Aktuelles - Blog aus den Elternkursen und der Elternakademie an der Volkshochschule Berlin Mitte

Elternkurs im Stadtschloss Moabit

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Bild: E. Schürmann

Der Elternkurs im Stadtschloss Moabit lockert den Unterricht mit Theaterszenen der Teilnehmer*innen auf. Weitere Informationen

20 Jahre Elternkurse in Berlin

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Bild: Thabo Thindi

Auf einer Fachveranstaltung am 4. Dezember 2018 wurde das neue Elternkurs-Curriculum vorgestellt. Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses, der Senatsverwaltung und der Bezirksämter diskutierten mit Kursleitenden und Teilnehmenden der Berliner Volkshochschulen Weitere Informationen

Zeitungsbericht über Homepage der Elternkurse

Gesamtgrafik Blogartikel Elternkurse auf letzter Seite Kiezzeitung Panker65
Bild: Redaktion Panker65

In der Bürgerzeitung Panker65 ist in der Ausgabe 3-2018 ein Bericht über die Homepage der Elternkurse erschienen. Auf einer ganzen Seite werden einige Beispiele aus dem Blog der Elternakademie gezeigt: Reportagen von Exkursionen zu einem beruflichen Ausbildungszentrume, der Spaziergang über den Berliner Boulevard Unter den Linden, ein Besuch im Pergamonmuseum. Daneben Einzelporträts von Teilnehmerinnen aus Deutschkursen. Die Frauen erzählen über ihr Leben und wie sie die deutsche Sprache in den Kursen lernen und im Alltag anwenden. (Leider sind in der Abbildung oben die Texte unter den Bildern kaum lesbar. Doch alle Bilder und Texte sind in diesem Blog zu finden. Dazu bitte herunterscrollen bis zu den Blogartikeln).

Titelseite Kiezzeitung Panker65 Ausgabe 3 2018
Bild: Redaktion Panker65

Die Zeitung Panker65 erscheint seit 2014 mit vier Ausgaben pro Jahr. Die Publikation wird vom Quartiersmanagement Pankstraße gefördert. Das Quartiersmanagement unterstützt Projekte von Nachbarn im Wedding im Gebiet um die Pankstraße. Panker65 berichtet über alle möglichen Themen aus der Nachbarschaft. An den öffentlichen Redaktionssitzungen können interessierte Bürger teilnehmen und Ideen für Zeitungsberichte vorschlagen und auch selber Artikel schreiben. Die Zeitung wird kostenlos verteilt und liegt an vielen öffentlichen Stellen im Bezirk aus.

Führung durch das Naturkundemuseum

Deutschlerngruppe Lichthof Naturkundemuseum Berlin
Bild: Elternakademie

Tasneem, Lina, Fatme, Hayat, Leticia, Kursleiterin Susanne El-Gindi, Mukaddes, Maiada, Hediye und Inaam (von links nach rechts) stehen im zentralen Lichthof des Naturkundemuseums von 1889. Dieser große Raum wird “Saurierwelt” genannt. Dort sind riesige Skelette von Dinosauriern ausgestellt, die bis unter das Dach reichen und die vor 150 Millionen Jahren gelebt haben.

Im Museum für Naturkunde in der Invalidenstraße 43 in Berlin-Mitte traf sich am 15. November 2018 der Elternkurs der Stufe B1.2 von Kursleiterin Susanne El-Gindi, um an einer Führung teilzunehmen. Im Rahmen eines Kooperationsprojekts des Naturkundemuseums und der Volkshochschule Mitte wurden insgesamt 21 Frauen aus zwei Deutschkursen von der Biologin Jessica Baltuttis durch das Museum geführt. Die Teilnehmerinnen hatten sich vorher im Deutschkurs auf diese Exkursion vorbereitet. Dazu wurde von Sabine Wedegärtner, der pädagogischen Leiterin der Elternakademie, Unterrichtsmaterial mit dem Wortschatz des Naturkundemuseums entwickelt.

Kopf Dinosaurier wird von Gruppe betrachtet
Bild: Elternakademie

Der Kopf eines Dinosauriers ist für die Wissenschaftler (Paläontologen) ein wichtiges Dokument, um mehr über die geologische Vergangenheit und ihre Lebewesen zu erfahren. Zum Beispiel kann man an den Zähnen dieses Dinosauriers erkennen, dass sie sich von Blättern und Zweigen von Bäumen ernährt haben. Somit zeigen die Zähne, dass es sich um Pflanzenfresser und nicht um Raubtiere und Fleischfresser handelte.

Gruppe im Lichthof
Bild: Elternakademie

Wer den ersten Raum des Naturkundemuseums betritt, ist sofort beeindruckt von dem Brachiosaurus, dessen Körpermaße von etwa 23 Metern Länge und 13 Metern Höhe fast den ganzen Saal ausfüllt. Das Skelett wurde vor 120 Jahren bei einer Expedition gefunden und ausgegraben. Dieser Dinosaurier war noch ein Jungtier, etwa 20 Jahre alt, während diese Tiere bis zu 70 Jahre alt werden konnten. Dinosaurier wuchsen immer weiter und konnten 30 bis 40 Tonnen schwer werden. Bei dem ausgestellten Skelett gibt es echte und nachgebildete Knochen. Die Museumsführerin gab den Teilnehmerinnen einige Aufgaben: Sie sollten herausfinden, welche Knochen die echten sind, und sie sollten die Größe dieses größten Tiers aus der späten Jurazeit schätzen.

Tristan Otto Dinosaurier im Naturkundemuseum, grell beleuchtet
Bild: Elternakademie

In einem anderen Raum ist in grellem Licht spektakulär beleuchtet der 66 Millionen Jahre alte Superdino Tristan Otto zu sehen. Der Tyrannosaurus rex ist in Berlin als Leihgabe aus dänischem Privatbesitz seit 2015 ausgestellt. Museumsguide Jessica Baltuttis erklärte, dass in Millionen Jahren die Knochen versteinert sind, deshalb war das Skelett auch größtenteils erhalten, als man es im US-Bundesstaat Montana gefunden hatte. Der riesige Kopf mit den starken Zähnen und seine Krallen an den kurzen Armen zeigen, dass dieser Dinosaurier ein Fleisch fressendes Raubtier war.

Präparate Gorilla und Eisbär im Naturkundemuseum Berlin
Bild: Elternakademie

Der Rundgang durch das Naturkundemuseum ging weiter in einen Raum mit Tierpräparaten aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Gezeigt werden Tiere, die zu ihren Lebzeiten berühmte Publikumslieblinge im Berliner Zoologischen Garten waren. In Glasvitrinen sind Eisbär Knut (2006 – 2011) und Gorilla Bobby (1928 – 1935) zu sehen.
Ein wichtiges Thema in der Führung durch das Museum war nun das Konservieren von toten Tieren, das “Präparation” genannt wird. Einige Teilnehmerinnen kannten den Begriff des “ausgestopften” Tieres, wie es von Spielzeugtieren (Plüschtiere) bekannt ist. Dass die Tierpräparation eine hohe Kunst ist, erläuterte die Museumsführerin am Beispiel des Gorillas Bobby, dessen “Dermoplastik” noch nach 80 Jahren sehr gut erhalten ist. Während früher noch Stroh als Füllung in die Hülle des toten Tieres gestopft wurde, wird heute ein Plastikkörper (Dermoplastik) geformt und darauf die Haut oder das Fell des Tieres gezogen.

Tierpräparat von Flusspferd Knautschke aus dem Berliner Zoo
Bild: Elternakademie

Auch das legendäre Flusspferd Knautschke (1943 – 1988), das über Jahrzehnte von tausenden Berlinern geliebt wurde, ist als Tierpräparat im Naturkundemuseum ausgestellt.

Frauen aus Deutschlerngruppe VHS Berlin Mitte berühren einen Dinoknochen im Naturkundemuseum
Bild: Elternakademie

Der Knochen eines Dinosauriers zum Anfassen. Susanne, Mukaddes, Tasneem, Maiada, Hediye, Lina, Hayat, Fatme (von links nach rechts) probieren aus, wie sich der Knochen des Dinosauriers Brachiosaurus brancai anfühlt, der 2,10 Meter hoch ist und in Ostafrika gefunden wurde.

Tierpräparat Löwenkopf wird von Besucherin des Naturkundemuseums berührt
Bild: Elternakademie

Am Ende der Museumsführung gab es noch bei Kaffee und Kuchen die Möglichkeit zum gemeinsamen Gespräch. Nach den vielen Sauriern wollten die Frauen noch einmal genauer wissen, wann und weshalb die Saurier ausgestorben sind. Die Museumsführerin gab als Grund eine Naturkatastrophe an: Vor 65 Millionen Jahren schlug ein riesiger Meteorit auf der Erde ein und wirbelte für längere Zeit so viel Staub auf, so dass keine Pflanzen mehr wachsen konnten, von denen sich die Tiere ernährt hatten. Deshalb starben sie aus.

Zum Schluss gab es dann noch etwas zum Anfassen. Unter den Besuchern waren zwei Kinder. Sie durften unter das Fell eines Löwen kriechen und damit eine Runde drehen, so dass alle Anwesenden einmal den Kopf und Körper dieses großen Raubtieres streicheln durften. Dabei wurde viel gelacht und eine Teilnehmerin sagte: “Das fühlt sich ja echt an, aber Gott sei Dank lebt das Tier nicht!”

Aufgestellte Deutschlerngruppe El Gindhi in Weddinger Lernstätte November 2018
Bild: E. Schürmann

An einem anderen Tag wurde im Deutschkurs von Susanne El-Gindi über den Besuch des Naturkundemuseums unter den Teilnehmerinnen diskutiert. Auf dem Bild sind zu sehen: Ayda, Hediye, Lina, Tasneem, Afrin, Susanne, Hanaa, Hayat und Fatme (von links nach rechts).

Beeindruckt waren die Frauen von den riesigen Dinosauriern, ihren langen Knochen und dass sie vor Millionen Jahren gelebt haben. Als Mütter haben sie oft von ihren Kindern von Museen gehört, die sie mit ihren Schulklassen besucht haben. Eine Frau kannte Museen aus ihrer Heimat Ägypten. Als interessantes Wort aus der Museumsführung wurde “präpariert” genannt, womit das Verfahren bezeichnet wird, die ausgestellten Tiere “wie echt” aussehen zu lassen.

Über die Spieltiere der Kinder wurde berichtet, dass sie mit Wolle ausgestopft sind. Einige Mütter berichteten, dass ihre Kinder sich Animationsfilme mit Dinosauriern auf Youtube ansehen. Viele sammeln auch begeistert kleine Plastikfiguren dieser alten Tiere. Sie sind dadurch Experten für Dinos und kennen alle Namen.

Schön fanden die Teilnehmerinnen, dass sie mit ihren Kindern über ihren Museumsbesuch sprechen konnten. Einige haben sich vorgenommen, jetzt auch mit der Familie ein Museum zu besuchen.

Eltern und Kinder lernen in einer Schule

DeutschgruppeElternkurs-GutsMuthsSchule
Bild: Ewald Schürmann

Die GutsMuths-Grundschule in Berlin-Mitte hat 362 Schüler, deren Eltern aus über 30 Nationen kommen. Die Schule hat es ermöglicht, dass in ihrem Gebäude Eltern vormittags Deutsch lernen können, während ihre Kinder zur gleichen Zeit den Schulunterricht besuchen.

Schulleiterin Herfet
Bild: E. Herfet

Wir haben Schulleiterin Catrin Herfet gefragt, wie es dazu kam, dass an der GutsMuths-Grundschule Kinder und ihre Eltern gleichzeitig lernen?
C. Herfet: Die Idee ging von den Eltern aus. Die Gesamtelternvertretung hatte uns als Schulleitung gefragt, ob nicht von der Volkshochschule in den Räumen unserer Schule ein Deutschkurs durchgeführt werden könnte. Dieser Vorschlag wurde positiv aufgegriffen und die Elternakademie der Volkshochschule hat dann einen Vormittagskurs während der normalen Schulzeit eingerichtet. Diese Deutschkurse finden nun (September 2018) schon im dritten Jahr statt.

Welche Erfahrungen gibt es mit diesen Deutschkursen?
C. Herfet: Die Kurse wurden grundsätzlich angenommen, wenn auch am Anfang erst dosiert. Schließlich mussten die Eltern zunächst einmal die Organisation ihres Alltags am Vormittag so einrichten, dass sie regelmäßig zu den Kursen kommen konnten. Andere Termine, Erledigungen, die Betreuung von Kleinkindern und anderes konnten Hürden sein, die überwunden werden mussten. Auch hat es eine gewisse Zeit gedauert, bis der Rhythmus zum regelmäßigen Besuch der Kursstunden eingeübt war. Auch solche Probleme, die mit dem unterschiedlichen Verständnis von Lernen in anderen Kulturen zusammenhängen, mussten geklärt werden. So war für uns zum Beispiel wichtig, dass sowohl Frauen als auch Männern der Zugang zur sprachlichen Bildung ermöglicht wird. Jetzt hat sich eine stabile Gruppe gefunden, die kontinuierlich Deutsch lernt.

Wie schätzen Sie es ein: Können diese Deutschkurse das Ziel der Elternakademie unterstützen, die Bildungsaktivitäten in den Familien zu fördern?
C. Herfet: Das ist ein kleiner und wichtiger Schritt, aber sicherlich keiner, der Berge versetzen wird. Für uns in der Schule ist die deutsche Sprache eine Voraussetzung, um mit den Eltern zu kommunizieren. Die Beherrschung des Deutschen ist natürlich vor allem wichtig, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Gleichzeitig sind Eltern, die selber lernen, auch besser in der Lage, ihre Kinder bei den Hausaufgaben zu unterstützen. Sie haben dann einfach eine größere Wertschätzung für Lernprozesse und das ist für ihre Kinder und deren erfolgreiche schulische Laufbahn ganz entscheidend.

Kursleiterin Dagmar Bedbur VHS Elternakademie Berlin-Mitte
Bild: Elternakademie

Dagmar Bedbur ist eine von zwei Volkshochschul-Dozentinnen, die den Deutschkurs A2.2 in der GutsMuths-Grundschule an drei Vormittagen in der Woche durchführen. Welche Erfahrungen hat sie mit den Deutschkursen der Eltern gemacht?

D. Bedbur: Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Kurs wohnen hier in der umliegenden Gegend im Hochhausviertel rund um die Singerstraße. Sie können auf kurzen Wegen ihre Kinder in die Kita oder in die Schule bringen.
Nun ist die Schule nicht nur nah am Wohnort, sondern die Eltern lernen auch gleichzeitig mit ihren Kindern – in einem separaten Kursraum, aber im gleichen Schulgebäude.

Der Raum für den Elternkurs liegt gleich zum Schulhof hinaus. In der großen Schulpause passiert es häufig, dass die Kinder der Teilnehmenden ans Fenster klopfen, ihren Eltern zuwinken, ihr vergessenes Schulbrot abholen oder die Eltern ihnen eine warme Jacke nach draußen bringen.

Es ist für die Kinder ein gutes Gefühl, wenn sie sehen, “meine Mama und mein Papa lernen ja auch”. Gleichzeitig ist es für die Elternteile mit freier Zeit eine sinnvolle Beschäftigung, wenn sie Deutsch lernen können. Denn mit besseren Deutschkenntnissen fällt es leichter zum Elternsprechtag zu gehen, Schulmitteilungen zu verstehen, Gespräche mit Lehrerinnen und Lehrern zu führen, oder sich mit anderen Eltern zu unterhalten.

In unserem gemischten Kurs haben wir auch Ehepaare, also Mütter und Väter, die immer am Kurs teilnehmen, wenn es ihnen möglich ist. Zuerst kamen nur die Frauen, bald aber auch die Männer. Ein Effekt zeigt sich schon, wenn durch Mund-zu-Mund-Propaganda sich zunehmend neue Eltern dafür interessieren.

Zur Zeit haben wir 12 Teilnehmer_innen aus den Herkunftsländern Brasilien, Türkei, Spanien, Polen, Vietnam und Syrien. Die Voraussetzungen und Niveaustufen bei der Vorbildung sind sehr unterschiedlich. Grundsätzlich versuchen wir jedoch, alle mitzunehmen, egal ob sie schneller oder langsamer lernen. Auch die häuslichen Voraussetzungen der Deutschlernenden sind sehr unterschiedlich – wer z.B. ein Einzelkind erzieht ist weniger belastet, als wenn fünf Kinder versorgt werden müssen. Wir versuchen dann immer Lösungen zu finden, um das Erlernen der deutschen Sprache bei allen nach ihren Möglichkeiten zu fördern. Jeder kann somit grundsätzlich kommen und wird hier nicht unter Stress gesetzt. Wir gestalten den Unterricht deshalb möglichst entspannt und interessant mit Spielen, Exkursionen, Besuch des Bundestags oder anderer öffentlicher Einrichtungen. Wichtig sind auch immer Übungen zum persönlichen Kennenlernen mit Gesprächen über die unterschiedlichen Kulturen der jeweiligen Herkunftsländer der Teilnehmer_innen. Das funktioniert sehr gut in dieser Gruppe, die auch mit ihren Smartphones durch WhatsApp über den Unterricht hinaus miteinander kommuniziert. So werden Daten und Informationen ausgetauscht, Ausflüge organisiert und Persönliches mitgeteilt – auf Deutsch.

Fadime aus der Türkei: Ich lese gerne alle möglichen deutschen Texte

Teilnehmerin Fadin VHS-Deutschkurs Elternakademie Berlin-Mitte
Bild: E. Schürmann

Vor 15 Jahren kam ich aus Istanbul nach Berlin. Ich hatte schon 2012 einen B1-Deutschkurs absolviert, doch dann hatte ich immer weniger Zeit zum Deutschlernen und musste mich um unsere Familie mit drei Kindern kümmern. Jetzt starte ich wieder neu durch und frische im Kurs der Elternakademie meine Deutschkenntnisse auf, um dann bald einen B2-Kurs besuchen zu können. Mit den Sprachkenntnissen will ich den Einstieg in einen Beruf schaffen. Ich möchte gerne arbeiten, vielleicht in der Altenpflege oder in der Kinderbetreuung. Ich überlege noch, was am besten zu mir passt.

Wir sprechen Türkisch in der Familie, mein Mann und ich sprechen auch als Aleviten unsere Muttersprache Zaza. Unsere Kinder sprechen Türkisch und Deutsch. Bei unseren Kindern ist das Aufwachsen mit zwei Sprachen unterschiedlich gut verlaufen. Die älteste Tochter hatte keine Probleme und kann zwischen Deutsch und Türkisch fließend wechseln. Die anderen Kinder nutzen die Angebote zur Sprachförderung, um den Umgang mit zwei Sprachen besser hinzubekommen. Für die Kinder ist die Beherrschung von zwei Sprachen natürlich eine große Chance für ihre weitere Entwicklung.

Die deutsche Sprache finde ich immer noch sehr schwierig. Meist vergesse ich die richtigen Artikel. Zuhause lerne ich nicht so viel, muss ich ehrlich sagen. Aber ich lerne regelmäßig jeden Tag ein neues Verb. Mit den Kindern sehe ich mir oft deutsche Kinderfilme im Fernsehen an. Ich lese sehr gerne deutsche Texte, da interessiert mich alles von der Werbung bis zur Zeitung und ich versuche es zu verstehen.

Wir haben überwiegend einen türkischen Freundeskreis. Aber mit Nachbarn, Eltern in der Kita oder Schule ergeben sich gelegentlich Gespräche, die dann meist nur kurz dauern. Mit den Kindern gehen wir viel nach draußen. In diesem heißen Sommer sind wir ständig in die Schwimmbäder gegangen. Dann ist es natürlich immer sehr schön in den Berliner Parks. Normalerweise koche ich türkisches Essen für die Familie. In Berlin gibt es ja überall türkische Lebensmittelgeschäfte.

Nizia aus Brasilien: Mein Computer ist mein wichtigster Deutschtrainer

Kurteilnehmerin Nizia VHS Elternakademie
Bild: E. Schürmann

Vor vier Monaten bin ich mit meinem Mann und meiner Tochter aus Rio de Janeiro nach Berlin gezogen. Den Deutschkurs in der GutsMuths-Grundschule besuchte ich an drei Tagen in der Woche. Deutsch lerne ich dann noch selbständig zuhause am PC und habe die Deutsche Welle des Deutschlandfunks eingeschaltet, die den Kurs “Deutsch – warum nicht?” bringen. Ich sehe mir auch deutsche Videos und Filme auf YouTube oder Netflix an. Zu Hause in der Familie sprechen wir Portugiesisch. In der Schule spricht die Lehrerin meiner Tochter immer Deutsch mit mir, eine Erzieherin wechselt manchmal auch in die englische Sprache. Beim Arzt kann ich Deutsch, Englisch oder Portugiesisch sprechen. Als ich einmal in die Charité ging, musste ich alles auf Deutsch sagen.

In bin Biologin, hier in Deutschland arbeite ich aber noch nicht. Berlin ist eine wunderschöne Stadt. Ich mag die Leute und dass alle so verschiedene Sprachen sprechen. Die Sicherheit in der Stadt finde ich gut. Wir machen gerne Ausflüge, gehen in einen Park oder besuchen ein Museum. Im Sommer waren wir auch schon am Müggelsee in Köpenick.

Wenn ich mit Deutschen spreche, bilde ich zuerst immer deutsche Sätze, aber meist wechsle ich dann bald ins Englische, weil es für mich noch einfacher ist. Unsere Freunde kommen aus Spanien, Neu-Seeland, Ecuador, Polen, Vietnam, Türkei und natürlich aus Brasilien. Die beste Freundin meiner siebenjährigen Tochter kommt auch aus Brasilien und besucht mit ihr gemeinsam dieselbe Klasse. Ich koche meist brasilianisches Essen. Ich mag überhaupt nicht die deutsche Wurst. Aber in Brasilien essen wir viel Fleisch und meist Bohnen oder Reis.

Kompliziert ist die deutsche Sprache mit ihren grammatikalischen Regeln wie die vier Fälle des Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ. Deutsch verstehe ich schon ganz gut, aber das Sprechen braucht noch etwas Zeit.

Autorin Jyotika Sehgal im Gespräch

Autorin hält ihr Buch hoch
Bild: Lecti Book Studio Verlag

Jyotika Sehgal besucht an der VHS Mitte Berlin einen Deutschkurs für Eltern.
Sie wurde von Vanessa Hausmanns, die sie seit dem Frühjahr 2018 unterrichtet, zu ihrem Buch befragt.
Der folgende Text ist das Ergebnis zahlreicher Gespräche und Emails sowie gemeinsamer, wechselseitiger Übersetzungen vom Deutschen ins Englische und andersherum.

Unter dem wunderschönen Titel to reach you, I dream. Um dich zu erreichen, träume ich hat die in Neu-Delhi und Berlin lebende Malerin und Kunstprofessorin Jyotika Sehgal einen Bilderzyklus herausgegeben, der von Ghaselen, Gedichten des indisch-persischen Urdu-Dichters Mirza Ghalib (1797 – 1869) und deren Übersetzungen ins Englische inspiriert ist. Diese interpretiert die Malerin in ihren farbintensiven Bildern, indem sie ihre eigene Biografie in die Nähe der Ghasele rückt und deren Idee jeweils in einem Bild als einer ihrer möglichen unendlichen Formen aufscheinen und Gestalt finden lässt.
So zeigt sie in diesem sehr persönlichen, intimen Vorgehen in kleinen Übersetzungsschritten die Genese und die transformative und versöhnende Kraft eines künstlerischen Prozesses überhaupt:
Im schöpferischen Akt finde ich mich und in ihm verliere ich mich und in diesem bin ich mit dir – du bist meine Hoffnung …

Warum hast du dieses Buch mit deinen Bildern und den alten Ghaselen gemacht? Wolltest du dein Leben in einem größeren Zusammenhang sehen?

Das Buch ist ein Teil meines Forschungsprojektes, das ich in England begonnen und in Indien beendet habe. Während der Präsentation meiner Arbeiten in Bristol habe ich über meine Faszination für Ghalib gesprochen und wie sehr ich fühlte, dass all seine Worte in mein tägliches Leben verwoben sind.

Welche Sprache sprichst du zu Hause? Mit welcher Sprache bist du aufgewachsen?

Die Unterrichtssprache meiner Schulzeit hindurch war Englisch. Später war es dann die Hauptsprache mit meinen Studenten. Als ich in Chandigarh am staatlichen College of Art lehrte, benutzte ich auch Punjabi, später auch Hindi, als ich am College of Art in Delhi lehrte.
In Indien wachsen wir glücklicherweise mit mindestens zwei Sprachen gleichzeitig auf, der Muttersprache und der Sprache des Staates. So ergab sich das Schreiben und Lesen auf Englisch von alleine, es war die wichtigste Sprache, in der ich aufwuchs – auch wenn ich Hindi als die führende indische Sprache sowie Punjabi und Urdu beherrsche.

Und in welcher Sprache malst du? Kann man das so sagen?

Ja, so kann man es sagen. Während ich male, spreche ich mit mir in der Sprache, in der ich mich ausdrücke, also ist es die visuelle Sprache. Ich kommuniziere mittels Skizzieren, Zeichnen und Hinzufügen von Farbnuancen, wobei der Satz und die Gesamtaussage das Bild als solches dann sind.

Vielleicht haben Bilder und Schrift schon immer zusammengehört?

Visuelle Übersetzung verlangt eher nach (Neu-)Schöpfung als nach Entdeckung. Da ich zwischen dem Sprachlichen und dem Visuellen oszilliere und am Text gleichzeitig in Worten und Bildern arbeite, ist jeder Akt der Übertragung des poetischen Textes an der Wechselbeziehung zwischen den beiden Sprachen gereift. Einerseits komme ich oft zurück zu den Worten, um bildliche, in meiner geschaffenen visuellen Komposition präsente Elemente zu bestimmen. Andererseits kommen die Worte nur zu mir, wenn ich versuche, Klarheit zu erlangen, während ich meine visuellen Übertragungen entwerfe. Es ist niemals ein einmaliger, vertikaler Prozess eines vollständigen Verstehens in einer Sprache, weder bezogen auf Worte noch auf Visuelles.

Sind deine Bilder Erinnerungen deines Lebens? Was passiert, wenn du malst?

Ein Gemälde fängt für mich nicht nur einen besonderen Moment des Ausdrucks ein, sondern es bewahrt die Zeit und es nimmt in sich eine Lebensweise auf. Sehr oft verstehe ich meine Lebensumstände durch meine Arbeit. Ich habe Beispiele meines Malens, bei denen die Arbeit mir auch meine Zukunft angedeutet hat.

Liu aus China: Ich liebe die Cartoons im deutschen Kinderfernsehen!

Liu aus China
Bild: Elternakademie

Vor zwei Jahren bin ich von Peking nach Berlin gezogen. Seitdem lerne ich auch Deutsch an der Volkshochschule. Vorher konnte ich nur “Hallo” und “Tschüss” sagen, inzwischen kann ich mich mit Deutschen unterhalten. Ich bin Chinesisch-Lehrerin und wenn mein Deutsch perfekt ist, möchte ich auch in Deutschland wieder Chinesisch-Unterricht geben.
Als ich nach Berlin kam, ging ich mit meinem Kind in das Familienzentrum auf der Fischerinsel hier in Berlin-Mitte. Da wurde mir sehr geholfen und deshalb wollte ich auch mitarbeiten, um anderen Familien zu helfen. Jetzt engagiere ich mich manchmal ehrenamtlich im Familienzentrum beim Treffen von Müttern mit ihren Babys.
Mein Sohn ist vier Jahre alt und geht in die Kita, da lernt er sehr schnell Deutsch. In der Familie mit meinem Mann und dem Kind sprechen wir Chinesisch. Manchmal versuchen wir auch, uns auf Deutsch zu unterhalten, was immer lustig ist.
Ich habe großes Interesse an der deutschen Sprache, aber sie ist schwer zu erlernen. Ich habe viele deutsche Freunde, mit denen ich mich auf Deutsch unterhalten kann. Wir sprechen über das Leben in Berlin und unsere Hobbys. Wir lieben Berlin und als Familie fühlen wir uns schon als Berliner. Wir waren auch einmal in Paris, doch Berlin lieben wir mehr! Hier gibt es so schöne Parks, den Zoo und den Tierpark, so viele Museen und Konzerte.
Im Fernsehen schaue ich mir die Cartoons im Kinderprogramm an. Ich liebe das deutsche Bier und die Currywurst. In Berlin sind einige chinesische Restaurants ganz okay, aber meine Mutter kocht besser. Zuhause koche ich natürlich vor allem chinesische Gerichte, aber ich kann auch deutsches oder italienisches Essen kochen.

Layal aus dem Libanon: Deutsch lerne ich für mein neues Leben in diesem Land.

Layal aus dem Libanon
Bild: Elternakademie

Seit drei Jahren bin ich in Deutschland, seit zwei Jahren lerne ich Deutsch. Ich will Kontakt zu den Leuten hier bekommen, da muss ich sie verstehen können. An der deutschen Sprache finde ich die Grammatik am schwersten. Lustig finde ich, wenn deutsche Leute schnell miteinander reden. Da muss ich mich ganz schön konzentrieren, um noch zu verstehen, worüber sie reden. Durch meine guten Englischkenntnisse kann ich häufiger deutsche Vokabeln verstehen, weil manche Wörter aus beiden Sprachen ähnlich sind.

Ich bin Englischlehrerin und kann auch mit meinen Abschlüssen und achtjähriger Berufserfahrung mit Studenten an der Hochschule in Deutschland arbeiten.

Da ich in Afrika geboren wurde, habe ich schon als Kind Englisch gesprochen, so dass ich mich fast besser im Englischen auskenne als in meiner arabischen Muttersprache.

Mein Sohn ist zweieinhalb Jahre alt. Er versteht drei Sprachen: Arabisch ist die Familiensprache, ich spreche mit ihm Englisch als wichtige internationale Sprache und Deutsch spricht er mit seinem Papa, mit Nachbarn und im Kindergarten. Im Libanon lernen die Kinder immer an erster Stelle Arabisch als Muttersprache, in der Schule lernen sie dann noch die Fremdsprachen Englisch und Französisch.

Ich sehe mir viele deutsche Filme im Fernsehen mit meinem Mann an und wir sprechen darüber. So kann ich durch das passive Hören schon viel verstehen.

Mit dem Essen hier in Deutschland habe ich kein Problem, weil mein Mann Küchenchef in einem großen Restaurant ist. Er kocht professionell und international und das schmeckt natürlich immer gut. Ich koche aber auch gerne arabische Gerichte. Als ich nach Deutschland kam, hat mir mein Mann viele interessante Orte und Sehenswürdigkeiten gezeigt. Wir sind immer viel in Berlin unterwegs, aber auch in Hamburg, wo ich Verwandte habe.

Petra aus Tschechien: Bei der Arbeit als Krankenschwester muss ich ständig Deutsch sprechen.

Petra aus Tschechien
Bild: Elternakademie

Ich bin Krankenschwester und mein Mann Logistikkoordinator für medizinische Hilfsprojekte bei der internationalen Organisation “Ärzte ohne Grenzen”. Wir hatten uns im Südsudan bei der Arbeit kennengelernt. Nach Afrika haben wir zwei Jahre in den Niederlanden gelebt, bevor wir nach Berlin kamen, wo mein Mann auch herkommt.

Wir haben zwei Töchter, die älteste ist vier und die jüngste eineinhalb Jahre alt. Mein Mann spricht mit den Mädchen Deutsch, ich Tschechisch, im Familienalltag Familie sprechen wir meist Englisch. Die älteste Tochter kann inzwischen fließend Deutsch und Tschechisch sprechen und Englisch kann sie verstehen.

Ich lerne seit zwei Jahren Deutsch, durch die Schwangerschaft gab es einige Unterbrechungen. Aber jetzt lerne ich intensiver und wenn die jüngste Tochter einen Kita-Platz hat, werde ich noch mehr lernen können. Dann würde ich gerne einen Praktikumsplatz oder einen Minijob als Pflegehelferin bekommen und hätte noch mehr Gelegenheiten, bei der Arbeit mit den Patienten Deutsch zu sprechen. Später möchte ich gerne in der Hauspflege arbeiten. Das wäre besser mit der Familie zu vereinbaren als eine Arbeit im Krankenhaus, wo die Arbeitszeiten immer wechseln.

Früher fand ich die deutsche Sprache nicht schön. In der Schule hatte ich Französisch und Englisch, wobei Französisch meine Lieblingssprache war. Inzwischen gefällt mir der deutsche Akzent aber sehr viel mehr als am Anfang. Sicherlich wird diese Sympathie auch dadurch beeinflusst, weil mein Mann und meine Kinder Deutsch sprechen.

Neben dem Deutschkurs habe ich auch in der Kita der älteren Tochter viele Gelegenheiten, mit Erzieherinnen oder Eltern Deutsch zu sprechen. Auch mit den deutschen Freunden meines Mannes habe ich ständig Übung in der neuen Sprache. Allerdings wird im Freundeskreis immer wieder schnell ins Englische gewechselt. Das Problem ist meist, dass ich gerne etwas Bestimmtes sagen möchte, dazu reicht dann aber mein Deutsch nicht aus und ich wechsle wieder schnell ins Englische.

Berlin finde ich sehr schön mit den vielen Parks und den Waldgebieten. Hier lässt es sich gut mit dem Fahrrad fahren.

Beata aus Polen: Berlin ist eine schöne Stadt für Familien mit Kindern

Beata aus Polen
Bild: Elternakademie

Ich lebe seit drei Jahren in Berlin, nachdem mein Mann hier eine sehr gute Arbeit gefunden hat. Unsere Söhne sind zweieinhalb und fünfeinhalb Jahre alt. Beide sind in der Kita und sprechen dort Deutsch. Zuhause sprechen wir in der Familie immer Polnisch.

Seit 2 Jahren lerne ich Deutsch und besuche den Berufsbezogenen Deutschkurs B1+/B2 im Familienzentrum Fischerinsel. In Polen habe ich als Fremdsprache Englisch gelernt. Ich bin Buchhalterin und möchte wieder in meinem Beruf arbeiten. Jetzt mache ich ein Praktikum an zwei Tagen in der Woche in einer Berliner Rechtsanwaltskanzlei, die Mandanten in Polen und Deutschland betreut. Dabei kann ich mein Deutsch verbessern und neue Berufserfahrungen sammeln.

Ich finde die deutsche Grammatik nicht so schwer, denn sie ähnelt etwas der polnischen. Schwieriger finde ich die deutsche Aussprache. Manchmal, wenn ich etwas auf Deutsch sage, verstehen mich die Leute nicht. Ich mache zuhause viele grammatische Übungen und sehe mir jeden Abend deutsche Filme an, die wir über einen Streaming-Dienst abrufen können. Zum Beispiel habe ich zuletzt den Film “Dark” gesehen, der eine Mischung von Krimi und Fantasy ist. Ich lese auch gerne deutsche Artikel im Wochenmagazin “Der Spiegel”, die immer interessant sind.

In der Kita meiner Söhne habe ich eine Freundin gefunden, mit der ich Deutsch oder Englisch spreche. Berlin ist eine schöne Stadt, weil es viele Plätze für Familien mit Kindern gibt. Und hier leben Menschen gut zusammen, die, wie ich, aus anderen Ländern gekommen sind.

Katarzyna aus Polen: Mein Sohn hat schnell Deutsch gelernt und ist nun mein Übersetzer

Katarzyna aus Polen
Bild: Elternakademie

Seit einem Jahr lebe ich in Berlin, lerne intensiv Deutsch und eine neue Kultur kennen. Ich habe Sozialpädagogik mit dem Schwerpunkt auf Resozialisierung studiert. Der Elternkurs ist für mich zeitlich günstig, weil ich als Mutter eines siebenjährigen Sohnes und Schülers vormittags Zeit zum Deutschlernen habe. Mein Mann ist Deutscher und wir sprechen in der Familie immer Deutsch. Lernen war schon in meinem Elternhaus immer sehr wichtig. Meine Mutter ist Bewährungshelferin und mein Vater Richter. Ich will gut Deutsch können, um später in meinem Beruf arbeiten zu können. Mein Sohn hat sehr schnell Deutsch gelernt; bis wir nach Berlin zogen, sprach er ja nur Polnisch. Jetzt ist er mein Übersetzer und korrigiert mich immer, wenn ich falsches Deutsch spreche. Mit ihm gehe ich oft seine Hausaufgaben durch, dabei lerne ich auch viel. In der Schule meines Sohnes im Wedding sprechen die Eltern viele Sprachen und wir versuchen alle, uns auf Deutsch zu unterhalten. Auch im Freundeskreis meines Mannes wird nur Deutsch gesprochen. Wenn ich mal ein Wort nicht verstehe, schreibe ich es auf und hole mir die Übersetzung aus dem Internet. Die deutsche Aussprache ist für mich o.k.; nur richtig grammatisch zu sprechen, finde ich schwer. Besonders Dativ und Akkusativ sind schwierige Themen in der deutschen Grammatik.

LORENA aus Brasilien: Deutsch spricht man mit dem Hals, Portugiesisch mit dem Mund

Lorena aus Brasilien
Bild: Elternakademie

Ich komme aus Brasilien. Seit einem Jahr bin ich in Berlin, wo ich in Prenzlauer Berg wohne. Meine Familie ist total international: Meine Omi kommt aus Polen, mein Opi aus Deutschland und mein Mann aus Italien. Durch den Großvater hatte ich auch schon in Brasilien Kontakt mit der deutschen Sprache.

Im Juni werde ich ein Baby bekommen, dann mache ich eine Babypause und im nächsten Jahr will ich den Deutschkurs weiter besuchen. Ich bin Krankenschwester und möchte auch wieder in meinem Beruf arbeiten. Dafür muss ich intensiv Deutsch lernen.

Ich gehe gerne in den Deutschkurs und lerne zu Hause auch viel Deutsch. Die Atmosphäre im Kurs gefällt mir sehr gut. Die Lehrerin unterstützt uns stark, so macht das Lernen Spaß. Das Portugiesische und das Deutsche unterscheiden sich sehr stark. Die lateinische Phonetik wird mit dem Mund gestaltet, während die deutsche Phonetik im Hals gebildet wird. Auch andere Brasilianer im Kurs sagen, dass es für sie schwierig ist, die typischen deutschen CH- oder SCH-Laute auszusprechen. Ich schreibe mir immer die entsprechenden Wörter auf und spreche sie zu Hause immer wieder aus. Solche Wiederholungen sind als Übung der beste Weg, um die fremde Sprache zu lernen. Neben dem Sprachlehrbuch nutze ich das Internet und sehe mir Filme in deutscher Sprache auf YouTube an. Besonders gefallen mir in der deutschen Sprache die weichen Endungen der Kosenamen, wie Evi, Mischi, Flori, Mami, Omi. Das klingt sehr schön.

Mein Freundeskreis in Berlin ist sehr international. Neben Brasilianern habe ich schon viele Deutsche kennengelernt. So habe ich ständig Gelegenheiten Deutsch zu sprechen. Ich höre auch gerne Kinderlieder und singe dann den deutschen Text nach. Das ist ganz einfach und ich kann viel verstehen.

Unser Kind soll mehrsprachig aufwachsen. Ich werde mit dem Baby Portugiesisch und mein Mann Italienisch und auch Englisch sprechen und in der Kita lernt das Kind dann Deutsch. Mal sehen, wie das geht, aber Kinder lernen ja schnell viele Sprachen

Persönliche Dinge und Geschichten. Frauen aus dem VHS-Deutschkurs machen eine Ausstellung.

Frauen aus dem Deutschkurs
Die Frauen aus dem Deutschkurs präsentieren auf dem Tisch ihre Ausstellung. Von links nach rechts: Thomas, Hacer, Houria, Fattema, Nisreen, Narjess, Frau Meisterernst und Öznur.
Bild: Elternakademie

Wichtige Dinge aus unserem Leben haben immer eine persönliche Geschichte. Das war die Idee einer Ausstellung im DRK-Kiezzentrum Humboldthain im Rahmen der Team Works Woche #2. Die Ausstellung wurde vom 18. bis 22. Juni 2018 in einem Raum des Zentrums nachmittags von 15 – 18 Uhr gezeigt und von Menschen aus dem Wedding besucht. Organisiert wurde die Ausstellung von den Sozialarbeiterinnen im Kiezzentrum Maria Meisterernst, Ruth Gassauer, Susanne Weber und Praktikantin Öznur Öztürk.

Teilnehmerinnen aus dem Elternkurs A1.2 von Thomas Magosch waren von der Idee begeistert. Sie brachten persönliche Gegenstände aus ihrem Alltag mit, die für ihr Leben eine Bedeutung haben. Im Unterricht schrieben sie dann, unter Anleitung ihres Lehrers, kleine Geschichten, die als Textblätter mit den Objekten ausgestellt wurden.

Ausstellung im DRK-Kiezzentrum
Bild: Elternakademie

In der Ausstellung sind diese Gegenstände versammelt: Ein Stiefel, ein Druckertoner, eine Uhr, ein Gebetsteppich, ein Foto vom Meer, ein Thermosbecher, eine Sporthose, ein Handy, ein Flasche Olivenöl mit Fotos einer Ölmühle, ein Stein aus Chile, das Modellauto eines Rettungs-Transportwagens, ein Anhänger vom Kontinent Afrika und eine Zeichnung mit den Porträts einer Familie. Die Geschichten dazu erzählen von sehr persönlichen Erlebnissen, Gefühlen, Ereignissen, Erinnerungen und Menschen. Die meisten Gegenstände sind auf den ersten Blick ganz alltägliche Gebrauchsgegenstände. Aber in Verbindung mit den Texten gewinnen sie eine große Bedeutung.

Schön, dass die Frauen aus dem Deutschkurs sich an dieser Mitmach-Ausstellung zum Thema “Wer sind wir im Wedding?” beteiligt haben. Ihnen ist es gelungen, die Betrachter zum Nachdenken anzuregen.

Berliner Stadtgang über den Boulevard Unter den Linden

Gruppe Elternkurs vor Brandenburger Tor
Bild: Teilnehmerin Elternkurs

Der Deutschkurs für Eltern A1.2 von Elisabeth Myslinska-Bobel mit Claudia, Maria, Sylvia, Lili, Anna, Marcella, Mirian, Kelly, Maria und Renata (alle aus Brasilien), Katarzyna und Isabela (Polen), Juan (China) und Deiaa (Libanon) hat sich für ein Gruppenfoto vor dem Brandenburger Tor aufgestellt. Für die nächsten vier Stunden wird die Gruppe über die traditionsreiche Straße Unter den Linden gehen und sich die wichtigsten Gebäude ansehen. An den einzelnen Stationen bleibt die Gruppe stehen und hört einen Vortrag, der von einer Teilnehmerin gehalten wird.

Doch zuerst wird die Stelle aufgesucht, an der die Berliner Mauer vom 13. August 1961 bis zum 9. November 1989 verlief und die Stadt in zwei Hälften teilte. Im Bild ist im Hintergrund der Berliner Reichstag sichtbar, in dem heute der Bundestag tagt.

Berliner Stadtgang
Bild: Elternakademie

Ab durchs Brandenburger Tor! Wer hier durchgeht, bewegt sich an einem zentralen Ort der deutschen Geschichte. Wer im Internet auf der Bilderseite das Stichwort “Brandenburger Tor” googelt, findet eine riesige Anzahl von historischen bis aktuellen Fotos.

Raquel Deutschlernerin vor Brandenburger Tor
Bild: Elternakademie

Raquel hält einen Vortrag über die Geschichte des Brandenburger Tors und seine Quadriga.

Berliner Stadtgang
Bild: Elternakademie

Renata referiert Grunddaten zur Geschichte Berlins.

Berliner Stadtgang
Bild: Elternakademie

Marcella gibt in ihrem Vortrag einen Überblick über die Bedeutung des Standorts am Brandenburger Tor, von dem der Boulevard Unter den Linden bis zum Berliner Dom und noch weiter in die Mitte Berlins führt. (Ganz hinten ist der Fernsehturm am Alexanderplatz zu sehen).

Berliner Stadtgang
Bild: Elternakademie

Lili hält einen Vortrag über die kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung der “königlichen Allee” Unter den Linden damals und heute.

Berliner Stadtgang
Bild: Elternakademie

Die S-Bahn-Station am Brandenburger Tor mit dem Hotel Adlon.

Berliner Stadtgang
Bild: Elternakademie

Schnell weiter! Die russische Botschaft im mächtigen Architekturstil der Stalinära erschlägt einen fast.

Berliner Stadtgang
Bild: Elternakademie

In Berlin gibt es an historisch bedeutsamen Orten Infotafeln mit Erläuterungen in deutscher und englischer Sprache mit dokumentarischen Fotos.

Berliner Stadtgang
Bild: Elternakademie

Kelly erzählt über den Preußenkönig Friedrich II., genannt der “Alte Fritz”, dessen Denkmal vor der Humboldt-Universität steht.

Berliner Stadtgang
Bild: Elternakademie

Vor der Alten Bibliothek – heute Zweigbibliothek Rechtswissenschaft der HU (Humboldt-Universität).

Berliner Stadtgang
Bild: Elternakademie

Marcella gibt Erläuterungen zum Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung 1933 auf dem Berliner Bebelplatz (früher “Opernplatz”).

Berliner Stadtgang
Bild: Elternakademie

Letzte Station vor der Pause ist die Humboldt-Universität. In der Mensa erholte sich die Gruppe von dem langen Gang und tauschte (meist) nette Erinnerungen über die eigenen Studienzeiten aus.

Gruppe Deutschlernerinne stehen vor Altem Museum
Bild: Alternakademie

Nach der Pause gehen alle weiter, erfahren mal Wissenswertes über die Nationaloper (“Lindenoper”), das Zeughaus, bleiben nachdenkend in der Neuen Wache stehen und zum Schluss erholen sie sich im Lustgarten vor der schönen Kulisse des Alten Museums.

Deutschlerngruppe Elzbieta vor dem Berliner Dom
Bild: Elternakademie

Endstation Berliner Dom: Erschöpft und glücklich über das neu gewonnene Berliner Wissen.

Exkursion zum beruflichen Ausbildungszentrum

Berufsbezogener Deutschkurs
Bild: Elternakademie

Der ”Berufsbezogene Deutschkurs” von Deutschdozentin Anette Pörling-Obst hat vor einiger Zeit das moderne Ausbildungszentrum des Weltkonzern Siemens besucht. Dort werden junge Leute in dreieinhalb Jahren zu technischen und kaufmännischen Fachkräften ausgebildet. Diese Berufsausbildung auf dem Fabrikgelände in der Berliner Siemensstadt wird als “duale Ausbildung” bezeichnet. Dabei wird Arbeit und Lernen “praxisnah” organisiert. So lernen die “Azubis” (Auszubildende) in Projekten, selbständig in Teams Produkte herzustellen. Diese Simulation von Arbeitsprozessen wird von den Ausbildern durch Beratung begleitet. Die Teilnehmerinnen der Exkursion waren von der supermodernen Ausbildungswerkstatt begeistert. Vor allem als Mütter nahmen sie Anregungen mit, wie ihre Kinder Zukunftsberufe im technischen Bereich erlernen können.

Exkursion ins Pergamonmuseum

Exkursion ins Pergamonmuseum
Bild: Elternakademie

Seit einem Jahr lernen wir im „VHS-Deutschkurs für Eltern“ Deutsch und die deutsche Kultur kennen. Beides ist für uns sehr wichtig, um bald hier arbeiten und das Leben in Berlin genießen zu dürfen.

Unsere Lehrerin Elisabeth erzählt uns im Unterricht oft von den unzähligen Möglichkeiten in der Metropole an der Spree und motiviert uns daran teilzunehmen.

Die Museen in unserem Bezirk Mitte auf der Museumsinsel bilden unbestritten das kulturelle Zentrum Berlins, also besichtigen wir heute das Pergamonmuseum.

Vor dem Ausflug erfuhren wir im Unterricht vieles Wissenswertes über das Museum.

Wir werden Sammlungen dreier Museen sehen: die Antikensammlung, die Sammlung des Museums für Islamische Kunst und die des Vorderasiatischen Museums.

Für manche Teilnehmer_innen sind Begriffe wie „v.Chr., n.Chr.“ oder „Antike“ fremd. Es wird alles erklärt und – nun – dürfen wir die imposanten Exponate und Bauten mit eigenen Augen bewundern.

Zuerst überwältigt uns mit seiner Schönheit und Größe das Markttor aus der kleinasiatischen Stadt Milet…. aus dem 2.Jh. n.Chr. Manche von uns erinnern sich an den Philosophen Thales aus Milet (geb. 624 n. Chr.) aus dem Geschichteunterricht im Gymnasium in unseren Ländern, andere bleiben erstaunt vor dem Ischtar-Tor und der Prozessionsstraße von Babylon lange stehen und glauben kaum, dass sie die Bauten aus dem 6.Jh. v.Chr. hier in Berlin bewundern können.

Ab und zu setzen wir uns auf die Bank und teilen leise unsere wunderbaren Empfindungen.

Wir gehen langsam weiter und auf einmal zeigt sich vor uns eine gigantische Fassade aus rotem Stein. Sie gehörte zu dem Palast von Mschatta aus dem 8.Jh., dessen Ruine ca. 30 km südlich der jordanischen Hauptstadt Amman liegt. Noch heute befinden sich Teile auf dem Gelände des Flughafens von Amman.

Zum Schluss versprechen wir alle, bald das wunderbare Museum mit Freunden und Familien nochmal zu besichtigen; spätestens in 2023 – dann können wir auch den Pergamonaltar sehen.

Wir möchten uns noch unterhalten, also kehren wir in eine Pizzeria am Gendarmenmarkt ein, essen, trinken und sind beglückt vom Gesehenen, aber auch mal traurig über das Vergehen mancher Zivilisationen.