an der Volkshochschule Berlin-Mitte führte.

Auf die Interviewfrage von Christiane Hoff, warum die Frauen Deutsch lernen, gab es eine klare Antwort: “Ich lerne Deutsch, weil ich in Deutschland lebe, und ich brauche die Sprache, um einen Job zu bekommen.” Andere Interviewpartnerinnen begründeten ihre Anstrengungen beim Deutschlernen damit, dass in vielen alltäglichen Lebenssituationen, wie beim Arztbesuch, in der Schule der Kinder oder einfach auf der Straße Deutsch gesprochen wird und es für sie wichtig ist, sich in die Gesellschaft zu integrieren.

Nach ihren nächsten Plänen befragt, wurde vor allem die anstehende Deutschprüfung für das Sprachniveau B1 genannt. Die verschiedenen Sprachabschlüsse, die mit Zertifikaten bestätigt werden, sind nicht nur wichtig für die Aufnahme einer Berufsausbildung oder für Bewerbungen auf dem Arbeitsmarkt bzw. für ein Studium, sondern haben auch Einfluss auf den Erhalt oder die Verlängerung eines bestimmten Aufenthaltstitels. Eine Teilnehmerin hat z.B. vor, später eine Ausbildung zur Erzieherin zu absolvieren und in diesem Beruf einen Arbeitsplatz zu finden. Alle drei Frauen sagten, dass sie ihr Deutsch immer weiter verbessern wollen, um sich sowohl im Alltag gut verständlich machen zu können als auch ihre Berufschancen zu verbessern, und sie wollen ein Vorbild für ihre Kinder sein.

Fühlen sich die Teilnehmerinnen von Deutschkursen sicherer, wenn sie gute Sprachkenntnisse haben, und sprechen sie gerne Deutsch? Die Antworten zeigten, dass sie sich überall, ob auf der Straße, beim Arzt, auf dem Amt, in der Schule oder Kita oder im Gespräch mit ihren deutschen Nachbarn mit guten Deutschkenntnissen selbstbewusst und stark fühlen. So ist eine Teilnehmerin Elternsprecherin in der Klasse ihres Sohnes geworden und fühlt sich im Gespräch mit der Lehrerin ihres Kindes sehr sicher.

Wie wichtig finden die Frauen die Elternkurse für ihre persönliche Entwicklung? Was ist an diesen Kurse gut und was könnte noch besser werden? Durchweg beurteilten die drei Interviewpartnerinnen die Kurse als wichtig, nützlich und hilfreich. In den Kursen herrsche eine angenehme Lernatmosphäre. Ihre Lehrerinnen seien stets nett, freundlich und agierten professionell. Manchmal gingen sie auch nach dem Unterricht gemeinsam mit ihrer Kursleiterin einen Kaffee trinken. Gut wären auch die Unterrichtszeiten am Vormittag, weil dann am Nachmittag und Abend genug Zeit für die Familie bliebe.

Zum Schluss des Interviews gaben alle drei Frauen noch ein kurzes Abschlussstatement: “Vielen Dank an unsere Lehrerin, dass sie mit uns Geduld hat und immer gut gelaunt ist.” – “Durch die Teilnahme an Elternkursen werden wir als Familie selbständiger und als Eltern gute Vorbilder für unsere Kinder.” – “Der Elternkurs öffnet uns allen viele Türen in der Gesellschaft.”

Abschließend äußerte sich Christiane Hoff aus Sicht der Kursleiterin zu den Elternkursen: “Ich stehe zwar im Unterricht als Lehrerin vorn vor den Kursteilnehmer*innen. Aber ich bin dabei auch immer selbst Lernende. Vor allem habe ich in der Zeit des Unterrichtens gelernt, einen Perspektivwechsel zu vollziehen. Und das ist etwas, was ich für mein Leben überhaupt nicht mehr missen möchte. Das, finde ich, ist für uns alle als Kursleitende eine der wichtigsten und größten Schätze, die wir selbst dabei gewinnen können. Umso mehr freut es mich, dass das überarbeitete Elternkurscurriculum vom Ansatz her genau diesen Perspektivwechsel als Ausgangsbasis eingenommen hat. Es geht eben nicht mehr darum, Defizite auszugleichen, die an Personen festgemacht werden. Dieser Ansatz sollte auch grundsätzlich von der Politik beachtet werden, wenn es um das Thema Integration geht.”

Moderatorin und Moderator der Veranstaltung 20 Jahre Elternkurse
Bild: Elternakademie

Im Bild Susanne Roggenhofer, Leiterin der Volkshochschule Reinickendorf, und Mark Rackles, Staatssekretär für Bildung.

Die Besucher*innen wurden von Susanne Roggenhofer, Leiterin der Volkshochschule Reinickendorf, mit einleitenden Bemerkungen begrüßt und zum Abschluss mit einem Resümee über die Veranstaltung und Ausblick auf die Zukunft der Elternkurse verabschiedet. Aus Sicht der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie gab Staatssekretär Mark Rackles ein Grußwort mit einem Rückblick auf die Entwicklung der Elternkurse seit ihrem Beginn und einen Ausblick auf ihre weitere Entwicklung.

Diskussionsleiterin
Bild: Thabo Thindi

Die einzelnen Teile des Veranstaltungsprogramms moderierte die Journalistin Elisabetta Gaddoni.

Bildungspolitikerinnen auf dem Podium
Bild: Elternakademie

Bei einer größeren Diskussionsrunde auf dem Podium kamen Bildungspolitikerinnen fast aller im Abgeordnetenhaus von Berlin vertretenen Parteien zu Wort. In ihren Statements waren sich alle Rednerinnen darin einig, dass die Elternkurse in den 20 Jahren ihres Bestehens zu einer Erfolgsgeschichte geworden sind und weiterhin gefördert und ausgebaut werden sollten.

Welche Aspekte wurden in den Diskussionen hervorgehoben? Übereinstimmend wurde gesagt, dass Eltern für den Lernerfolg ihrer Kinder eine ganz wesentliche Rolle spielen. Dazu müssen die Eltern vor allem die deutsche Sprache erlernen. Die Elternkurse helfen den Müttern und Vätern zusätzlich, sich im deutschen Bildungssystem besser zu orientieren und daran teilzuhaben.

Die Stärke dieser besonderen Förderung in der Bildung der Eltern liegt in den folgenden Punkten: Die Kurse sind offen für alle Interessierte. Das Lerntempo kann individuell bestimmt werden, es gibt also keinen Druck und jeder kann mithalten, ohne sich abgehängt zu fühlen. Und die Kurse sind anschlussfähig, d.h. auf dem erworbenen Wissen lassen sich andere, weiterführende Kurse aufbauen.

Zur Entwicklung der Elternkurse wurde gesagt, dass anfangs die Kurse noch Mütterkurse, später dann Elternkurse hießen. Zunächst mussten jedes Jahr die Fördergelder neu genehmigt werden. Schließlich wurden die Kurse als langfristige Einrichtung durch das Berliner Abgeordnetenhaus mit insgesamt 2,4 Millionen Euro gesichert und damit die Elternkurse als ständiges Angebot der Volkshochschulen verstetigt. In Zukunft sollen die Mittel zur Finanzierung erhöht werden. Dies ist nötig, um höhere Honorare an die Kursleiter*innen zahlen zu können und eine Ausweitung der Kurse zu ermöglichen.

Abbildung neues Elternkurscurriculum
Bild: Elternakademie

Das Elternkurs-Curriculum (ECC) wurde 2009 eingeführt und 2015 dem neuen Schulgesetz angepasst. Nun wurde es gründlich überarbeitet und den neuen Rahmenlehrplänen, die ab dem Schuljahr 2017/18 gültig sind, angepasst. Dabei gab es eine breite Beteiligung aus den Kursen durch eine Befragung von mehr als 500 Teilnehmer*innen. Auf der Veranstaltung erläuterten Almut Büchsel und Manjiri Palicha von der Geschäftsstelle Integration, Inklusion und Diversity der Berliner Volkshochschulen die Neufassung des Curriculums.

Expertinnen Elternkurscurriculum
Bild: Elternakademie

Auf der Veranstaltung erläuterten Almut Büchsel und Manjiri Palicha von der Geschäftsstelle Integration, Inklusion und Diversity der Berliner Volkshochschulen die Neufassung des Curriculums.

Im Mittelpunkt des neuen Elternkurscurriculums steht der Grundgedanke, dass es in den Elternkursen darum geht, die deutsche Sprache im Kontext von Bildung, Schule und Erziehung zu erlernen. Das Ziel ist dabei, die Gleichberechtigung in einer Erziehungspartnerschaft für die beteiligten Eltern und Kinder, von Kita und Schule zu erreichen.

Deshalb wurden für das neue Curriculum die Bedarfe analysiert und die Erfahrungen von Experten eingeholt. Es wurden in allen Elternkursen Feedbackbogen verteilt, um die Teilnehmer*innen nach ihren Erfahrungen, Meinungen und Bedürfnissen zu befragen. Diese 500 Fragebögen wurden ausgewertet und in das Curriculum eingearbeitet. In speziellen Gesprächsrunden wurde dann nochmals intensiv das Gespräch mit allen Beteiligten gesucht, um noch genauer das Curriculum an die Bedürfnisse anzupassen.

Das neue Curriculums besteht in seiner Grundstruktur aus 6 Bausteinen, die sich immer eng auf den Alltag von Erziehung, Schule, Freizeit, Medien, Berufsorientierung und weitere Themen wie Gesundheit, Ernährung, Konsum, Umwelt, Konflikte u.a. beziehen.

Das 42 Seiten starke Heft des Elternkurs-Curriculums kann über jede bezirkliche Volkshochschule kostenlos bezogen werden.

Neue Plakate Elternkurse 2018
Bild: Grafik: Anna Bakalovic

Neue Plakate mit Zitaten von Kursteilnehmer*innen werben für die Elternkurse der Volkshochschulen.