Versorgungsbereiche Gebäudewärme / Überwiegende Heizungsarten 1994

Kartenbeschreibung

Die grafische Darstellung der ausgewerteten Daten über die Beheizungsstruktur der Wohn- und Arbeitsstätten in Berlin liefern Erkenntnisse sowohl über großräumig zusammenhängende Gebiete als auch über Blockteilflächen.

Karte 08.01 Versorgungsbereiche Gebäudewärme

Die Abhängigkeit des Brennstoffeinsatzes von Baustruktur und Lage im Stadtgebiet wird bereits auf der Ebene der 23 Stadtbezirke deutlich. Es ergeben sich deutliche Verwendungsschwerpunkte der Kohle in den Innenstadtbezirken oder etwa der Fernwärme in den Ost-Berliner Bezirken mit hohem Anteil an Großsiedlungen (vgl. Tab. 4).

Die Karte 08.01.1 Versorgungsbereich Fernwärme spiegelt deutlich die örtliche Nähe von Heizwerken und Heizkraftwerken zum jeweiligen Versorgungsgebiet wider. Größten Anteil an der gesamten Fernwärmeversorgung in Berlin hat die BEWAG mit einem Leitungsnetz von zusammen etwa 1 000 km. Der überwiegende Anteil der 2 208 mit Fernwärme versorgten Blöcke weist eine prozentual hohe Fernwärmeversorgung aus (größer 60 %). In den Stadtrand- und Neubausiedlungen Hohenschönhausen, Marzahn, Märkisches Viertel u. a. werden zusammenhängende Wohngebiete vollständig durch Fernwärme versorgt. Insgesamt unterstreicht die Darstellung die Spitzenstellung Berlins beim Anteil der Fernwärmeversorgung im europäischen Vergleich. Jedoch besteht beispielsweise im kohlebeheizten Altbaubestand am Rande fernwärmeversorgter Areale ein hohes Anschlußpotential für Fernwärmeversorgung.

Die Karte 08.01.2 Versorgungsbereich Gasheizung zeigt die feinmaschige Verteilung des Leitungsnetzes über das gesamte Berliner Siedlungsgebiet. Die prozentualen Anteile an der gesamten beheizten Fläche in den jeweiligen statistischen Blöcken bewegen sich überwiegend zwischen 10 und 40 %. Hohe Gasversorgungsanteile weisen nur wenige Blöcke auf, z. B. Wohnblöcke in Spandau, Zehlendorf, Britz, Reinickendorf, Pankow und Köpenick, sowie verteilt über das Stadtgebiet einzelne Gewerbe-, Verwaltungs- und Dienstleistungsstandorte. Durch die großräumige Verteilung der Erdgasleitungen im Stadtgebiet besteht analog zur Fernwärme ein großes Erweiterungspotential.

Bis zur Wiedervereinigung beider Stadthälften gab es im Ostteil Berlins praktisch keine ölversorgte Gebäudebeheizung. Der in der Karte 08.01.3 Versorgungsbereich Ölheizung dargestellte Versorgungsstand 1993/94 drückt diesen Umstand noch sehr deutlich aus. Während im Westteil der ölbeheizten Gebäudeversorgung eine sehr dominierende Rolle zukommt (ca. 42 % der gesamten beheizten Fläche in West-Berlin), ist im Ostteil (ca. 3,5 % der gesamten beheizten Fläche Ost-Berlins) bisher nur eine deutliche Zunahme in den Ein- und Zweifamilienhaus-Gebieten zu erkennen (vgl. Tab. 4 und Abb. 3).

Tab. 4: Wohnraum- und Arbeitsstätten-Beheizung in den Berliner Bezirken 1994 nach Heizungsarten in Prozent

Tab. 4: Wohnraum- und Arbeitsstätten-Beheizung in den Berliner Bezirken 1994 nach Heizungsarten in Prozent

Die weitere Entwicklung wird wesentlich davon abhängen, inwieweit die im Energiekonzept des Berliner Senats vorgesehene Planung von Vorranggebieten für die Fernwärme- und Erdgasversorgung umgesetzt wird.

Abb. 3: Anteile der einzelnen Heizenergien in Blöcken mit Ein- und Zweifamilienhausbebauung in Lichtenrade und Kaulsdorf/Mahlsdorf 1994 (Wohnblöcke mit überwiegender Bebauungsstruktur Gartentyp)

Abb. 3: Anteile der einzelnen Heizenergien in Blöcken mit Ein- und Zweifamilienhausbebauung in Lichtenrade und Kaulsdorf/Mahlsdorf 1994 (Wohnblöcke mit überwiegender Bebauungsstruktur Gartentyp)

Mit Ausnahme der fernwärmeversorgten Konzentrationsgebiete gibt es im Westteil ölversorgte Gebäudebeheizung mit unterschiedlichem Versorgungsgrad in nahezu allen Blöcken. Insbesondere Gewerbestandorte, modernisierte Altbauquartiere und Stadtrandsiedlungen weisen einen hohen Anteil an Ölheizungsanlagen aus. In den Ein- und Zweifamilienhaus-Gebieten ist Öl der dominierende Brennstoff für die Gebäudebeheizung; die prozentualen Anteile an der gesamten beheizten Fläche im Block liegen hier vielfach weit über 60 %.

Trotz zahlreicher Umrüstungsmaßnahmen im öffentlichen und privaten Bereich macht der Einsatz der Kohle zu Heizzwecken vor allem in den Innenstadtbezirken Ost-Berlins noch einen erheblichen Anteil aus (vgl. Abb. 4).

Abb. 4: Anteile der einzelnen Heizenergien (Wohnblöcke mit gründerzeitlicher Bebauung) in Kreuzberg und Prenzlauer Berg 1994

Abb. 4: Anteile der einzelnen Heizenergien (Wohnblöcke mit gründerzeitlicher Bebauung) in Kreuzberg und Prenzlauer Berg 1994

Die Karte 08.01.4 Versorgungsbereich Kohle macht jedoch ebenso deutlich, daß in den bis 1989 ebenfalls fast ausschließlich kohlebeheizten Ein- und Zweifamilienhaussiedlungen im Ostteil Berlins fünf Jahre später vielfach schon die Kohle zugunsten der Heizöl- oder (Flüssig-)Gasverwendung verdrängt wurde. Im Westteil der Stadt umfaßt der Einsatz fester Brennstoffe im Energiesektor prozentual nur etwa ein Drittel des östlichen Wertes und wird sich weiter verringern. Aus der Darstellung nicht unmittelbar ableitbar ist der Umstand, daß im Fernwärmebereich die Verwendung insbesondere der Steinkohle bei den großen Heizkraftwerken der BEWAG weiterhin einen Schwerpunkt mit mehr als 80 % am Energieträgereinsatz ausmacht (vgl. Karte 08.02.1).

Karte 08.02 Überwiegende Heizungsarten

In dieser Karte ist die noch immer deutlich unterschiedliche Beheizungsstruktur beider Stadthälften zu erkennen. Im Westteil ist Heizöl für die Gebäudebeheizung der dominierende Brennstoff. Gas und Fernwärme haben flächenmäßig etwa gleiche Anteile, jedoch in einer deutlich unterschiedlichen Verteilungsstruktur.

Während in Blöcken im westlichen Innenstadtgebiet der Versorgungsgrad mit ölbeheizten Flächen ca. 40 % beträgt, erreicht die Heizungsart Öl in den westlichen Stadtrandgebieten Versorgungsgrade größer 80 %.

Im Ostteil der Stadt ist neben dem sehr hohen Fernwärmeversorgungsgrad weiterhin Kohle als Brennstoffeinsatz für die Wohn- und Arbeitsstättenbeheizung dominierend, insbesondere in den Altbauquartieren der Innenstadt sowie in den Ein- und Zweifamilienhausgebieten am Stadtrand. Hier ist aber weiterhin mit hohen Umstellungsraten auf andere Energieträger zu rechnen.

Daß ca. 21 % des gesamten Berliner Wohnraum- und Arbeitsstättenbestandes mit Gas beheizt werden, tritt aufgrund der relativ gleichmäßigen Verteilung der Gasversorgung über das gesamte Stadtgebiet in dieser Karte nicht so deutlich hervor. Neben kleineren Konzentrationsgebieten in Pankow, Treptow und Köpenick sind in Ost-Berlin Mischformen der Heizungsarten, z. B. Gas/Kohle bestimmend. In Ein- und Zweifamilienhausgebieten am Stadtrand ist für viele Wohnblöcke als Folge der Umwandlungsraten der letzten Jahre bereits eine Kombination aus Gas/Öl/Kohle gegeben, wobei die Energieträger Heizöl oder Gas zukünftig bestimmend sein werden. Im Westteil ist die Mischversorgung Gas/Öl in Gebieten mit geschlossener Blockbebauung, z. B. in Schöneberg, Tiergarten, Wedding, Tempelhof sowie auch in Spandau und Reinickendorf, auffällig.

Neben den Stadtrandgebieten Ost-Berlins mit einem hohen Anteil an Kohleheizungen, gibt es gerade in den innenstadtnahen mehrgeschossigen Altbauquartieren in Friedrichshain, Prenzlauer Berg und Pankow eine sehr hohe Anzahl an Kohleeinzelbeheizung. Diesen Altbaugebieten schließen sich östlich wie westlich mit Fernwärme versorgte Gebiete an.

Im Hinblick auf die weitere Entwicklung im Bestand sind neben den mischversorgten Gebieten vor allem die Bereiche von Interesse, wo unterschiedliche Versorgungsstrukturen direkt benachbart sind. In beiden Fällen bestehen aufgrund der räumlichen Nähe besondere Chancen, die Energieträger Fernwärme und Gas weiterzuentwickeln.

Die Karte 08.02.2 Brennstoffeinsatz bedeutender Heiz- und Heizkraftwerke verdeutlicht die auch im Kraftwerksbereich bestehenden Unterschiede bei der Wahl der eingesetzten Energieträger. Über 80 % Steinkohleanteil am Brennstoffeinsatz für den Wärmemarkt bei den acht West-Berliner Heizkraftwerken der BEWAG stehen in den vier Heizkraftwerken im Ostteil fast 60 % Erdgas-Anteil gegenüber. In Ost-Berlin stellt die Braunkohle mit knapp 40 % gegenüber unter 1% in West-Berlin jedoch einen relevanten Anteil bei den Festbrennstoffen (vgl. auch Abb. 1).