Sonntags zum Sonnenuntergang: Kerzen für Corona-Tote

Sonntags zum Sonnenuntergang: Kerzen für Corona-Tote

Eine Berliner Initiative will die bisher mehr als 40 000 Corona-Toten in Deutschland mit Kerzen sichtbar machen. Seit Anfang Dezember zünden Menschen in nunmehr etwa 25 Städten und Gemeinden jeweils sonntags zum Sonnenuntergang an öffentlichen Plätzen Kerzen für die Toten an.

  • Kerzen für Corona-Tote (1)© dpa
    «106 Pflegekräfte, 16 Lehrer/Erzieher, 17 Kinder» steht auf einem Plakat. Mehrere Plakate, Grablichter und Kerzen stehen auf dem Podest des Stierbrunnens in Prenzlauer Berg und erinnern an die die aktuelle Zahl der Toten durch Corona in Deutschland.
  • Kerzen für Corona-Tote (2)© dpa
    «Corona-Tote sichtbar machen» steht auf einem Karton. Mehrere Plakate, Grablichter und Kerzen stehen auf dem Podest des Stierbrunnens in Prenzlauer Berg und erinnern an die die aktuelle Zahl der Toten durch Corona in Deutschland.
«Wir haben das angestoßen. Jetzt nimmt es hoffentlich breitere Formen an», sagte der Journalist Christian Y. Schmidt am 11. Januar 2021 der Deutschen Presse-Agentur über die Initiative «Corona-Tote sichtbar machen». Er hat sie gemeinsam mit der Künstlerin Veronika Radulovic ins Leben gerufen und am Stierbrunnen im Berliner Prenzlauer Berg die ersten Kerzen aufgestellt.
«Wir wollen keine Massenaufläufe, sondern, dass die Leute das möglichst dezentral in ihrer Nachbarschaft machen», betonte Schmidt. Zwei Kerzen und ein DIN A4-Blatt, das die Aktion erkläre, genügten schon. Kerzen brannten oder brennen bislang unter anderem in Berlin, Frankfurt am Main, Köln, Düsseldorf, Hamburg und Stuttgart.
«Bei der ersten Welle war in Deutschland die Medienaufmerksamkeit sehr groß, auch, was die Corona-Toten in anderen Ländern anging. Da stand ja Deutschland noch recht gut da», so Schmidt. «Seit Deutschland in der zweiten Welle selber so stark betroffen war, kam kaum noch etwas. Uns schien es, dass man das jetzt tatsächlich mehr oder weniger mit einem Achselzucken wahrnehmen würde. Die Menschen haben sich auch an Corona gewöhnt», sagte Schmidt.
Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg laut Robert Koch-Institut bislang auf 40 686 (Stand: 11.01., 00.00 Uhr). «Diese Zahl ist so unvorstellbar groß und kaum fassbar», ergänzt Schmidt. Mit den Kerzen sei es möglich, die Zahl der Gestorbenen greifbarer zu machen. Die Erinnerungsaktion solle so lange dauern, bis die Zahl der Covid-19-Toten in Deutschland «endlich das öffentliche Bewusstsein erreicht» habe.
Schmidt, der normalerweise auch in China lebt, hat den Ausbruch der Pandemie dort selbst miterlebt und seine ganz persönliche Corona-Geschichte: Seine in China lebende Frau hat der Journalist seit fast einem Jahr nicht mehr sehen können. Inzwischen erinnern auch verschiedene Medien an die Corona-Toten. Der «Berliner Tagesspiegel» etwa hat eine Seite mit Kurzporträts eingerichtet.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 11. Januar 2021 15:01 Uhr

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