Märkisches Viertel

Brunnenplatz MV
Bild: Bezirksamt Reinickendorf

Einst ungerechtfertigt mit negativem Image behaftet gilt das Märkische Viertel seit vielen Jahren weltweit beispielhaft als gelungene Lösung zur Schaffung von viel Wohnraum auf geringer Fläche. Seit den frühen 60er Jahren wurde – ausgehend von der Inselsituation des ehemals eingemauerten Westteils von Berlin – ein Konzept mit ca. 17.000 Wohneinheiten für 40.000 Einwohner verwirklicht, das inzwischen auch Kritiker überzeugte. Der Anteil an Grünflächen ist in keinem anderen Wohnprojekt dieser Art so groß wie hier. Die den Großteil der Wohnungen verwaltende Wohnungsbaugesellschaft GESOBAU hat durch umfangreiche Wohnumfeldmaßnahmen das Märkische Viertel den Ansprüchen des 21. Jahrhunderts angepasst.

Mit dazu beigetragen hat die in zwei Bauabschnitten erfolgte Umgestaltung des Zentrums, die von dem englischen Investor Hammerson GmbH in Abstimmung mit dem Bezirksamt, der GESOBAU und Vertretern des Mieterbeirates durchgeführt wurde und im Jahre 2002 ca. 10.000 m2 zusätzliche Verkaufsfläche schuf. Damit ist es das größte Einkaufszentrum im Norden Berlins. Das Highlight ist der “Panoramaplatz”, auf dem 5 echte Palmen stehen, von der eine über 200 Jahre alt und die einzige auf dem nordeuropäischen Kontinent stehende Palme unter einem Glasdach ist. Hier kann man also nach einem Einkaufsbummel unter Palmen in einem Kolonialstil gestalteten Café – mitten im Märkischen Viertel verweilen.

Die große Identifikation der hier Wohnenden mit ihrem Kiez war ein Grund dafür, dass sich das Bezirksamt im Jahre 1999 entschloss, das Märkische Viertel zum 10. Ortsteil Reinickendorfs zu erklären. Im Rahmen des Wettbewerbs erhielt das MV dann auch sein eigenes Wappen – modern gestaltet, wie es dem jüngsten und modernsten Ortsteil Reinickendorfs entspricht.

Östlich des S- und U-Bahnhofes Wittenau erstreckt sich bis zur Bezirksgrenze nach Pankow, an der von 1961 bis 1989 die Berliner Mauer verlief, das Märkische Viertel. Das Wohnviertel wurde nach dem Bau der Berliner Mauer in den Jahren 1963 bis 1974 errichtet und zählte damals zu den größten, aber auch umstrittensten Neubaugebieten Deutschlands. Von 20 Architekten wurden unter der Gesamtleitung von Werner Düttmann, Hans Müller und Georg Heinrichs etwa 17.000 Wohnungen für ca. 50.000 Menschen errichtet. lm Märkischen Viertel wurde entgegen der damals herkömmlichen Flächenbebauung eine Stadtlandschaft errichtet. Zusammenhängende Ketten von gestaffelten Wohnhochhäusern sollten wie Arme die bereits vorhandenen, aber auch die neu errichteten Gebiete mit kleineren Wohnhäusern umschließen. Im Mittelpunkt dieser Gesamtanlage wurde ein Dienstleistungszentrum mit Geschäften, einem Kaufhaus und Restaurants als Kommunikationsort errichtet.

In das Märkische Viertel gelangt man von Wittenau aus über den Wilhelmsruher Damm oder von Lübars über die Quickborner Straße bzw. über den Öschelbronner Weg und die Finsterwalder Straße. Folgt man vom U- und S-Bahnhof Wittenau dem Wilhelmsruher Damm, dann erblickt man zunächst auf der linken Seite vier- bis 16geschossige Wohnhäuser und auf der rechten Seite in Blau und Rot gehaltene vier- bis achtgeschossige Bauten. lnnerhalb des Märkischen Viertels unterquert man die Postbrücke, die eine Verbindung zwischen den Wohnbauten auf der südlichen Seite des Wilhelmsruher Dammes und dem Märkischen Zentrum bildet. Das Märkische Zentrum wird vom Wilhelmsruher Damm, von der Königshorster Straße, vom Senftenberger Ring sowie von den Grünanlagen des Packereigrabens begrenzt. Zum Zentrum gehören verschiedene Einkaufsmärkte, Geschäfte und Läden, die St-Martins-Kirche und ein Hallenschwimmbad. Weiterhin befinden sich dort die Thomas-Mann-Oberschule, die 1972 als erste integrierte Gesamtschule Berlins eingerichtet worden war, und das Fontane-Haus – ein Mehrzweckbau und kommunales Kulturzentrum, der mit einer Bibliothek, mit Werkstätten, einem Senioren- und Jugendclub, mehreren Räumen, die unter anderem von der Volkshochschule Reinickendorf genutzt werden, Veranstaltungsräumen mit Bühne, Sitzplätzen und einer Galerie ausgestattet ist. Im Fontane-Haus, das 1996 sein 20jähriges Bestehen feierte, werden verschiedene Musikveranstaltungen des Kunstamtes wie Opern, Ballett und Operette angeboten. Galerien und Veranstaltungsräume können auch von freien Gruppen und Privatleuten gemietet werden: Unter dem Motto “Museen im Märkischen Viertel” zeigt die GeSoBau, die Wohnungsbaugenossenschaft des Viertels, zwei Mal pro Jahr Ausstellungen verschiedener Museen und Künstler. Eine der Hauptattraktionen bildete zu Beginn dieser Reihe die große Dinosaurier-Ausstellung im März/April 1994, die von mehreren Tausend Besuchern täglich besichtigt wurde.

Hinter dem Märkischen Zentrum gelangt man auf dem Senftenberger Ring in den nördlichen Teil des Viertels, wo die Siedlungen blockhaften Charakter haben und sich Gebäudeketten um Innenhöfe gruppieren. Innerhalb des Ringes befinden sich neben den Wohnsiedlungen das “Atrium” – Jugendkunst-, – theater – und – literatur – Werkstatt -, eine Kita, die Chamisso-Grundschule, die Senfkorn-Kirche, die Bettina-von-Arnim-Oberschule, ein Seniorenzentrum und ein Jugendfreizeitheim. Östlich dieses Komplexes wurde das Seggeluchbecken, ein künstlicher See mit verschiedenen Wasservögeln, geschaffen. In dessen Nähe befindet sich die Kirche am Seggeluchbecken mit einem evangelischen Gemeindezentrum. In südlicher Verlängerung des Beckens führen der Wetzlower Steig und die Königshorster Straße auf den Wilhelmsruher Damm zurück.

Das Märkische Viertel wurde von den Berlinern in den ersten Jahren nach seiner Fertigstellung eher negativ als positiv bewertet, da es viele Probleme gab, die darin bestanden, dass gleichzeitig gebaut und bereits in den fertiggestellten Häusern gewohnt wurde und die Versorgung und Verkehrsanbindung mangelhaft waren. Hinzu kamen am Anfang der Mangel an Kindertagesstätten, Schulen, Spielplätzen und Jugendeinrichtungen Ende der sechziger und in den siebziger Jahren. Von vielen wurde das Märkische Viertel noch zu Beginn der achtziger Jahre abgelehnt oder zumindest hart kritisiert. Die Versorgung, die soziale und kulturelle Ausstattung ist heute, wie oben erwähnt, gut. Im Jahre 1994 wurde der U-Bahn-Anschluss bis zum S-Bahnhof Wittenau fertiggestellt. Ursprüngliche Planungen, die U-Bahn bis zum Märkischen Zentrum zu bauen, ließen sich nicht realisieren und werden auf Grund der hohen Kosten und der leeren Kassen im Landeshaushalt nicht verwirklicht werden können.

Seit 1984 wurden jedoch konkrete Programme zur Verbesserung des Wohnumfeldes im Märkischen Viertel eingeleitet. Es wurden z. B. “Beiratsverfahren” geschaffen, bei denen Stadtplaner, Kommunalpolitiker, Architekten und Mieter gemeinsam Überlegungen zur Verschönerung und zur Verbesserung ihres Viertels anstellten. Die Fassaden bekamen freundlichere Anstriche, es wurden Mietercafes und Hobbyräume in ehemaligen Waschhäusern eingerichtet, und für die Unterbringung von Besuchern stehen sogar sechs komplett ausgestattete Wohnungen zur Verfügung. Es gab für eine kurze Zeit ein eigenes Fernsehprogramm, und es gibt bis heute den MV-Express, eine eigene Stadtteilzeitung. Für die Mieter stehen etwa 300 Mietergärten zur Verfügung, die von der GeSoBau kostengünstig vermietet werden. Im Gegensatz zu den ersten Jahren ist das Märkische Viertel mit Jugend- und Freizeiteinrichtungen sehr gut ausgestattet. An der Königshorster Straße befindet sich auf etwa 9000 Quadratmetern ein Freizeitgelände, das heute von der Naturfreundejugend betrieben wird. Auf etwa der Hälfte des Geländes befindet sich einer der ältesten Abenteuerspielplätze Deutschlands, auf dem Mädchen und Jungen zwischen sechs und 13 Jahren u.a. Hütten bauen und Lagerfeuerabende veranstalten können.

Das Märkische Viertel wird heute von seinen Anwohnern, die eine gewachsene soziale Mischung darstellen, akzeptiert. Es besteht eine enge Bindung vieler Mieter an ihr Viertel, und es existieren viele gutnachbarschaftliche Kontakte.

Im Jahre 1999 wurde das Märkische Viertel aufgrund seiner Bevölkerungsstärke und der Tatsache, dass die dort Wohnenden sich selbst als MV´ler sehen, zum 10. Ortsteil Reinickendorfs erklärt. Hervorgehend aus einer Bürgerbeteiligung erhielt es auch ein eigenes Wappen. Im Jahre 2002 eröffnete der neue Besitzer des Märkischen Zentrums, die Firma Hammerson GmbH, nach umfangreichen Um- und Neubaumaßnahmen das neue Einkaufszentrum, das in seiner Gestaltung einzigartig ist. Dort befinden sich auf dem “Panoramaplatz” 5 Palmen, von denen eine über 200 Jahre alt und die einzige auf dem nordeuropäischen Kontinent ist, die unter einem Glasdach steht. Unter den Palmen lässt es sich in einem Café im Kolonialstil gestaltet, gut verweilen.