Nach Berliner Demonstrationsverbot: Gewaltaufrufe im Netz

Nach Berliner Demonstrationsverbot: Gewaltaufrufe im Netz

Ungeachtet des Verbots der geplanten Berliner Großdemonstration gegen die Corona-Politik mehren sich im Internet Aufrufe, am kommenden Wochenende trotzdem in die Hauptstadt zu reisen und zu protestieren.

Teilweise wurde dabei Gewalt und politischer Umsturz gefordert. «Die extremeren Kräfte pochen gerade darauf, die Demonstration durchzuführen», sagte der Politikwissenschaftler Josef Holnburger am 26. August 2020 der Deutschen Presse-Agentur. Er forscht zu Verschwörungsmythen in sozialen Medien. Dort wird selbst vor Gewalt nicht zurückgeschreckt. Auch Waffen seien ab jetzt zur Gegenwehr erlaubt, hieß es etwa im Messenger-Dienst Telegram. Es wird zum «Sturm auf Berlin» angestachelt, rechtsextreme Influencer rufen zu Reisen in die Hauptstadt auf. Es gebe die Stimmung: «Jetzt erst recht!», so Holnburger.
Weil mit Verstößen gegen die Infektionsschutzverordnung gerechnet wird, machte Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Mittwoch die Absage der geplanten Demonstrationen bekannt. Kurz darauf wurden die Anhänger in sozialen Medien massiv mobilisiert. «Das derzeitige Verbot wird die moderateren Kräfte eher abhalten nach Berlin zu kommen, die radikaleren nicht», erklärte der Wissenschaftler.
Er rechnet damit, dass es zu Ausschreitungen kommen kann. Solche waren auch bereits vor dem Verbot angekündigt worden. Rechtsextreme wie die Partei Der III. Weg und die Identitäre Bewegung riefen spätestens seit den vergangenen Protesten in Berlin ihre Anhänger zu einer Teilnahme an der Nachfolgeveranstaltung auf.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 26. August 2020 14:56 Uhr

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