Entsorgung von Regen- und Abwasser 2022

Kartenbeschreibung

02.09.1 Art der Kanalisation

Etwa 58 % der Gesamtfläche Berlins sind kanalisiert. Von der kanalisierten Fläche werden 81 % durch die Trennkanalisation entwässert, der übrige Anteil ( 19 % ) über die Mischkanalisation. Das entspricht 11 % der gesamten Stadfläche. Die Flächenanteile der jeweiligen Art der Kanalisation sind in Abbildung 1 dargestellt. Das trennkanalisierte Stadtgebiet untergliedert sich in die folgenden Systeme: Die Trennkanalisation mit Schmutz- und Regenwasserkanalisation stellt den größten Anteil dar (22,8 % der Stadtfläche), es folgt mit 15,2 % die Trennkanalisation mit Schmutzwasserkanal ohne Regenwasserkanal (z.B. in Bereichen mit vollständiger Versickerung des Regenwassers). Ein Anteil von 7,5 % stellen Flächen mit Regenkanal ohne Schmutzkanalisation dar, dabei handelt es sich fast ausschließlich um Straßenflächen und vereinzelte Block- und Blockteilflächen, die überwiegend Verkehrsflächen sind. Einen Sonderfall der Trennkanalisation zeichnen Bereiche aus, bei denen die Regenkanalisation in die Überläufe der Mischwasserkanalisation einleitet. 0,9 % der Fläche Berlins ist schmutz- und regenwasserkanalisiert und leitet in die Überläufe der Mischwasserkanalisation ein. Hinzu kommen 0,4 % der Fläche, die nur regenwasserkanalisiert sind und ebenfalls in die Überläufe der Mischkanalisation einleiten.

Bebaute Siedlungsgebiete ohne Kanalisation sind jene Block- und Blockteilflächen, die nicht an die Kanalisation angeschlossen sind, auf denen bebaut versiegelte Flächen vorhanden sind. Diese Block- und Blockteilflächen treten mit 7,1 % Anteil an der Gesamtfläche in der aktuellen Fortschreibung besonders hervor. Dies ist durch die neue Methode begründet, bei der die bebaute Fläche über den Versiegelungsgrad ausgewertet wurde (vgl. Umweltatlaskarte 01.02, SenSBW 2021). In vorangegangenen Jahrgängen wurde die Versiegelung nicht einbezogen, sondern bestimmte Nutzungstypen wurden pauschal als unbebaut und nicht kanalisiert angenommen. Die Entwässerung erfolgt hier überwiegend über Abwassersammelgruben. Das Abwasser wird über Abfuhrunternehmen in den Klärwerken entsorgt. Bei knapp der Hälfte der Flächen handelt es sich um Kleingartenanlagen und Wochenendhaussiedlungen, also Flächen, die bisher nicht ausgewertet wurden. Ebenfalls fallen erhebliche Flächenanteile auf Block- und Blockteilflächen mit sehr geringer Bebauung, beispielsweise Parks, Friedhöfe oder Waldflächen mit einzeln stehenden Gebäuden.

Etwa 35 % der Gesamtfläche Berlins sind nicht kanalisiert bzw. es liegen keine Daten der Berliner Wasserbetriebe vor (private Kanäle).

Abb. 1: Art der Kanalisation in % der Fläche Berlins einschließlich Straßenland (891 km²), Stand 2022

Abb. 1: Art der Kanalisation in % der Fläche Berlins einschließlich Straßenland (891 km²), Stand 2022

In den letzten Jahren wurden durch zunehmende Bautätigkeit und die damit verbundene Zunahme versiegelter Flächen sowie durch die Aktivitäten der Berliner Wasserbertriebe zum Ausbau des Kanalnetzes in bisher nicht kanalisierten Siedlungsgebieten auch neue Gebiete an eine Kanalisation angeschlossen. Gleichzeitig wird die Abkopplung von angeschlossenen Flächen im Bestand angestrebt und vielfach bereits umgesetzt. Vorrangig geschieht dies in Gebieten mit Mischkanalisation, um Mischwasserüberläufe in die Gewässer zu reduzieren.

Die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung, bei der das anfallende Regenwasser nicht abgeleitet wird, sondern direkt vor Ort versickert oder genutzt wird, ist in der aktuellen Karte „Art der Kanalisation“ noch nicht erfasst.

Betrachtet man die Verteilung der unterschiedlichen Systeme über das Stadtgebiet, so zeigen sich die nachfolgenden räumlichen Schwerpunkte.

In den Innenbereichen Wedding, Tiergarten, Mitte, Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Kreuzberg, Schöneberg, Teilen von Neukölln und von Wilmersdorf, Westend sowie der Spandauer Altstadt wird das Abwasser gemeinsam mit dem Regenwasser über die Mischwasserkanalisation entsorgt. In wenigen Fällen sind lokal Trennsysteme vorhanden.

Die Bezirke Reinickendorf, Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick, Steglitz-Zehlendorf und die Außenbereiche der Bezirke Pankow, Neukölln, Tempelhof-Schöneberg, Charlottenburg-Wilmersdorf sowie der überwiegende Teil von Spandau sind nach dem Trennsystem kanalisiert.

Die Regenwasserkanalisation mit Schmutzwasserkanalisation ist die am häufigsten vorkommende Art der Trennkanalisation in Berlin. Gebiete mit dieser Art der Kanalisation befinden sich vor allem im Außenbereich. Die betreffenden Bezirke sind Spandau, Reinickendorf, Pankow, Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick, Neukölln, Tempelhof-Schöneberg und Steglitz-Zehlendorf sowie südwestliche Teile von Wilmersdorf-Charlottenburg, ein kleiner Bereich im Nordwesten von Mitte und die Halbinsel Stralau im Südosten von Friedrichshain.

In einigen Teilbereichen der Ortsteile Wilmersdorf, Weißensee und Spandau sowie in Bereichen um die Schloßstraße in Charlottenburg wurden zur Entlastung der Mischkanalisation Regenwasserkanäle mit Einleitung in die Regenüberlaufkanäle der Mischwasserkanalisation angelegt. Das Schmutzwasser gelangt dort weiterhin in die Mischkanäle. In diesen Gebieten liegen auch Flächen ohne Schmutzwasserkanalisation, deren Regenwasserkanäle in die Regenüberlaufkanäle der Mischwasserkanalisation einleiten. Dabei handelt es sich in der Regel um Straßen.

In den Gebieten mit Schmutzwasserkanalisation ohne Regenwasserkanalisation versickert das Regenwasser geordnet oder ungeordnet. Diese Gebiete finden sich verteilt in allen Gebieten mit Trennkanalisation und sind gehäuft an stadtrandnahmen Lagen anzutreffen.

Die Erschließung aller Altsiedlungsgebiete der Kategorie I (vorrangig zu kanalsierende Gebiete) ist erfolgt (Abgeordnetenhaus Berlin 2009). Die Erschließung der Siedlung Wartenberg wurde 2018 ebenfalls abgeschlossen. Es gibt in Berlin noch eine Reihe weiterer Altsiedlungsgebiete ohne Kanalisation. Es wurde beschlossen, dass fünf dieser Gebiete (Biesenhorst, Buchholz Nord I, Schönholz, Karow Süd, Karow Ost) bis zum Jahr 2030 schmutzwasserseitig erschlossen werden. Für die übrigen acht Altsiedlungsgebiete (Schmöckwitz-Werder, Schmöckwitz Schwarzer Weg, Neu-Venedig, Rahnsdorf-Süd, Siedlung Schönhorst, Siedlung Spreewiesen, Gatow Siedlung Habichtswald, Blankenfelde Altsiedlung) erfolgt die Entscheidung zu einem späteren Zeitpunkt.

Darüber hinaus gibt es noch diverse einzelne Straßenzüge, die ebenfalls nicht an die zentrale Abwasserbehandlung angeschlossen sind (Lückenschlussgebiete). Diese werden sukzessive erschlossen.

02.09.2 Einzugsgebiete der Regenwasserkanalisation

Die Einzugsgebiete der Regenwasserkanalisation gehören je nach aufnehmendem Hauptgewässer zum Einzugsgebiet von Spree und Dahme im Osten und Südosten Berlins, zum Einzugsgebiet der Havel im Norden, Nordwesten und Südwesten Berlins oder zum Einzugsgebiet des Teltowkanals im Süden der Stadt.

Landseen, Parkseen, Teichgewässer und andere abflusslose Gewässer sind in ihrer Lage auf das gesamte Stadtgebiet verteilt.

Da im Bereich des Inneren S-Bahnringes das Mischsystem vorherrscht und das Regenwasser hier nur in Ausnahmefällen in das Gewässersystem gelangt, wurde es keinem Einzugsgebiet der Regenkanalisation zugeordnet. Ausnahmen bilden Teile von Tempelhof und Wilmersdorf nördlich der Stadtautobahn, welche in die Kanäle südlich der Spree (Neuköllner Schifffahrtskanal und Landwehrkanal) entwässern, der Bereich Alt-Treptow, welcher in die Spree entwässert sowie kleinere Flächen, die an lokal installierte Trennsysteme innerhalb des Mischkanalgebietes angeschlossen sind, beispielsweise das Nikolaiviertel und einzelne Straßenzüge, die separat entwässert werden.

Tab. 2: Regenwasserableitung in die Kanalisation - Einzugsgebiete und angeschlossene versiegelte Fläche, Stand 2022

In der Tabelle 2 sind die Gesamtflächen der Einzugsgebiete der einzelnen Gewässerabschnitte dargestellt. Mit Hilfe der 2021 letztmalig kartierten Versiegelungsgrade der Block- und Blockteilflächen (vgl. Umweltatlaskarte 01.02, SenSBW 2021) können für die einzelnen Einzugsgebiete auch die versiegelten Flächen angegeben werden, die in den Einzugsgebieten liegen. Wie bereits geschildert, sind jedoch innerhalb der als regenwasserkanalisiert geltenden Block- und Blockteilflächen nicht immer alle versiegelten Flächen vollständig an die Regenkanalisation angeschlossen. Um die tatsächlich angeschlossene versiegelte Fläche abzuschätzen, wurde für die Block- und Blockteilflächen auf die Tabelle 1 des Begleittextes zur Umweltatlaskarte 02.13.1 „Oberflächenabfluss aus Niederschlägen“ (SenStadtWohn 2017) zurückgegriffen. Diese Tabelle enthält pauschalisierte effektive Anschlussgrade für die Stadtstrukturtypen (Flächentypen), getrennt nach Gebäuden, Straßen und sonstigen versiegelten Flächen. In den Flächentypen des Außenbereiches beträgt demnach der Anschlußgrad z. T. nur 30 % der versiegelten Flächen. Für die Straßenflächen wurde davon ausgegangen, dass der versiegelte Anteil der Straßenfläche zu 100 % kanalisiert ist. In der Realität können die Anschlussgrade vor Ort erheblich abweichen, dennoch geben die Zahlen einen Eindruck von den charakteristischen Eigenschaften der Einzugsgebiete wieder.

Tabelle 5 des Begleittextes zur Karte 02.13.1 “Oberflächenabfluss aus Niederschlägen 2017” zeigt die abschnittsweise zusammengefassten Einleitungsmengen in die Gewässer Berlins. Die Oberflächenabflüsse im Bereich des Mischsystems werden mit Ausnahme der Anteile, die bei Starkregen über die Notauslässe der Pumpwerke und die Regenüberläufe des Kanalnetzes ebenfalls direkt in die Gewässer gelangen, den Klärwerken zugeführt, von wo aus sie nach einer entsprechenden Abwasserbehandlung zusammen mit dem ebenfalls behandelten Schmutzwasser in die Gewässer eingeleitet werden.

Mit mehr als 81 km² besitzt der Teltowkanal (einschließlich Rudower Arm) das größte Einzugsgebiet der Regenwasserkanalisation. Danach folgt die Wuhle mit einer Einzugsgebietsfläche von ca. 20 km² und die Panke (ab Verteilerbauwerk) mit ca. 17 km². Aus dem ca 98 km² großen Bereich der Mischkanalisation gelangt das Regenwasser überwiegend in die Klärwerke (vgl. Umweltatlas „Oberflächenabfluss aus Niederschlägen“ 02.13.1, SenStadtWohn 2017).