Konradshöhe

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Bild: BA Reinickendorf

Im Jahre 1865 erwarb der Kupferschmiedemeister Rohmann aus Berlin-Mitte vom Heiligenseer Bauern Lemcke für 1000 Taler 20 Morgen Kuschelheide. Dieser errichtete hier – gegen bereits zu der Zeit bestehender bürokratischer Hürden – eine Kupferschmiede neben Wohnhaus, Stall, Remisengebäude und einer Umfassungsmauer. Diese kleine Siedlung benannte er 1868 amtlich nach dem Namen seines ältesten Sohnes “Conrads Höh”.
Im Laufe der Jahre entstanden hier viele attraktive Villen, so z.B. die Villa des Tiergartener Bankiers Moritz Bonte, die “Eidechsen”- Villa, die einem Fabrikanten für Hühneraugenmittel gehörte oder das “Allkupferhaus”, das 1931 von Meta Neumann an die Hirsch-, Kupfer- und Messingwerke AG in Auftrag gegeben wurde. Aber auch Billy Jenkins – der Cowboy-Artist – lebte in Konradshöhe und noch heute existiert die “Billy-Jenkins-Sammlung Reinickendorf in der Gabelweihstraße 4a, die durch Ausstellungen, biographische Forschung und Veröffentlichungen das Gedenken an den jüdischen Künstler bewahrt.

Östlich des S- und U-Bahnhofes Wittenau erstreckt sich bis zur Bezirksgrenze nach Pankow, an der von 1961 bis 1989 die Berliner Mauer verlief, das Märkische Viertel. Das Wohnviertel wurde nach dem Bau der Berliner Mauer in den Jahren 1963 bis 1974 errichtet und zählte damals zu den größten, aber auch umstrittensten Neubaugebieten Deutschlands. Von 20 Architekten wurden unter der Gesamtleitung von Werner Düttmann, Hans Müller und Georg Heinrichs etwa 17.000 Wohnungen für ca. 50.000 Menschen errichtet. lm Märkischen Viertel wurde entgegen der damals herkömmlichen Flächenbebauung eine Stadtlandschaft errichtet. Zusammenhängende Ketten von gestaffelten Wohnhochhäusern sollten wie Arme die bereits vorhandenen, aber auch die neu errichteten Gebiete mit kleineren Wohnhäusern umschließen. Im Mittelpunkt dieser Gesamtanlage wurde ein Dienstleistungszentrum mit Geschäften, einem Kaufhaus und Restaurants als Kommunikationsort errichtet.

Wohl ist Konradshöhe/Tegelort – zudem auch die Siedlung Jörsfelde gehört, die im Rahmen der Gebietsreform von 1920 in den Ortsteil Konradhöhe/Tegelort einbezogen wurde – keine Gartenstadt wie Frohnau. Doch auch dieser von Wald und Wasser umgebene Ort hat so viele besondere Eigenschaften und Schönheiten, dass er die Menschen anzieht; sei es als Bewohner, sei es als Besucher. Im Süden breitet sich der Tegeler See mit seinen herrlichen Inseln und bewaldeten Ufern aus. Im Westen bildet die Havel, die hier sehr breit und teilweise seenartig erweitert ist, die Grenze dieses Ortsteiles. Im Osten und Norden dehnt sich der große Tegeler Forst bis nach Hermsdorf und Frohnau aus.

Gemessen an anderen Ortsteilen, z.B. Lübars oder Wittenau, ist Konradshöhe/Tegelort ein sehr junger Ortsteil. Auch er gehört in die geschichtliche Entwicklung Berlins und ist heute nicht nur für die Bewohner, sondern für die ganze Stadt eine interessante Region. Die von Gastwirtschaften, Einfamilienhäusern und Dampferanlegestellen geprägte ländliche Kolonie gehört wie eh und je zu den schönsten Ausflugszielen Berlins und ist nicht erst seit dem Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin eine sehr begehrte Wohngehend.

Auf der Gemarkung von Heiligensee entwickelten sich im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts die Vorortsiedlungen Tegelort, Joersfelde und Konradshöhe. Die älteste Kolonie ist Konradshöhe, wo sich 1868 ein Gehöft mit 45 Morgen befand. Es folgten Tegelort im Jahre 1872 und Joersfelde 1891. Bereits um 1900 übten sie eine große Anziehungskraft auf die Berliner Sommerfrischler aus. Joersfelde, die ehemalige dritte Kolonie zwischen Konradshöhe und Tegelort, lag einst auf dem Terrain, das durch die Luisenstraße und den Edeltraudweg und der heutigen Buntspecht- und Marlenestraße begrenzt wird. Der Name geht auf den Gründer, den Berliner Mützenfabrikanten Otto Joers, zurück und war bis in die vierziger Jahre hinein gebräuchlich. Heute erinnern nur noch eine Straße in Tegelort und der Joersfelder-Segel-Club an die einstige Kolonie.

Tegelort erreicht man mit dem Bus 222 vom U-Bahnhof Alt-Tegel aus. Die ehemalige Kolonie, die 1997 125 Jahre alt geworden ist, verblieb trotz zahlreicher Veränderungen ein Wohn- und Ausflugsort, wenn auch viele der einstigen alten Gebäude neuerer Bebauung weichen mussten.1935 wurde in der Nähe des Lokals “Seegarten” eine Werksangehörigen-Siedlung der Firma “Rheinmetall-Borsig GmbH” errichtet. Die zahlreichen Ausflugslokale der ehemaligen “Gaststättenkolonie” wie der “Seegarten”, der “Lindenbaum”, die Gastwirtschaften “Schwan”, “Bellevue”, “Seeblick” und “Heideschlösschen” sind heute alle verschwunden, da sie sich vom Ausflugsverkehr nicht mehr am Leben halten konnten. Ursachen dafür mögen wahrscheinlich die gestiegenen Grundstückspreise, die den Verkauf der Liegenschaften als Bauland begünstigt haben, die hohen Bewirtschaftungs- und Personalkosten der Restaurants, das veränderte Freizeitverhalten der Berliner und vielleicht auch die Tatsache sein, dass es auch auf den Schiffen Speisen und Getränke gibt.

Eines der bekanntesten und heute leider auch das letzte Ausflugslokal ist das “Hotel-Restaurant Igel” in der Friederikestraße 20 (Tel. 431 40 42), das sich seit 1952 in Familienbesitz befindet. Das Ausflugsrestaurant besitzt eine große Gartenterrasse mit 300 Plätzen direkt am Tegeler See in unmittelbarer Nachbarschaft zum Anlegesteg. Die Küche ist gut bürgerlich mit einer Auswahl von Fischgerichten und selbstgebackenem Kuchen zu durchschnittlichen Preisen. Konradshöhe schließt sich nördlich an Tegelort an, ist historisch gesehen jedoch eine frühere Gründung. Das älteste Haus von Konradshöhe, die einstige Kupferschmiede von Theodor Rohmann, war ab 1891 das Ausflugsrestaurant “Konradshöher Terrassen” und wurde nach 1937, nachdem man im Inneren eine Art Tropfsteinhöhle errichtet hatte, in “Feen-Grotte” umbenannt. Dieses Ausflugs- und Variete-Lokal mit einer eigenen Dampferanlegestelle war unter den Berlinern sehr bekannt. Im September 1979 wurde es abgerissen, und auf dem 3700 Quadratmeter großen Grundstück Steinadlerpfad 15 wurden Doppelhäuser und Eigentumswohnungen gebaut.

Wie Tegelort, so ist Konradshöhe auch heute noch von Gaststätten und Einfamilienhäusern geprägt. Zu den interessantesten Bauwerken von Konradshöhe zählt die 1939 am Schwarzspechtweg errichtete Jesus-Christus-Kirche, deren Architekt Otto Kuhlmann war, der auch für die städtebauliche Gesamtanlage des Spandauer Johannesstiftes verantwortlich zeichnete. Der Kirchenbau ähnelt äußerlich einer Dorfkirche, das Innere schmückt ein die gesamte Altarwand einnehmendes Fresko des Künstlers Rudolf Schäfer. Ein kleineres Geschäftszentrum befindet sich am Falkenplatz, dem zentralen Platz von Konradshöhe. Auf dem Platz erinnert ein Gedenkstein an die Widerstandskämpfer Richard Neumann, der drei Tage nach der sowjetischen Besetzung am 26. April 1945 von SS-Leuten erschossen wurde, weil er im Forst bei Heiligensee versteckte polnische Zwangsarbeiter mit Lebensmitteln versorgte, und Albert Brust aus Tegelort (Friederikestraße 11 ), der als Maschinenschlosser bei “Rheinmetall-Borsig” die dortige Betriebswiderstandsgruppe leitete und am 26. September 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet wurde.

Vom Falkenplatz fahren die Busse 324 nach Alt-Heiligensee und 222 nach Tegel, Waidmannslust und Lübars.
Im Jahre 2001 erhielt Konradshöhe/Tegelort als letzter Ortsteil ein eigenes Wappen, geschaffen von dem Hiraldiker Harry Pohle.