studio im HOCHHAUS

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Mit den Ausstellungen des Studios im Hochhaus wird ein künstlerischer Blick auf die Utopie und auf das heutige Leben in einer Großsiedlung geworfen. Das Haus ist ein Ort der Begegnung – mit der Kunst, mit Künstlern und Kunstbegeisterten.

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Ausstellungsankündigung

Bildvergrößerung: Verena Lercher mit dem Modell des Staatsateliers Arno Breker
Verena Lercher mit dem Modell des Staatsateliers Arno Breker Bild: Dellbrügge

Bankleer, Dellbrügge & de Moll

14.06. bis 23.08.2017
Vernissage: Dienstag, 13. Juni, 19 Uhr

Karin Kasböck und Christoph Maria Leitner arbeiten seit 1999 unter dem Namen bankleer als Künstlerduo in Berlin. Ausgehend von Performances und Happenings im öffentlichen Raum wie in Kunstinstitutionen produzieren sie dokufiktionale Videos, Objekte und raumgreifende Installationen zu gesellschaftlichen Verwerfungen und Transformationsprozessen. Ausstellungen und Aufführungen gehen ineinander über.

Dekompostition (Dung Dung)”

bankleer zeigen in der Ausstellung “Dekompostition (Dung Dung)” und sagen darüber: “Mit unserer Arbeit reflektieren wir die gesellschaftliche Strömung aus Utopisten, Sonderlingen und Sektierer_innen, die am Ende des 19. Jhd. begonnen haben Siedlungen, Landkommunen und Kolonien zu gründen. Motiviert durch Ablehnung des Kapitalismus und das Sehnen nach einer neuen Welt entstand eine Vielzahl unterschiedlicher Ansiedlungen auch um Berlin wie Gildenhall, Wolterdorf, Marienhöhe, Eden, Motzener See, Tiefensee, oder Bornim. Allen gemeinsam ist der Versuch, existentielle, genossenschaftliche und ideelle Werte zu verbinden, was meist an der harten Realität scheiterte. Uns interessieren die Substanzen/Abfälle, die von diesen gescheiterten Daseinsmodellen übrig geblieben, dem formlosen preisgegeben und ohne Bedürfnis nach Autorität – im Halbdunkel verfallen. In den Lücken zwischen Vergangenheit und Zukunft dieser Bewegungen suchen wir nach schlummernden Resten, die es zu erhellen lohnt.”

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Dellbrügge & de Moll arbeiten seit 1984 zusammen. 1988 kamen sie mit einem Stipendium des Künstlerhauses Bethanien nach Berlin. Dellbrügge & de Moll verhandeln die Konstitution von Räumen und die Auseinandersetzung um Definitionshoheit. Bauen und Abreißen, Rekonstruieren und Versetzen, Öffnen und Begrenzen, Tilgen und Benennen sehen sie als Frage von Aushandlung.

Es ist nicht wahr

Dellbrügge & de Moll zeigen unter dem Titel “Es ist nicht wahr” unter anderem das Architekturmodell des Staatsateliers Arno Breker. Sie sagen darüber: “Das Staatsatelier Arno Breker in Berlin-Grunewald ist ein Tatort. Noch ehe der Umbau Berlins zur Reichshauptstadt begonnen hatte, übersetzte hier der Dekorateur der Macht Arno Breker die nationalsozialistische Ideologie in ein monumentales Bildprogramm für Germania. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs überließ der Berliner Magistrat 1949 Brekers Meisterschüler und Protegé Bernhard Heiliger den Ostflügel des Staatsateliers auf Lebenszeit. Dieser distanzierte sich nach dem Krieg von seinem Förderer und verdrängte zeitlebens die Nähe zu Breker, unter dem er während des NS-Regimes acht Jahre lang gearbeitet hatte. Auch das verhinderte eine kritische Auseinandersetzung mit dem Entstehungskontext des Staatsateliers. Im mittlerweile sogenannten „Atelierhaus Käuzchensteig“, mieteten Dellbrügge & de Moll im Rahmen des Berliner Atelierprogramms 2001 eines der acht Einzelateliers, zu denen der Berliner Senat in den 1970er Jahren den monumentalen Haupttrakt umfunktioniert hatte. 2011 erwirkte die Bernhard-Heiliger-Stiftung mit Oberbürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit die Beendigung des Atelierprogramms. Gegen den Widerstand der Künstler erfolgte der Rückbau des Staatsateliers und Berlin überließ der Stiftung mit der Immobilie auch die Nutzungshoheit für ein Privatmuseum, das im Juni 2015 als „Kunsthaus Dahlem“ eröffnete. Im gleichen Jahr nahmen Dellbrügge & de Moll eine Einladung des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark zum Anlass, um zu den nationalsozialistischen Wurzeln des Staatsateliers zurückzugehen und den Kontinuitäten in die Gegenwart zu folgen. Als Ergebnis ihrer Recherchen veröffentlichten sie das Buch „Das Monumentale ist meine Krankheit.*“ mit Quellentexten von Protagonisten des NS-Regimes zur Kunst, sowie Architekturzeichnungen des Staatsateliers Arno Breker nach Originalplänen von Hans Freese, ISBN 978-3-902-09572-5

Architektur

Wie wollen wir wohnen?

Bildvergrößerung: Blick in die Ausstellung
Bild: studio im Hochhaus

Der Architekturbereich möchte Diskussionsanlass und Ideengeber sein in einer Zeit, in der Lösungen gesucht werden müssen, wie städtisches Wohnen auch für „Normalverdiener*innen“ bezahlbar bleiben kann.
Bei der Ausstellung geht es nun um die Kostenreduktion beim Bauen, die durch Selbsthilfe kompensiert werden kann. Ein Beispiel aus Chile, Villa Verde von Elementa, bei der für Erdbebenopfer eine neue Reihenhaussiedlung gebaut wurde, aber aufgrund der begrenzten Mittel, nur 40 qm fertig gebaut wurde und die andere Hälfte zum Selbstausbau vorbereitet wurde. Eine radikale Idee für die erst Gesetze geändert werden mussten um sie realisieren zu können, aber ein Ansatz nicht nur bezahlbare, sondern auch individuell gestaltete Räume zu schaffen. Für das städtische Wohnen ist Villa Verde natürlich kontraproduktiv und eher als Warnung zu verstehen, der Hang zum Eigenheim in einer Phase der Verstädterung muss als Antagonismus bezeichnet werden. Leider werden in Berlin und hier nicht zuletzt in Lichtenberg immer noch große innerstädtische Fläche für Einzel- oder Reihenhaussiedlung, heute als Townhouses bezeichnet, ausgewiesen, was die Flächen für Alternativen immer weiter verkleinert.
Es geht also um Wohnformen, Grundrisse, Preise, Bauen und nicht zuletzt um Besitz, gerade wurde die deutsche Idee der Genossenschaft zum Weltkulturerbe und sie ist aktueller den je.

Video

Das Medium Video erlaubt es, tiefer in den Kosmos der bildenden Kunst einzudringen, da es sich um immaterielle Werke handelt, die kopiert, bewegt und gelöscht werden können. So ist es möglich, Videos von Künstlern zu zeigen, deren Werke aufgrund der Transport- und Versicherungskosten nicht ausstellbar wären. Auch der internationale Austausch wird so grenzenlos.

ab 11. April:
Matthias Beckmann “Atlas der Anatomie”
Das Thema des Skeletts und der Puppe als Stellvertreter für den menschlichen Körper beschäftigt den Zeichner Matthias Beckmann schon seit langer Zeit. Die Bleistiftzeichnungen für diesen Film, der mit Vanitasmotiven spielt, entstanden ohne Korrekturen oder fotografische Hilfsmittel vor dem Motiv.
Die Modelle bewegen sich, drehen sich und werden dabei zuweilen durch mehrere Spiegel vervielfacht. Es sind: das lebensgroße Skelett “Stan”, mal als Ganzes und mal in seine Teile zerlegt, ein kleineres Skelettmodell, eine Puppe, ein Puppenkopf, Ärmchen, Beinchen, Plastiktiere, Messer, Gabeln, eine Gesamtausgabe Edgar Allen Poe sowie Bildzitate nach Dürers “Ritter, Tod und Teufel”, Bellinis Dogenbildnis, Franz Xaver Messerschmidts grotesken Grimassenköpfen und Holzschnitten aus dem legendären Anatomiebuch von Andreas Vesalius aus dem Jahre 1543.
Matthias Beckmann flüsternde Stimme, mit der er die Namen der Muskeln, Sehnen und Knochen aus einem Atlas der Anatomie vorträgt, bildet die Grundlage für eine Klangcollage, in der sich mehrere Tonspuren überlagern. Die Begriffslitanei wird zu konkreter Poesie.
Animationsfilm, 2013, 4:02 Minuten
Idee, Zeichnungen, Sprecher: Matthias Beckmann
Ton: Dirk Schaefer
Filmtechnik: Matthias Daenschel

Projekte

Exploring Hohenschönhausen

Bildvergrößerung: Exploring Hohenschönhausen - Karte zur Erkundung des Stadtteils
Bild: ISSSresearch&architecture

Wir erleben Stadt jeden Tag in unserem Alltag. Wir nutzen bekannte Wege und so bleibt uns Vieles verborgen, weil wir eine vermeintlich bekannte Umgebung immer schneller durchschreiten als eine unbekannte. In der Stadt als soziokulturell produziertem Raum überlagern sich jedoch viele solcher Alltagsrealitäten miteinander und mit Schichten aus Geschichte, Bedeutungen und Räumen.
Wenn die Realität heute oft auf objektive Begebenheiten abstrahiert wird, versuchen wir sie mit subjektiven Narrativen, mit Erzählungen zu ergänzen. Persönliche Geschichten von Bewohner*innen und deren Erinnerungen sind ebenso Teil des kollektiven Wissens über Stadt wie flüchtige Eindrücke Einzelner.

Das Projekt Exploring Hohenschönhausen macht für die Besucher*innen des Studios im Hochhaus das kollektive Gedächtnis und Wissen um den Stadtteil Hohenschönhausen spielerisch und explorativ zugänglich. Mit einer Karte ausgestattet kann man den Stadtteil selbst erkunden und sich dabei von Geschichten und Erzählungen von Bewohner*innen begleiten und führen lassen. Die Hörspiele kann man im Studio im Hochhaus ausleihen, um sich auf den Weg der eigenen Erkundung zu machen. Diese sind auch kostenlos im Internet zu finden.

Das Studio im Hochhaus wird so zu einem Netzwerkknoten in der Stadt und zur Plattform des Austausches rund um die eigenen Erfahrungen. Die Hörspiele bilden den Rahmen, in dem jeder Einzelne zum Akteur seiner eigenen Tour wird. Gemäß der eigenen Geschwindigkeit und ohne feste Route kann das Hörspiel jederzeit gestoppt und an beliebiger Stelle weiter gestartet werden.

Ein Projekt von ISSSresearch&architecture, in Kooperation mit dem Studio im HOCHHAUS, gefördert durch den Bezirkskulturfonds Lichtenberg

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Ausstellungen 2017

  • 01.02. – 05.04.2017

    Kai Richter, Tommy Støckel
    Vernissage am 31. Januar, um 19 Uhr

  • 12.04. – 07.06.2017

    Sonja Alhäuser, Kati Heike Barath
    Vernissage: 11. April, 19 Uhr

  • 14.06. – 23.08.2017

    Bankleer, Dellbrügge & de Moll
    Vernissage: 13. Juni, 19 Uhr

  • 30.08. – 01.11.2017

    Thorsten Goldberg, Martin Kaltwasser
    Vernissage: 29. August, 19 Uhr

  • 08.11. – 09.01.2018

    Seraphina Lenz, Sonya Schönberger
    Vernissage: 7. November, 19 Uhr
    bis 9. Januar 2018

Geschichte des Studios

  • 1990

    Gründung des – studio im hochhaus -, kunst- und literaturwerkstatt.
    Besonderen Stellenwert hatte die Zusammenarbeit zwischen jungen internationalen Künstlerinnen und Künstlern, KulturarbeiternInnen und dem an den damaligen gesellschaftlichen Prozessen interessierten Publikum aus dem Bezirk und weit darüber hinaus.

  • ab 1991

    Ausstellungsprojekte mit national und international namhaften Künstlerinnen und Künstlern aus Lateinamerika, Afrika, Asien, Europas und Osteuropas, aber auch mit jungen noch nicht etablierten Künstlern dieser Kulturregionen entstanden zu unterschiedlichen Themen der Gegenwartskunst, vor allem in den Bereichen Malerei, Grafik, Zeichnungen, Plastik, aber auch Fotografie, Fotoobjekte und Installationen.
    Veranstaltungsreihen zu gesellschaftlich relevanten Themen mit Persönlichkeiten aus Kunst, Wissenschaft und Politik.

  • ab 1993

    Zeitgenössische experimentelle Projekte, unter anderem zur visuellen und experimentellen Poesie.
    Experimentelle und internationale Literaturreihen
    Die Edition – interWall – entstand.

Fakten

Die Galerie verfügt über eine Ausstellungs-, Veranstaltungsfläche von etwa 150 Quadratmetern. Insgesamt ermöglichen zwei Ausstellungsräume mit zirka 50 Quadratmetern, ein Raum mit etwa 15 Quadratmetern und zwei kleine Räume mit zirka 10 Quadratmetern eine variable Ausstellungskonzeption/ Veranstaltungskonzeption. Im großen Veranstaltungsraum können für etwa 60 Personen Sitzplätze (außer Stehplätze) gestellt werden. Der Eingang zur Einrichtung befindet sich zu ebener Erde und ermöglicht einen behindertengerechten Zugang. (WC – ist nicht behindertengerecht). Ein Parkplatz befindet sich in unmittelbarer Nähe.
Besucher im Schnitt pro Jahr: 4000
Veranstaltungen im Schnitt pro Jahr: 50